Abenteuerträume im Offroader werden wahr

10.11.2021
Hohes Gestrüpp, knietiefer Schlamm und Sand oder Wasser soweit das Auge reicht. Für wen ein Offroader mehr als ein SUV ist, träumt vom Abenteuertrip, dafür muss man nicht nach Afrika oder an den Amazonas.
Spritzig durch die Wasserstraße: Auf den verschiedenen Passagen müssen Mensch und Maschine beweisen, was in ihnen steckt. Foto: Christoph Tschecho/dpa-tmn
Spritzig durch die Wasserstraße: Auf den verschiedenen Passagen müssen Mensch und Maschine beweisen, was in ihnen steckt. Foto: Christoph Tschecho/dpa-tmn

Walcz/Wülfrath (dp/tmn) - «Gas, Gas, Gas» - Elmar brüllt sich fast die Seele aus dem Leib. Doch Lars’ Toyota Landcruiser bewegt sich nur im Kriechgang, selbst wenn der Motor noch so laut aufheult.

Der schwere Geländewagen steckt bis zu den Radnaben in einer Kuhle voll Matsch und seine grobstolligen Reifen haben zu wenig Grip für die Steigung, die aus diesem Schlamassel herausführt.

Doch weder Elmar, der Guide, noch Lars, der Fahrer geben auf. Und nach einer halben Stunde starrt der eine vor Dreck und der andere ist schweißgebadet. Doch der Toyota hat das Hindernis überwunden und beide strahlen um die Wette.

Denn genau darum geht es hier in der polnischen Pampa von Wolcz, zwei Stunden östlich von Stettin: Im Dreck wühlen, Hindernisse überwinden, über Klippen kraxeln, durch Bäche waten und Sandberge hinaufstürmen, kurz: «Wir wollen all das machen, wofür Geländewagen eigentlich einmal gebaut worden sind», sagt Elmar.

Zwischen Amazonas und Zufahrt zur Innenstadt

Auch wenn die Offroader als SUVs längst den Alltag von Familien und Vielfahrern erobert haben, gibt es eine eingeschworene Gemeinde, die bei Geländewagen an Afrika denkt oder an den Amazonas und nicht an den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen.

Ein knappes Dutzend solcher selbst erklärter Dreckskerle fährt jetzt mit Autos wie Mercedes G-Klasse, Jeep Wrangler, Mitsubishi Pajero, Land Rover Defender oder Nissan Patrol hinter Elmar her und kämpft sich durchs Unterholz. Knapp 1000 Euro pro Auto und Team haben sie dem Veranstalter Abenteuer 4x4 bezahlt.

Der wählt dafür die Route aus, stellt lokale Guides ein und stellt mit Trainern wie Elmar sicher, dass tatsächlich alle ankommen. «Klar gibt’s mal einen Kratzer am Lack oder einen kleinen Blechschaden», sagt Elmer. «Aber wer mit dem richtigen Auto unterwegs ist, der wühlt sich hier überall durch.»

SUVs kommen auch weiter - bis zu einem gewissen Punkt

Wobei das mit dem richtigen Auto so eine Sache ist. Denn Elmar macht einen sehr genauen Unterschied zwischen SUV und Geländewagen und will von Bestsellern wie einem VW Tiguan oder einem Toyota RAV4 nichts wissen. Natürlich gibt es auch Ausfahrten für solche Allradler. Da nehmen die Teilnehmer mal eine Schotterpiste unter die feinen Aluräder oder einen staubigen Feldweg.

«Doch wer sich hier im Matsch suhlen will, der braucht schon einen echten Geländewagen», sagt Elmar. Und «echt», das heißt für ihn ein ernsthaften Allradantrieb, eine Getriebeuntersetzung und im besten Fall sogar etwas mehr Bodenfreiheit. «Und natürlich die richtigen Reifen».

Auf Straßenprofilen scheitert selbst der beste Allrad, wenn es grob und schmutzig wird, sagt er und verlangt mindestens Gummis mit dem Gütesiegel «MT» für Mud and Terrain: Denn «Mud», also Schlamm, gibt es hier reichlich und Terrain, also «Gelände», das ist der Grund, wegen dem alle hier sind.

Mehr Freiheit gibt es im Osten

«Denn man muss nicht nach Afrika, wenn man Offroad-Abenteuer erleben will», sagt Dag Rogge. Er hat schon Geländewagen-Expeditionen in der ganzen Welt geleitet und im Wülfrath bei Düsseldorf eine ehemalige Kiesgrube zum Abenteuerspielplatz für Allradfahrer umgebaut: Sondern vor allem Ost- und Südosteuropa gibt es genügend abgelegene Regionen, in denen das Straßennetz abenteuerlich genug ist für einen Geländewagen. Von Gebirgspisten, Feld- oder Waldwegen ganz abgesehen: «Dort fängt das Abenteuer oft schon hinter dem Ortsschild an.»

In Deutschland dagegen mahnt er zu Vorsicht und Zurückhaltung: «Die Regeln sind streng und die Möglichkeiten arg limitiert», sagt Rogge: «Feld, Wald und Wiese sind in unseren Breiten für Autos meist tabu, und die Förster oder Landwirte verstehen da zurecht keinen Spaß.»

Ein bisschen Übung vorher muss schon sein

Wer trotzdem den Asphalt hinter sich lassen will, der weicht auf private Gelände wie eben Rogges Kiesgrube, Steinbrüche oder einstige Truppenübungsplätze aus und kann sich dort für Tagestickets von meist deutlich unter 100 Euro mit seinem Geländewagen gütlich tun. «Und vor allem kann man dort ein bisschen üben und sich mit dem Auto vertraut machen, bevor man weitere Strecken in Angriff nimmt», sagt Rogge.

Und ein bisschen Übung muss schon sein, sagt Tourguide Elmar, der je nach Anforderungsprofil gar keine Novizen mitnimmt. Aber keine Sorge. Mit ein bisschen Weitblick, Ruhe und Geduld kommen laut Rogge auch Laien am Lenkrad im Gelände überraschend weit.

© dpa-infocom, dpa:211109-99-927165/5


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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