Überzeugt der VW Arteon Shooting Break als Premium-Kombi?

08.12.2020
Eigentlich ist VW eher für einen nüchternen Fahrzeugstil bekannt. Doch mit dem Arteon Shooting Break wollen die Niedersachsen offenbar beweisen, dass sie auch anders können. Was hat der neue Kombi, was der Passat Variant nicht hat?
Mit prägnantem Design und glanzvollem Ambiente dient der Arteon Shooting Break als gehobene Alternative zum Passat Variant. Foto: Volkswagen AG/dpa-mag
Mit prägnantem Design und glanzvollem Ambiente dient der Arteon Shooting Break als gehobene Alternative zum Passat Variant. Foto: Volkswagen AG/dpa-mag

Berlin (dpa-infocom) - VW stellt dem Passat Variant jetzt den Arteon Shooting Break zur Seite. Genau wie bei den Limousinen setzen die Niedersachsen damit nun auch bei den Kombis auf eine gehobene Alternative.

Dafür verlangen sie allerdings auch deutlich mehr Geld: Wenn in diesen Tagen die ersten Exemplare des Designer-Kombis ausgeliefert werden, stehen mindestens 44.387 Euro auf der Rechnung. Das sind zwar nur etwa 800 Euro mehr als beim Arteon mit Fließheck. Doch ein identisch motorisierter Passat Variant ist rund 8.000 Euro günstiger.

Den Unterschied machen Design und Ambiente

Während der Passat aber so nüchtern wirkt wie ein Buchhalter, tritt der mit seinen 4,87 Metern drei Zentimeter kürzere Arteon auf wie ein Broker im Designeranzug. Das beginnt bei der LED-Leiste im Kühlergrill und endet bei einer sanft abfallenden Dachlinie, die in einer betont schrägen Heckklappe ausläuft. Und mehr Chrom trägt der Arteon natürlich auch.

Eine etwas schlechtere Figur macht der Arteon an der Laderampe. Denn mit 565 bis 1632 Litern bietet er nicht nur etwas weniger Fassungsvermögen als der Passat Variant. Sondern man muss Kisten und Koffer auch noch über eine höhere Ladekante wuchten, hinter der es bis zum Kofferraumboden wieder ein paar Zentimeter hinunter geht. Immerhin profitieren die Hinterbänkler vom neuen Heck: Weil das Dach etwas angehoben wurde, kommt zur großzügigen Kniefreiheit im Arteon nun auch ein kleines Plus an Kopffreiheit.

Dass es beim Arteon um mehr geht als Alltagstauglichkeit, zeigt sich auch im Inneren: Die digitalen Instrumente kennt man zwar schon vom Passat, genau wie das Online-Infotainment und die meisten Assistenzsysteme bis hin zum «Travel Assist», der dem Fahrer bis zu Geschwindigkeiten von 210 km/h fast alle Arbeit abnimmt. Doch die Materialauswahl ist noch einmal deutlich exklusiver geworden, die Kunststoffe sind weich hinterschäumt. Wie wichtig den Niedersachsen das Ambiente ist, erkennt man zudem an der Beleuchtung: Das Licht schimmert jetzt nämlich nicht nur durch Konsolen in der ersten Reihe, sondern taucht auch den Fond auf Knopfdruck in viele Farben.

Starke Benziner, sparsamer Diesel

Unter der Haube geht die Erneuerung weiter. VW bietet den Arteon als Coupé-Limousine und Shooting Break bald nicht nur mit leistungsstarken Benzinern von maximal 206 kW/280 PS an, sondern auch mit Plug-in-Hybrid und knapp 60 Kilometern elektrischer Reichweite. Für Überraschung sorgt ein neuer Diesel. Weil Kombis in dieser Klasse als Kilometerfresser bekannt sind und der Selbstzünder auf der Langstrecke noch immer als unschlagbar gilt, führt VW für die TDI-Motoren jetzt das so genannte Twindosing-Verfahren ein: Eine doppelte AdBlue-Harnstoffeinspritzung soll die NOx-Emissionen um bis zu 80 Prozent drücken und den 2,0-Liter-Motor zu einem der saubersten seiner Art machen.

So kann man den Diesel als sparsamen, aber souveränen Dauerläufer genießen - vor allem in der stärksten Variante mit 147 kW/200 PS, Allradantrieb und siebenstufiger Doppelkupplungs-Automatik. Im Zusammenspiel mit einem individuell verstellbaren, stets komfortbetonten Fahrwerk, einer eher entspannten Lenkung und einer guten Geräuschkapselung wird der Arteon zu einem Profi für Langstrecken. Mit seinen 400 Nm beschleunigt er druckvoll in 7,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, lässt mit maximal 230 km/h auch große Distanzen schrumpfen und hilft mit annähernd 1300 Kilometern Reichweite beim Zeitsparen.

Fazit: Newcomer mit Mehrwert

Der Phaeton ein Flop, der CC nicht über die Nische hinausgekommen und der Arteon als Coupé-Limousine am unteren Ende der eigenen Statistik - so richtig erfolgreich waren die Aufstiegsbemühungen bei VW bislang nicht. Doch mit dem Shooting Break könnte sich das ändern, weil dieser Newcomer tatsächlich einen Mehrwert bietet. Gegenüber dem normalen Arteon sind das Platz und Variabilität und gegenüber dem Passat Variant vor allem Ambiente und Komfort.

Datenblatt: VW Arteon 2.0 TDI 4motion

Motor und Antrieb: Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum: 1968 ccm
Max. Leistung: 147 kW/200PS
Max. Drehmoment: 400 Nm bei 1750-3500 U/min
Antrieb: Allradantrieb
Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsautomatik
Maße und Gewichte
Länge: 4866 mm
Breite: 1871 mm
Höhe: 1462 mm
Radstand: 2837 mm
Leergewicht: 1726 kg
Zuladung: 642 kg
Kofferraumvolumen: 565-1632 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,3 s
Durchschnittsverbrauch: 4,9 Liter/100 km
Reichweite: 1.300 km
CO2-Emission: 129 g/km
Kraftstoff: Diesel
Schadstoffklasse: EU6
Energieeffizienzklasse: A
Kosten:
Basispreis der Modellreihe: 44.387 Euro
Grundpreis des Arteon 2.0 TDI 4Motion: 52.575 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 258 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Front-, Seitenairbags und Kopfairbags, Allradantrieb, Gurtstraffer, Spurhalte-Assistent
Komfort: Klimaanlage, Zentralverriegelung, elektrische Parkbremse, Tempomat, elektrische Heckklappe
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

© dpa-infocom, dpa:201109-99-266669/9


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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