Der Wohnliche Kleinstcamper Mini Wildgoose

26.10.2021
Heute ist der Mini fast schon ein Maxi. In den ersten Jahren machte der britische Kleinwagen seinem Namen noch alle Ehre, sogar auf dem Campingplatz - als Kleinstwohnmobil Wildgoose.
Das ganze Ausmaß: Effiziente Raumausnutzung gilt auch den Mini Wildgoose. Foto: Bernhard Filser/BMW Group/dpa-tmn
Das ganze Ausmaß: Effiziente Raumausnutzung gilt auch den Mini Wildgoose. Foto: Bernhard Filser/BMW Group/dpa-tmn

München (dpa/tmn) - Von wegen California Dreaming! Klar, denkt jeder bei Camping-Oldtimern erst einmal an den VW Bulli und wähnt sich bei Hippie-Musik am Pazifik-Strand. Doch heute führt die Zeitreise nicht im legendären Samba-Bus aus Wolfsburg statt. Denn wir sitzen in der Wildgoose aus Worthing.

Selbst mit dem Camping-Aufbau kaum länger als der aktuelle Mini, geht es in der Einraumwohnung auf Rädern ziemlich beschaulich zu. «Doch im Grunde verkörpert die Wildgoose genau jenen Geist der maximalen Raumausnutzung, die den Mini berühmt gemacht hat», schreiben die offiziellen Werks-Chronisten und schwärmen davon, dass dieses Wohnmobil genau wie das Auto für vier Personen konzipiert war.

Willkommen im Tiny House auf Rädern

Die Wildgoose war für Rentner gedacht, die sich einen schönen Lebensabend auf dem Land machen wollten. Dabei dürften es schon deren Enkel schwer haben, auf den Pritschen über den Kotflügeln in den Schlaf zu kommen. Überhaupt, die Möblierung.

Zwar surrt das Dach nach ein paar Umdrehungen an der Kurbel hinter dem Fahrersitz auf Knopfdruck elektrisch an Ketten nach oben. So schafft es tatsächlich Stehhöhe in der Kabine. Und Stirn- und Rückwand fallen danach wie von selbst in ihre Position.

Doch beginnt spätestens beim Einrichten ein nervzehrendes Puzzle mit einem halben Dutzend Polstern, die mal Tisch und Bank sind und mal Bett. Fast schon ein Kinderspiel: der Küchendienst. Links auf dem Einbauschrank thront ein Gasbrenner samt des unverzichtbaren Teekessels. Rechts haben die Briten sogar eine kleine Spüle installiert. In den Fächern darunter: das passende Geschirr dazu.

Unterwegs mit gemütlicher Maximalgeschwindigkeit

Kurz gesagt: Das Wohnen in der Wildgoose erfordert gewisse Zugeständnisse. Und das gilt auch fürs Fahren. Denn die Wildgoose sieht nicht nur aus wie ein Mini mit Schneckenhaus auf dem Rücken - sondern sie bewegt sich auch so.

Schon möglich, dass der Classic Mini der König der Kurven war. Doch in der Wildgoose ist vom legendären Gokart-Feeling nichts zu spüren. Dieser Zugvogel liebt die langen Geraden, kostet jede davon genüsslich und vor allem lange aus. Ein gerade mal 0,8 Liter großer Vierzylinder mit mickrigen 25 kW/34 PS treibt den Wagen an, der dem Wind mehr Fläche entgegen reckt als die Segelschiffe vor den White Cliffs of Dover.

Und dabei ist das Penthouse längst abgelassen und der Bungalow über der Hinterachse wieder zu einer Hundehütte degradiert, aus der die Mini-Schnauze hervor lugt wie der Kopf eines britischen Beagles.

Die Wildgänse kommen - nun, zumindest eine

Wo die Wildgoose heute auftaucht, ist sie der absolute Blickfang - egal ob auf dem Campingplatz oder im Stadtverkehr. Und selbst die kürzeste Fotofahrt rund um die BMW Classic Sammlung in München gelingt nicht ohne Polizeikontrolle, weil auch Ordnungshüter nicht vor Neugier gefeit sein. Der skurrile Camper ist seltener als jeder Supersportwagen. «Denn viel mehr als 60 Exemplare wurden von der Wildgoose nicht gebaut», sagt Mini-Sprecher Andreas Lampka. Sein Kollege aus dem Classic-Werkstatt weiß von gerade mal von sechs Autos, die bis heute überlebt haben.

© dpa-infocom, dpa:211025-99-730426/3


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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