Bodenhaftung statt Zukunftsmusik auf dem Genfer Autosalon

06.03.2018
Viel Bodenhaftung bei den Autoherstellern: Nachdem sie sich mit Elektrofahrzeugen und Robotaxen für die Zukunft fit gemacht haben, zeigen die Anbieter auf dem Genfer Salon 2018 nun wieder verstärkt Autos für die Gegenwart.
Ein SUV-Coupé für die Mittelklasse: Der BMW X4, hier auf dem Genfer Autosalon, soll im Sommer zu den Händlern rollen. Foto: Thomas Geiger
Ein SUV-Coupé für die Mittelklasse: Der BMW X4, hier auf dem Genfer Autosalon, soll im Sommer zu den Händlern rollen. Foto: Thomas Geiger

Genf (dpa/tmn) - Die Visionen müssen warten. Nicht abgehobene Showcars und futuristische Technologieträger werden beim Genfer Salon(Publikumstage 8. bis 18. März) in Massen auf die Bühne gerollt, sondern Autos, die man schon heute oder zumindest morgen kaufen kann.

Überall an den Ständen auf der großen Frühjahrsmesse am Lac Léman ist das Wunschdenken der Wirklichkeit gewichen - es sind die greifbaren Neuheiten, die in Genf im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Mercedes-Chef Dieter Zetsche zum Beispiel lenkt die Aufmerksamkeit auf die neue A-Klasse, Audi-Chef Rupert Stadler zieht das Tuch vom nächsten A6, und BMW zeigt einen neuen X4. Dazu kommen aus dem Ausland wichtige Volumenmodelle wie die Neuauflagen von Toyota Auris und Kia C'eed sowie der überfällige Honda CR-V oder ein kleiner Geländewagen von Lexus, der unter dem Kürzel UX angeboten wird.

Volvo lanciert den neuen V60, der gegen den Audi A4 Avant und den BMW 3er Touring antritt. Aus Frankreich kommen die Nachfolger der Schwestermodelle Peugeot Partner und Citroën Berlingo. Und weil die Franzosen den Traum von höheren Fahrzeugklassen nicht ganz aufgeben, gönnt sich Peugeot mit dem 508 auch wieder ein neues Flaggschiff.

Greifbar - das ist allerdings ein Begriff, der relativiert werden muss. Auch wenn ihr Marktstart bevorsteht, sind manche Autos an den Messeständen so teuer, dass sie für eine nur sehr kleine Käuferschicht in Betracht kommen.

Das gilt für den AMG GT als Viertürer mit bis zu 470 kW/639 PS oder das BMW M8 Grand Coupé genauso wie für den Ferrari 488 Pista als schnellstes und stärkstes V8-Modell in der Firmengeschichte oder den radikalen McLaren Senna als Rundstreckenrenner mit Straßenzulassung. Und auch das in Kleinserie gefertigte Range Rover Coupé ist nur für einen handverlesenen Kundenkreis gedacht.

Die Themen der Zukunft haben die Hersteller trotzdem nicht vergessen. Mittlerweile sind die neuen Modelle so hoch entwickelt, dass sie bereits viel an futuristisch anmutender Technik an Bord haben.

Die A-Klasse wird mit ihrem neuen Infotainment-System zum Smartphone auf Rädern, und der Audi A6 bekommt ausschließlich elektrifizierte Motoren - selbst wenn dafür nur ein Startergenerator mit 48-Volt-Technik sorgt, der aber merklich den Verbrauch senkt. Und bei Jaguar geht mit dem 294 kW/400 PS starken iPace der erste ernsthafte Tesla-Konkurrent eines konventionellen Herstellers in den Handel. Er soll mit einer Batterieladung knapp 500 Kilometer weit kommen.

Nicht weit genug gedacht? Dann lohnt sich ein Blick auf die wachsende Flotte der Plug-in-Hybriden und kaufbaren Elektroautos. Von den einen sind neue Varianten von Mercedes S- oder E-Klasse startklar, von den anderen zum Beispiel der Hyundai Kona oder das Brennstoffzellenauto Hyundai Nexo. Selbst die Energiegewinnung aus Wasserstoff ist damit im Hier und Heute angekommen und die Technik nicht mehr ultrateuer.

Selbst bei ihren sonst gerne etwas abgehobenen Studien beweisen die Autohersteller diesmal Bodenhaftung. Zwar macht VW wenig Hoffnung, dass der I.D. Vizzion als erster Volkswagen ohne Lenkrad und Pedale in den kommenden zehn Jahren in Serie geht. Und auch Entwürfe wie das Renault-Robotaxi EZ-GO wird es so schnell nicht auf der Straße geben. Doch Autos wie der BMW M8 Gran Coupé tragen das Etikett «Studie» nur noch pro forma.

Auch der Porsche Mission E Cross Turismo, offiziell ebenfalls noch kein Verkaufsauto, hat gute Aussichten auf eine Serienfertigung. Denn dass es einen 441 kW/600 PS starken Elektro-Porsche geben wird, daran lässt der Anbieter keinen Zweifel. Und dass das Unternehmen der Idee eines sportlichen Geländekombis einen gewissen Reiz abgewinnen kann, gibt Designchef Michael Mauer gerne zu. Nicht, dass er es schon offiziell bestätigen würde. Aber wenn der Designchef darauf verweist, dass es bis dato alle Porsche-Studien auf die Straße geschafft hätten, dann kann das Schaustück in Genf ganz so abgehoben kaum sein.

Genfer Salon


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Waschechter Stromer: Der Supersportwagen Pininfarina Battista fährt rein elektrisch. Foto: Nicolas Blandin/dpa-tmn Genfer Salon ist Startschuss für E-Autos in Europa Viele Neuheiten fahren auf dem Genfer Autosalon als reine E-Autos vor: Sportwagen, Kleinwagen und Geländewagen ebenso wie schnieke Coupés. Beginnt das Elektrozeitalter nun wirklich, oder ist das Ganze nur viel Gesumme um nichts?
PS stark und in unter sechs Sekunden von 0 auf 100: Der Cupra Ateca ist das erste Auto einer neuen Submarke bei Seat. Foto: Nicolas Blandin Seat startet neue Sportmarke mit dem Cupra Ateca Sportlich, modern und designbewusst - das sind die Attribute, die hinter dem Markennamen Cupra stehen. Wie das Konzept umgesetzt wird, demonstriert die Seat-Tochter nun am Beispiel des Allrad-SUV Ateca in Genf.
Lagonda lebt: Aston Martin reanimiert die Schwestermarke Lagonda als Luxuslabel für elektrische Autos - die Studie Vision Concept ist ein erster Vorbote. Foto: Thomas Geiger Der Traum vom Fliewatüüt lebt - Autos auf Abwegen Die Straßen immer voller, der Verkehr immer dichter: Weil man auf den üblichen Wegen kaum mehr vorankommt, gehen die Autohersteller in die Luft oder ins Gelände. Fantasie und Wunschdenken sind zwar auch im Spiel, aber die ersten Sonderlinge kann man sogar schon kaufen.
Kein Schnäppchen, aber viel Luxus: Mit etwa einem halben Meter Bodenfreiheit ist die Edelvariante der Mercedes G-Klasse voll geländetauglich. Foto: Nicolas Blandin Mercedes-Maybach G 650 Landaulet kostet 749 700 Euro Er gehört wohl zu den Stars auf dem Genfer Autosalon: der Landaulet G 650 von Mercedes-Maybach - ein Fahrzeug, das nicht nur Luxus ausstrahlt, sondern auch fürs Gelände taugt.