Das neue Cabrio des VW T-Roc im Praxistest

25.03.2020
Cabrios sind selten geworden in der Kompaktklasse. Doch VW stemmt sich gegen den Trend und lockt die Kunden jetzt wieder an die frische Luft. Allerdings nutzen die Niedersachsen dafür diesmal eine überraschende Basis.
Dank des soliden Fahrwerks hat der VW T-Roc auch ohne Allrad kaum Probleme auf unebenem Untergrund. Foto: Volkswagen AG/dpa-mag
Dank des soliden Fahrwerks hat der VW T-Roc auch ohne Allrad kaum Probleme auf unebenem Untergrund. Foto: Volkswagen AG/dpa-mag

Berlin (dpa-infocom) - VW lässt in der Kompaktklasse Sommergefühle aufkommen. Denn wenn die Niedersachsen den T-Roc zu Preisen ab 27.495 Euro auch als Cabrio in den Handel bringen, heißt es: Dach runter und Sonnenschein rein.

Auffällig ist vor allem die Wahl das Basis-Fahrzeugs: Wo VW bislang den Golf und den Beetle aufgeschnitten hat, lässt nun zum ersten Mal ein SUV die Hüllen fallen. Man sitzt deshalb ein bisschen höher und fühlt sich mit robuster Karosserie und mehr Bodenfreiheit für manche Ausflugsfahrt gerüstet - selbst wenn es den offenen T-Roc nicht mit Allrad gibt.

Viel frischer Wind in einem sieches Segment

Dafür bringt das Cabrio jede Menge frischen Wind in ein sieches Segment. Im wörtlichen Sinn, weil sich binnen neun Sekunden das Stoffdach nach hinten faltet, sich der Blick zum Himmel öffnet und eine Brise den Kopf streift. Und im überragenden Sinn, weil es mittlerweile jede Menge Kreuzungen zwischen SUV und Kombi, Coupé oder Van gibt, ein SUV-Cabrio aber ziemlich einzigartig ist. Denn außer Range Rover mit dem Evoque hat das bislang noch keiner gewagt. Und der hat sich so schlecht verkauft, dass er den jüngsten Generationswechsel nicht überdauert hat. Bei VW dagegen liegt der Open-Air-Aufschlag erstens nur bei etwa 4000 Euro. Und zweitens kommt der T-Roc zu einer Zeit, in der das Cabrio-Angebot in der Kompaktklasse dünn geworden ist. Denn Ford, Peugeot und Opel haben ihre Frischluft-Fahrzeuge schon eingestellt.

Peppiger, aber dafür nicht so praktisch

Was der T-Roc als Cabrio an Pepp und Lebensfreude mehr bietet, büßt er allerdings an Alltagstauglichkeit ein. Nicht nur, dass Hinterbänkler ohne die Fondtüren etwas mehr Mühe beim Einsteigen haben. Sondern sie müssen auch noch zusammenrücken, damit im Fond Platz für zwei Passagiere bleibt. Der Kofferraum schrumpft zudem von 445 auf 280 Liter und hat statt einer großen Klappe nun nur noch eine kleine Luke. Zwar kann man dank der geteilt umklappbaren Rückbank auch ein Surfbrett oder ein Paar Wasserski einladen. Doch mit großen Koffern tut man sich ein bisschen schwer.

Doch wer von einem der Opel-Air-Modelle von Golf oder Beetle umsteigt, für den ist das Oben-Ohne-SUV ein deutlicher Gewinn. Denn die Beinfreiheit im Fond ist besser, unter dem geschlossenem Dach ist genug Luft nach oben, und was man nicht in den Kofferraum bekommt, kann man an den Haken nehmen. Nicht umsonst ist der T-Roc eines der wenigen Cabrios, für das es auch eine Anhängerkupplung gibt. Darauf lässt sich etwa problemlos ein Fahrradträger montieren.

Ausstattung und Antrieb wie gehabt

Die Karosserie des T-Roc Cabrio ist in weiten Teilen neu. Doch innen bedient sich das Cabrio bewährter Technik. Das gilt nicht nur für die digitalen Instrumente, sondern auch für die Online-Navigation und für Assistenzsysteme wie die automatische Abstandsregelung mit Lenkeingriff oder den Einpark-Roboter. Ebenso trifft dies auf die Antriebe zu, die VW mit Blick auf die niedrigeren Verkaufszahlen ordentlich ausgedünnt hat. Zumindest für den Anfang gibt es deshalb weder das 221 kW/300 PS starke Top-Modell der R GmbH, noch einen Diesel. Vielmehr müssen in der Startaufstellung zwei Benziner genügen: In der Basisversion ist das ein 1,0-Liter großer Dreizylinder mit 81 kW/110 PS und Schaltgetriebe und für 30.075 Euro aufwärts gibt’s einen 1,5-Liter mit 110 kW/150 PS. Damit gibt das Cabrio den entspannten Cruiser, der gelassen über die Landstraßen surft. Immerhin reichen die 250 Nm für einen Sprintwert von 9,6 Sekunden und bei Vollgas sind 205 km/h drin - doch selbst wenn alle Scheiben oben sind, wird es dann ganz schön zugig.

Außer der Frisur kommt dabei allerdings nichts aus der Ordnung. Denn auch von Bodenwellen lässt sich das Cabrio nicht aus der Ruhe bringen. Denn die Karosserie ist so solide, dass nichts knarzt und klappert, und des Fahrwerk so verbindlich, dass der T-Roc trotz des höherem Schwerpunktes eng an der Ideallinie zu führen ist.

Fazit: Für Neues aufgeschlossen

Ein Cabrio mit erweitertem Aktionsradius oder ein SUV mit mehr Luft und Lebensfreude? Mit dem offenen T-roc bietet VW Frischluftfreunden und Geländewagen-Fans gleichermaßen neue Erlebnisse und bringt ein bisschen Sommerfrische in den Alltag.

Datenblatt: VW T-Roc Cabrio 1.5 TSI

Motor und Antrieb Vierzylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Hubraum: 1498 ccm
Max. Leistung: 110 kW/150 PS
Max. Drehmoment: 250 Nm bei 1500 - 3500 U/min
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgtriebe
Maße und Gewichte
Länge: 4268 mm
Breite: 1811 mm
Höhe: 1522 mm
Radstand: 2590 mm
Leergewicht: 1540 kg
Zuladung: 435 kg
Kofferraumvolumen: 280 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 9,6 s
Durchschnittsverbrauch: 5,6 Liter/100 km
Reichweite: 890 km
CO2-Emission: 127 g/km
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: Eu6
Energieeffizienzklasse: k.A.
Kosten:
Basispreis des VW T-Roc Cabrio: 27.495 Euro
Grundpreis des VW T-Roc 2.0 TSI: 32.025 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 94 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Vier Airbags, City-Notbeemsassistent, Spurhalte-Assistent, automatischer Überrollbügel
Komfort: Klimaanlage, Infotainmentsystem, Zentralverriegelung, elektrisches Verdeck
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik, Zylinder-Abschaltung

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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