Autotest: Bringt der Ferrari Roma das Dolce Vita zurück?

26.05.2021
Kein anderes Volk in Europa genießt so leidenschaftlich wie die Italiener. Das «Dolce Vita» hatte seine Blütezeit zwar in den 1950ern, doch mit dem neuen Roma erweckt es Ferrari jetzt wieder zum Leben - in einer sehr modernen Form.
Typisch italienisch: Der Ferrari Roma soll technischen Fortschritt und den Sinn fürs Schöne vereinen. Foto: Ferrari/dpa-mag
Typisch italienisch: Der Ferrari Roma soll technischen Fortschritt und den Sinn fürs Schöne vereinen. Foto: Ferrari/dpa-mag

Berlin (dpa-infocom) - Die Straßen glühen in der Sommerhitze, cremig tropft das Eis aus dem Cornetto, und ein verliebtes Pärchen kurvt auf der Vespa durch die engen Gassen der Altstadt - das sind die Bilder, die einem unweigerlich in den Kopf kommen, wenn jemand leidenschaftlich und italienisch genug von «Roma» spricht.

Und mit Leidenschaft kennen sie sich natürlich auch bei Ferrari aus. Deshalb haben sie den neuesten Gran Turismo, der jetzt zu überraschend niedrigen Preisen ab 194.459 Euro in seinen ersten Sommer fährt, auch nach ihrer Hauptstadt benannt. Denn es ist jenes «Dolce Vita», jenes leichte und unbeschwerte, typisch italienische Gefühl vom Leben, das sie mit dem Zweitürer heraufbeschwören wollen.

Klassische Karosserie, moderne Technik

Zwar ist jenes Lebensgefühl aus den 1950ern ein wenig nostalgisch. Und Ferrari setzt diese Inspiration mit einem sehr klassischen und ziemlich schnörkellosen Design um, das ohne Provokation auskommt. Stattdessen schmiegt sich das Blech eng und verführerisch um Motor und Kabine. Auch der Zündschlüssel in Emaille und Leder wirkt sehr zeitlos und detailverliebt.

Doch ist der Roma deshalb alles andere als ein Retro-Auto, sondern katapultiert romantische Sportwagen-Schwärmer in eine neue Zeit: Außen liegt das vor allem an den schmalen LED-Leuchten reihum und innen an einem Cockpit, das moderner ist als bei jedem anderen Supersportwagen. Denn nicht nur die Instrumente sind hier digital und zeigen das Auto beim Anlassen in einer futuristischen Röntgen-Animation. Und natürlich läuft das Infotainment auf einem großen Touchscreen mit permanenter Internetverbindung. Sondern selbst das Lenkrad ist bis auf das legendäre Manettino für die Wahl der Fahrprogramme eine elektronische Kommando-Zentrale, in der sogar der Startknopf einem Sensorfeld gewichen ist.

Der Motor weckt das Rennpferd im Roma

Doch egal ob Tastendruck oder Fingertipp - wenn der V8-Motor unter der endlos langen Haube zum Leben erwacht, ist der Fahrer sofort im Hier und Heute. Denn zum springenden Pferd im Kühlergrill gesellen sich jetzt 620 PS aus den 3,9 Litern, und sie drängen mit aller Macht nach vorn. Und zwar schnell. Sehr schnell: 456 kW/620 kW und ein maximales Drehmoment von 760 Nm reichen für einen Sprint von 0 auf Tempo 100 in 3,4 Sekunden. Und wer den Fuß danach stehen lässt, der jagt dem Horizont mit bis zu 320 km/h entgegen.

Mit diesen Eckdaten muss der Roma keinen Vergleich scheuen, und wer es drauf anlegt, fliegt mit dem Ferrari schneller über die Landstraßen, als es den Carabineri lieb ist. Bei all seiner Kraft ist der Roma nicht nur messerscharf, sondern auch dann noch mit einer solchen Leichtigkeit beherrschbar, wenn einem die Vernunft längst Einhalt gebietet. Selbst ohne den bei der Konkurrenz weit verbreiteten Allradantrieb bringen ihn auch enge Kurven oder beherzte Kickdowns nicht aus der Ruhe. Erst wer die Elektronik abschaltet, erlebt das ungestüme Cavallino Rampante, das sich nur mit einiger Entschlossenheit zügeln lässt.

Genussvoll gleiten statt laut davonjagen

Doch bei aller Leistung ist der Ferrari keiner jener Supersportwagen, die einen ständig ans Limit locken und alles um sich herum übertönen. Sondern weil es die Italiener ernst meinen mit der Idee vom Süßen Leben, singt der Motor fast schon. Das Fahrwerk bietet genau wie die mit feinem Leder bezogenen Sitze ein überraschend hohes Maß an Restkomfort. Und der Roma taugt mindestens genauso gut als entspannter Reise- wie als engagierter Rennwagen. Zumindest für die beiden Insassen in der ersten Reihe. Denn auf den beiden Lederkuhlen im Fond kann von Entspannung nicht die Rede sein - egal bei welchem Tempo.

Fazit: Sportlicher Auftritt ohne Strapazen

Wer sagt denn, dass Sport immer anstrengend und schweißtreibend sein muss? Mit dem Roma liefert Ferrari den Beweis, dass Sport zumindest auf der Straße auch ohne Strapazen geht und am Ende der Sinn fürs Schöne gewinnt. Warm wird es einem in diesem Auto deshalb nicht unter dem Hemd, sondern allenfalls ums Herz.

Datenblatt: Ferrari Roma

Motor und Antrieb V8-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Hubraum: 3855 ccm
Max. Leistung: 465 kW/620 PS bei 5750 - 7600 U/min
Max. Drehmoment: 760 Nm bei 3000 - 5750 U/min
Antrieb: Hinterradantrieb
Getriebe: Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe
Maße und Gewichte
Länge: 4656 mm
Breite: 1974 mm
Höhe: 1301 mm
Radstand: 1670 mm
Leergewicht: 1472 kg
Kofferraumvolumen: 272 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 320 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 3,4 s
Durchschnittsverbrauch: k.A.
Reichweite: k.A.
CO2-Emission: k.A.
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: Eu6
Energieeffizienzklasse: k.A.
Kosten:
Basispreis des Ferrari Roma: 194.459 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: k.A.
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Vier Airbags, LED-Scheinwerfer, Adaptiver Tempomat-
Komfort: Klimaautomatik, Infotainment-System, Navigation
Öko-Technik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

© dpa-infocom, dpa:210406-99-99581/12


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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