Mit Herpes auf der Nasenspitze sofort zum Arzt gehen

20.07.2018
Wer sich als Kind mal mit Windpocken angesteckt hat, trägt Varizella-Zoster-Viren in sich. Sie können später als Gürtelrose zurückkehren, aber auch die Augen angreifen. Schon bei ersten Anzeichen dafür müssen Betroffene schnell zum Arzt gehen.
Eine Wiedererkrankung mit Windpocken im Erwachsenenalter kann gefährlich werden und sollte daher schnell behandelt werden. Foto: Friso Gentsch
Eine Wiedererkrankung mit Windpocken im Erwachsenenalter kann gefährlich werden und sollte daher schnell behandelt werden. Foto: Friso Gentsch

Freiburg (dpa/tmn) - Bemerkt jemand ungewöhnliche Pickel auf der Nasenspitze, sollte er damit sofort zum Arzt gehen. Es könnte sich um das sogenannte Hutchinson-Zeichen handeln, das auf ein Rezidiv - also das Wiederauftreten einer Infektion - mit Windpockenviren hindeutet.

Das Problem: Diese Viren können das Auge angreifen und nachhaltig schädigen, erklärt Prof. Thomas Reinhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. Genauso wie die etwas bekannteren Herpes-simplex-Viren, die den klassischen Lippenherpes verursachen, ziehen sich auch Varizella-Zoster-Viren nach einer Windpockeninfektion ins Nervensystem zurück. Dort harren sie aus, bis das Immunsystem des Betroffenen irgendwann mal so geschwächt ist, dass sie erneut angreifen können.

Haben sich die Viren in Nervenknoten - sogenannten Ganglien - in der Nähe des Rückenmarks eingenistet, verursachen sie bei einem Rezidiv eine Gürtelrose. «Sind sie dagegen in Ganglien im Gehirn untergekommen, ist ein Befall des Auges möglich», sagt Reinhard. Das erste Zeichen dafür ist meist eine Veränderung der Haut an der Nasenspitze.

Gehen Patienten mit dem Hutchinson-Zeichen zum Hautarzt, sollten sie ihn aktiv auf eine mögliche Augenbeteiligung ansprechen, rät Reinhard. Denn nur wenn die Infektion frühzeitig auch augenärztlich behandelt wird, lassen sich bleibende Schäden vermeiden. «Wir nehmen die Patienten in der Regel stationär auf und verabreichen intravenös hoch-dosierte Virustatika», erklärt der Facharzt. Diese Medikamente sollen die Viren zurückdrängen.

Und was, wenn nicht rechtzeitig behandelt wird? Reinhard zufolge bemerken Betroffene irgendwann eine Eintrübung ihres Sichtfelds. «In der Augenhornhaut können dann weiße Flecken sichtbar sein.» Das sind nicht die Viren, sondern weiße Blutkörperchen, die gegen die Infektion ankämpfen. «In diesem Stadium kann man nur noch die Abwehrreaktion unterbinden», sagt Reinhard - etwa mit cortisonhaltigen Augentropfen, und zwar dauerhaft. Ansonsten droht der Patient zu erblinden.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ist das Immunsystem geschwächt, kann das Varicella-Zoster-Virus eine Gürtelrose (Herpes zoster) auslösen. Foto: RKI/Hans R. Gelderblom Gegen den Nervenschmerz - Gürtelrose früh behandeln Bei einer Gürtelrose bilden sich fiese Bläschen auf der Haut, begleitet von mitunter quälenden Schmerzen. Wer will, kann sich zur Vorbeugung impfen lassen. Damit wird das Erkrankungsrisiko aber nur reduziert - einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.
Oft sieht der Augenherpes aus wie eine normale Bindehautentzündung. Foto: Andrea Warnecke Augenherpes kann die Hornhaut zerstören Herpes an der Lippe kennt jeder. Aber bei rund einem Prozent der Bevölkerung befallen die Viren das Auge, genauer gesagt die Hornhaut. Das Tückische: Der Betroffene merkt es häufig erst, wenn das Auge schon Schaden genommen hat.
Die Gürtelrose ruft bei Betroffenen anfangs einen brennenden Schmerz hervor, danach kommen Bläschen und Pusteln hinzu. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Bei Gürtelrose binnen zwei Tagen mit Therapie beginnen Mit einem Gang in die Apotheke bekommen Betroffene eine Gürtelrose nicht in den Griff. Denn frei verkäufliche Mittel helfen nicht. Stattdessen sollten Patienten rasch einen Arzt aufsuchen und auch gleich mit der Behandlung beginnen.
Hat ein Kind Fieber, gehört es grundsätzlich nicht in die Kita. Am besten, es bleibt daheim, bis es einen ganzen Tag und eine Nacht lang fieberfrei war. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Diese Kinderkrankheiten sollten Eltern kennen Durchfall, Erkältung, Bindehautentzündung - mit der Eingewöhnung in der Kita machen viele Kinder einen Infekt nach dem anderen durch. Eine krankes Kind muss zu Hause bleiben. Es soll sich auskurieren. Und es soll andere nicht anstecken.