Das ergab eine Testfahrt im Marvel R

24.11.2021
Im Kino steht der Name «Marvel» vor allem für Superhelden mit ungeahnten Fähigkeiten. MG will jetzt den Marvel R zum elektrischen Retter im Alltag machen. Wie schlägt sich der China-Import mit dem englischen Traditionsnamen gegen VW ID4 und Co?
Modernes Design, sportliche Performance: Mit dem Marvel R will sich MG einen Platz in der elektrischen Mittelklasse sichern. Foto: MG/dpa-mag
Modernes Design, sportliche Performance: Mit dem Marvel R will sich MG einen Platz in der elektrischen Mittelklasse sichern. Foto: MG/dpa-mag

Berlin (dpa-infocom) - Ältere Semester denken bei der Marke MG an britische Oldtimer, moderne Schnäppchenjäger eher an günstige SUVs aus China, die mit Plug-in-Antrieb oder Elektroumrüstung in den letzten Monaten auch ihren Weg nach Europa gefunden haben.

Doch wenn die aus Oxford nach Shanghai verkaufte Marke jetzt über ihre knapp 100 Vertriebspartner im Land zu Preisen ab 42.990 Euro den Marvel R in den Verkauf bringt, zeigt sie schon wieder ein neues Gesicht. Denn als erstes eigenes Modell, das explizit um den Elektroautoantrieb herum entwickelt wurde, bringt er die Chinesen ins Lager der Erneuerer.

Schlank und sportlich durch die Mittelklasse

Waren die früheren Autos vergleichsweise gesichtslos, leistet sich der Marvel ein ziemlich charakterstarkes Aussehen. Als SUV von 4,67 Metern Länge wirkt er schlanker und sportlicher als Konkurrenten wie der VW Id4, der Tesla Model Y oder der Mercedes EQC - und mit den stark verwischten Scheinwerfern noch dazu trendiger.

Innen dagegen wahrt er eine feine Balance: Mit den digitalen Instrumenten und dem riesigen Touchscreen sieht er modern genug aus für die Digital Natives, behält aber auch einige konventionelle Schalter und Taster. Obwohl schon die bisherigen MG-Modelle einen recht soliden Eindruck machen, schließt MG mit dem Marvel bei Materialauswahl und Verarbeitung weiter zu europäischen Mitbewerbern auf. Da zahlt es sich aus, das die Konzernmutter SAIC seit Jahrzehnten die VW-Modelle für China montiert und so von den Wolfsburgern lernen konnte.

Viel Platz und ein Stauraum im Bug

Zum schmucken Auftritt außen wie innen gibt es wie bei jedem Auto auf einer Elektroauto-Plattform spürbar mehr Platz als bei vergleichbaren Verbrennern, selbst wenn der Radstand mit 2,80 Metern nicht eben riesig ist. Geräumiger geht es nicht nur für die Insassen zu. Zum Gepäckabteil im Fond mit 357 bis 1369 Litern kommen bei den meisten Modellen noch einmal 150 Liter im Bug - genug für das Ladekabel oder den Wochenendeinkauf.

Dem Antrieb übernehmen in der Grundversion zwei E-Maschinen mit zusammen 132 kW/180 PS an der Hinterachse. Für knapp 8000 Euro mehr Euro gibt es einen Allradantrieb und einen dritten Motor im Bug, die Leistung steigt dann auf 212 kW/288 PS. Aber schon als Hecktriebler ist das SUV flott bei der Sache, beschleunigt in 7,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht bei voller Fahrt bis zu 200 km/h. Dass der Marvel dabei vor allem jenseits von 120 km/h noch zügig beschleunigt, verdankt er einer technischen Eigenheit: Wie sonst nur der Porsche Taycan und der baugleiche Audi GT hat er ein zweistufiges Automatikgetriebe und wechselt bei höherem Tempo in den nächsten Gang.

Viel Ausstattung, aber lange Ladezeit

Während der Marvel für seine Fahrzeugklasse übermäßig schnell fährt, ist er beim Laden nur Durchschnitt: Mehr als 92 kW Ladeleistung sind nämlich nicht drin. Bei einem Akku von 70 kWh sind 80 Prozent deshalb selbst im besten Fall erst nach einer Dreiviertelstunde geschafft. Die Reichweite liegt mit rund 400 Kilometern ebenfalls im Mittelfeld. Dafür zählt der Marvel R zu den bislang noch eher seltenen Elektroautos, die ihren Strom auch wieder an externe Verbraucher abgeben und so zum Beispiel auf dem Parkplatz ein E-Bike laden können.

Keine Blöße gibt sich der Marvel bei Assistenz und Infotainment: Manche elektronische Helfer sind zwar sehr sensibel und korrigieren ständig den Fahrer. Doch die automatische Abstandsregelung und Spurführung, die Navigation und ein halbes Dutzend Kameras machen einen guten Job. Und die Ausstattung ist mit der elektrischen Heckklappe, dem Panoramadach und den E-Sitzen für alle Modelle nahezu konkurrenzlos.

Fazit: Ein Außenseiter auf Augenhöhe

Nein, er hat weder Superkräfte, noch ist der Marvel R unschlagbar. Doch mit schmuckem Design, üppiger Ausstattung, schlauer Assistenz und einem rundherum ausreichenden Antriebspaket hat der erste dezidierte Stromer der wiederbelebten Traditionsmarke MG allemal das Zeug zum Alltagshelden. Obwohl bei Bekanntheit und Vertrieb ein Außenseiter, fährt MG so plötzlich auf Augenhöhe mit den europäischen Konkurrenten.

Datenblatt: MG Marvel R

Motor und Antrieb 2 Elektromotoren an der Hinterachse
Max. Leistung: 132 kW/180 PS
Max. Drehmoment: 410 Nm
Antrieb: Hinterradantrieb
Getriebe: 2-Gang-Automatik
Maße und Gewichte
Länge: 4674 mm
Breite: 1919 mm
Höhe: 1613 mm
Radstand: 2804 mm
Leergewicht: k.A.
Zuladung: k.A.
Kofferraumvolumen: 357-1396 Liter (Heck),150 Liter (Bug)
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,9 s
Durchschnittsverbrauch: 19,4 kWh/100 km
Reichweite: 402 km
CO2-Emission: 0 g/km
Batteriekapazität: 70 kWh
Schadstoffklasse: k.A.
Energieeffizienzklasse: A+
Kosten:
Basispreis des MG Marvel R: 42.990 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 0 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Sechs Airbags, adaptiver Tempomat, Spurverlassenswarnung, Einparkhilfe
Komfort: Klimaautomatik, Sitz- und Lenkradheizung, elektrische Heckklappe, Panoramadach

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

© dpa-infocom, dpa:211102-99-831846/14


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Mit einem gefälligen Design und solider Verarbeitung soll der MG ZS Schluss machen mit den Vorurteilen, mit denen Automarken aus China oft zu kämpfen haben. Foto: MG/dpa-mag MG ZS: Überzeugt das günstige Elektro-SUV aus China im Test? Bisher konnten Automarken aus China in Europa noch nicht den großen Durchbruch feiern. Doch jetzt gibt der VW-Partner SAIC seinen Einstand und will mit dem Elektro-SUV MG ZS den Markt aufrütteln. Hat der Herausforderer das Zeug dazu?
Die Isolierglasscheiben des Flying Spur lassen nur wenig Geräusche in die Kabine, und auch der Motor ist trotz der 467 kW/635 PS für die Insassen kaum zu hören. Foto: Bentley Motors Ltd./dpa-mag So viel Luxus bietet Bentleys Flying Spur Gegen ihn ist eine Mercedes S-Klasse gewöhnlich und ein 7er BMW fast noch dezent. Wer zum ersten Mal im neuen Bentley Flying Spur unterwegs ist, fühlt sich ein bisschen wie die Windsors. Doch zum barocken Auftritt gibt es viel moderne Technik.
Bessere Proportionen und mehr Platz: Zwar misst der Ceed unverändert 4,31 Meter, hat aber mehr Radstand, vorne einen kürzeren und hinten einen längeren Überhang. Foto: Kia Golf ist auch nur ein Sport: Der Kia Ceed im Autotest Die Zeiten, in denen der Golf der elitäre Meister der Kompaktklasse war, sind lange vorbei. Zwar ist der VW zahlenmäßig noch immer unangreifbar, doch was Design und Technik angeht, kommen ihm Importmodelle wie der neue Kia Ceed gefährlich nahe.
Mit einem neuartigem Design und innovativer E-Auto-Technik soll der Hyundai Ioniq 5 den MEB-Modellen von VW Kokurrenz machen. Foto: Hyundai Motor Company/dpa-mag Was der Hyundai Ioniq 5 hat, was andere nicht haben Die sogenannten MEB-Modelle des VW-Konzerns gelten aktuell als aussichtsreichste Elektrofahrzeuge für die breite Masse. Doch mit dem Ioniq 5 bekommen ID4 und Co jetzt Konkurrenz aus Korea. Das imposantere Design hat er schon mal. Wodurch hebt er sich noch ab?