Braune Pest adé: So bleiben Oldtimer rostfrei

20.05.2016
Moderne Autos haben so gut wie keine Rostprobleme. Bei alten Fahrzeugen sieht das anders aus: Rostvorsorge gab es früher kaum. Doch mit einigen Tricks bleiben auch Oldies von der braunen Pest verschont.
Aufgedeckt: Rost gedeiht oftmals im Verborgenen und muss doch frühzeitig entdeckt werden, um größere Schäden zu vermeiden. Foto: Fabian Hoberg
Aufgedeckt: Rost gedeiht oftmals im Verborgenen und muss doch frühzeitig entdeckt werden, um größere Schäden zu vermeiden. Foto: Fabian Hoberg

Hamburg (dpa/tmn) - Young- und Oldtimer kämpfen heute mit der mangelnden Rostvorsorge früherer Jahre. Während moderne Fahrzeuge dank Tauchlackierung, Aluminium und Hohlraumkonservierung nur noch selten von der braunen Pest befallen werden, trifft es ältere Autos umso härter.

«Wenn Besitzer regelmäßig die dunklen Ecken im Blick haben und auf ein paar Dinge achten, lässt sich Rost gut verhindern», sagt Marius Brune vom Oldtimerbewerter Classic Data. Dazu zählt für ihn eine gründliche Bestandsaufnahme des Bleches, aber auch regelmäßiges Putzen. Allerdings nicht auf dem Blech, sondern darunter. «Viele Besitzer putzen ihre Autos nur außen, damit Chrom und Lack schön glänzen. Wichtiger ist aber, dass das Auto von unten und innen sauber ist.» Dazu zählen der Unterboden, die Innenseite der Kotflügel und die Bördelkanten der Radhäuser. «Alte Autos haben keine Innenkotflügel, der Straßendreck wird durch die Reifen aufgewirbelt und landet in den entlegensten Ecken wie den Lampengehäusen», sagt Brune. «Deshalb sollten regelmäßig alle Ecken und Kanten mit einem Hochdruckreiniger sauber gehalten werden.»

Auch Götz Knoop, Präsident des Deuvet Bundesverbands für Clubs klassischer Fahrzeuge, hält eine umfassende Rostvorsorge für ältere Autos sinnvoll. «Rost lässt sich mit speziellen chemischen Wandlern oder im Sandstrahlverfahren beseitigen. Es sei denn, die Löcher sind zu groß. Dann hilft nur noch der Griff zum Trennschleifer und anschließend zum Schweißgerät.»

Für Frank Meyer von «Autobild Klassik» gehört neben der Kontrolle von Hohlräumen auch, die Fenstergummis vorsichtig anzuheben und zu überprüfen. Poröse Scheibengummis sollten getauscht werden. Durch sie dringt oft Wasser in den Oldtimer ein und findet keinen Weg wieder hinaus. Die Innenkotflügel, falls vorhanden, rät er auszubauen, um nach einer gründlichen Unterbodenwäsche auf einer Hebebühne das Auto von unten besser inspizieren zu können.

Für einen intensiveren Blick gebe es ab rund 90 Euro brauchbare Endoskope, mit denen Besitzer in die Hohlräume schauen können. «Hohlräume haben unten Ablauflöcher, damit Kondenswasser entweichen kann - das funktioniert aber nicht, wenn sie mit diesem Dreck zugesetzt sind. Die Ablauflöcher sollten deshalb regelmäßig freigestochen werden», sagt Meyer. «Wenn’s perfekt werden soll, muss der alte Unterbodenschutz ab. Das erledigt am besten ein Profi. Der weiß auch, welchen Bereich des Autos er mit Trockeneis abstrahlen sollte und welchen lieber mit Glasperlen, Stahlkies, Plastik-Granulat, Wasser oder Korund», sagt Meyer. Das könne aber um die 1000 Euro kosten.

Als Rostvorsorge auf einem sauberen Blech empfiehlt Meyer Produkte, die auf Fett oder auf Wachs basieren. Diese sollten möglichst heiß in die ganze Karosserie gespritzt werden, damit sie sich gut verteilen und das Blech schützen können. Vorsicht, wenn nach der Behandlung mit Fett noch einmal geschweißt werden muss: Das Fett kann sich entzünden.

Ein gute Vorsorge sei übrigens ganz einfach: Das Auto einfach nicht im Winter bewegen, vor allem nicht nachdem der Streudienst die Straße gepökelt habe. Heutiges Streusalz ist hochaggressiv. «Salz frisst an der Substanz jedes Autos und zerstört es», sagt Knoop. Es sei wie beim Menschen: Schönheit komme doch von innen, nicht von außen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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