Angeberei oder illegales Autorennen?

14.08.2020
Illegale Autorennen gelten als Straftat. Doch reicht bereits ein ausbrechendes Heck bei der Fahrt durch einen Kreisverkehr dafür aus? Darüber musste ein Gericht entscheiden.
Manche Autofahrer frischen ihre Kenntnisse zum Kreisverkehr besser auf. (Symbolbild). Foto: Uli Deck/dpa/dpa-tmn
Manche Autofahrer frischen ihre Kenntnisse zum Kreisverkehr besser auf. (Symbolbild). Foto: Uli Deck/dpa/dpa-tmn

Zweibrücken (dpa/tmn) - Wer ein Rennen auf öffentlichen Straßen fährt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Doch das Driften durch einen Kreisverkehr müssen Gerichte nicht unbedingt als Rennen werten. Das zeigt ein Urteil (Az.: 1 OLG 2 Ss 34/20) des Pfälzischen Oberlandesgerichts Zweibrücken, auf das der ADAC hinweist.

In dem Fall ging es um einen Mann, der innerorts mit seinem Auto mit hohem Tempo auf einen Kreisverkehr zugefahren war. In dessen Mitte standen Personen, darunter auch Polizeibeamte. Der Fahrer sah das. Bei der Einfahrt in den Kreisel ließ er den Motor aufheulen und bretterte mit ausbrechendem Heck hindurch.

Illegales Autorennen als Vorwurf

Es folgte eine Anzeige wegen illegalen Autorennens. Der Mann bekam eine Geldstrafe, der Führerschein wurde entzogen. Dagegen ging er in Revision. Seiner Ansicht nach ist er kein Autorennen gefahren, sondern hat nur vor den Polizeibeamten angeben wollen.

Das Oberlandesgericht als Revisionsinstanz konnte kein illegales Autorennen erkennen und sprach den Mann frei. Ein einzelner Fahrer kann demnach zwar durchaus illegales Autorennen fahren - auch ohne Kontrahenten. Doch sei das hier nicht der Fall gewesen.

Kein Höchsttempo durch Driften

Das Gericht sah keine Indizien dafür, dass der Fahrer sein Auto nicht hätte beherrschen können. Zudem sei es dem Mann nicht darum gegangen, höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen. Dagegen sprächen das Durchdrehen der Reifen und das Driften.

© dpa-infocom, dpa:200813-99-152572/2

Urteil im Wortlaut


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Aufgemotzte Maschinen: Nur der abgesicherte Raum etwa einer Rennstrecke wie dem Hockenheimring liefert den legalen Rahmen für ein PS-Kräftemessen. Foto: Torsten Karpf Tuner, Poser, Raser - Nicht alle fahren illegal Auto Tuner und Poser werden häufig mit Rasern in einen Topf geworfen. Dabei unterscheiden sich die Gruppen deutlich voneinander - bis auf eine Kleinigkeit.
Erhöhte Bußgelder erwarten Verkehrssünder in Italien und in der Schweiz, teuer wird es auch in den Niederlanden. Foto: Angelika Warmuth/dpa Verkehrsregel im Ausland missachtet - hier wird es teuer Nicht in allen Ländern drohen Verkehrssündern gleich hohe Bußgelder. Wer sich etwa in Italien nicht ans Tempolimit hält oder in den Niederlanden mit einem Handy am Steuer erwischt wird, ist schnell viel Geld los.
Für die Einfahrt in einige französische Städte benötigen Wagen, die nach dem 31. Dezember 1996 erstmalig zugelassen wurden, nun eine Umweltplakette. Foto: Kay Nietfeld/dpa Mit dem Auto ins EU-Ausland: Neue Regeln Die großen Ferien stehen bevor, und damit beginnt für viele die große Fahrt. Doch wer mit dem Auto verreist, sollte die Regeln kennen. Was in der Heimat oft noch recht einfach ist, wirft im benachbarten Ausland schnell Fragen auf - besonders, wenn es neue Regeln sind.
Roter «Teppich» für Radler: Doch ein eigener Weg ist kein Freibrief. Fahrradfahrer müssen sich im Straßenverkehr an viele Regeln halten. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn/dpa Populäre Irrtümer rund ums Radfahren Betrunken radeln, die Freundin auf dem Gepäckträger mitnehmen und über Kopfhörer Musik hören - ist das erlaubt? Sind viele Gänge besser als wenige, und ein weicher Sattel ist bequem? Ein Überblick dazu, was richtig ist und was nur ein populärer Irrtum.