Der Millionenschlager Toyota Land Cruiser

26.05.2020
Viele legendäre Geländewagen entstanden im Zeichen eines militärischen Auftrags. Das war auch beim Toyota Land Cruiser so geplant. Dass es doch ein wenig anders kam, änderte nichts am Erfolg.
Rustikale Technik: Der alte Geländewagen setzt auf Blattfedern und Starrachsen. Foto: Toyota/dpa-tmn
Rustikale Technik: Der alte Geländewagen setzt auf Blattfedern und Starrachsen. Foto: Toyota/dpa-tmn

Köln (dpa/tmn) - Wann immer Fans über legendäre Geländewagen fachsimpeln, ist die Rede zumeist von der Mercedes G-Klasse, dem Jeep Wrangler oder dem Land Rover Defender. «Die sind zwar aller Ehren wert», sagt Alexander Wohlfarth. Doch einer werde dabei gerne vergessen: der Toyota Land Cruiser, so der Experte, der dem Wagen ein Buch gewidmet hat.

Denn der Japaner ist nicht nur genauso alt und genauso gut wie das notorische Trio der Dinosaurier im Dreck, sondern er ist obendrein viel erfolgreicher. «Er ist der meistverkaufte Geländewagen der Welt und hat gerade die zehn Millionen vollgemacht», sagt Wohlfarth, der Initiator des vor allem dem Toyota gewidmeten Buschtaxi-Treffens.

Doch während bei der Konkurrenz längst das Marketing die Kontrolle übernommen und die Geländewagen auf den Legenden-Sockel gestellt hätte, gehe es Toyota bis heute nicht um den Ruhm, sondern allein darum, dass der Land Cruiser immer und überall seinen Job mache: «Ein Nutzfahrzeug durch und durch, eher Werkzeug als Spielzeug und ganz sicher kein Lifestyle-Objekt», umreißt der Experte die Positionierung und erklärt so den Image-Rückstand.

Am Anfang stand der militärische Einsatz - eigentlich

Aber so ganz leicht hatte es der Land Cruiser ohnehin nie. Denn schon am Beginn der Geschichte stand eine Niederlage, räumt Wohlfarth ein. Entwickelt wurde der Geländewagen ursprünglich als Angebot an das US-Militär, das seine in Japan stationierten Truppen im Korea-Krieg mit Fahrzeugen aus lokaler Produktion mobil machen wollte: «Aus Material- und Zeitknappheit griff man einfach ins Teileregal und verwendete bewährte Komponenten aus verschiedenen hauseigenen Lkw», zitiert Wohlfarth aus der Chronik.

«Über dieses Prachtstück der Bastelkunst stülpte man ein paar rudimentär geformte Blechteile, fertig war der Prototyp. Und weil das ganze aussah wie ein Jeep und der Motor das Kürzel B hatte, wurde der Wagen kurzerhand Toyota Jeep BJ genannt.» Dummerweise sprengten die Entwickler dabei den Kostenrahmen und verloren den Auftrag an die Konkurrenz. Dennoch klappte es mit einer Serienproduktion ab 1951.

Exportschlager in über 170 Länder

Die erste Auflage wurde - mit bescheidenen Stückzahlen von wenigen hundert Autos - fünf Jahre gebaut, musste aber zwischendurch den Namen ändern. Denn 1954 lässt sich Willys Overland «Jeep» als Marke schützen und zwingt Toyota so zu einer zweiten Taufe: Aus dem Jeep BJ wird deshalb am 24. Juni 1954 der Land Cruiser. Und macht seither seinem Namen alle Ehre. Denn er cruist tatsächlich durch aller Herren Länder und wird mittlerweile in über 170 Staaten verkauft.

In Deutschland wird das Raubein komfortabel

Nur nach Deutschland schafft er es offiziell erst 1977, meldet die Toyota-Zentrale und berichtet von einem baldigen Image-Wandel. Denn 1980 kommt der J60 und macht der Ära der raubeinigen Geländegänger, für die Luxus ein Fremdwort war, eindrucksvoll ein Ende: Er bietet mehr Komfort, mehr Platz und mehr Pkw-Schick als alle seine Vorgänger und bewahrt sich dennoch deren unverwüstliche Robustheit und souveränen Offroad-Eigenschaften.

Diesen Spagat zwischen Schlamm und Straße steht der Land Cruiser bis heute. Wie weit sich der Geländewagen dabei entwickelt hat, zeigt eine Ausfahrt mit einem J40 aus der historischen Sammlung des Herstellers. Der ist knappe 40 Jahre alt, wirkt aber gemessen an dem elektronisch aufgerüsteten Luxuslaster von heute wie aus der automobilen Steinzeit.

Ausfahrt im 40 Jahre alten Oldtimer

Wo man im aktuellen Modell mit dem kleinen Finger die Richtung weist, braucht man hier Oberarme wie ein Preisboxer, um den Toyota am dürren Lenkrad auf Kurs zu halten. Man springt auf den klapprigen Gartenstühlchen den Blattfedern und Starrachsen sei Dank bei jeder Bodenwelle so hoch, dass man schnell Beulen am Kopf und im dünnen Blechdach hat. Und «rustikal» ist für das nüchterne Ambiente aus nacktem Metall und wenig Plastik noch geschönt.

Doch der 3,4 Liter große Vierzylinder-Diesel kennt kein Halten: Nicht das Auto, sondern der Fahrer definiert die Grenze, wenn es mit 66 kW/90 PS und maximal 216 Nm im Kriechgang über Kuppen geht, vor denen jeder Wanderer kapituliert. Steilstrecken, Kletterpartien quer zum Hügel, Schlamm oder Wasserdurchfahrten - all das kann dem Land Cruiser nichts anhaben. So wird selbst eine kleine Sonntagsfahrt zum Abenteuerurlaub auf Rädern.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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