Wie lässt sich Grauer Star bei Hunden behandeln?

11.01.2019
Mit der Augenerkrankung Grauer Star ist auch bei Hunden nicht zu spaßen. Das Tier sollte schnellstmöglich zu einem spezialisierten Arzt gebracht werden. Heilung bringt nur eine Operation.
Grauer Star: Wenn die Krankheit früh erkannt wird, bestehen gute Heilungschancen. Foto: Ina Fassbender
Grauer Star: Wenn die Krankheit früh erkannt wird, bestehen gute Heilungschancen. Foto: Ina Fassbender

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Meistens fällt die Krankheit durch Zufall auf: Der Hund fängt das zugeworfene Leckerli nicht mehr so souverän wie sonst, stolpert über die Bordsteinkante oder bewältigt in ungewohnter Umgebung keine Treppenstufe mehr richtig.

In diesem Fall sollten Herrchen oder Frauchen zügig zum Tierarzt fahren und ihrem Hund einmal tief in die Augen sehen lassen. Ist die Linse grau oder sogar weiß, kann es sich um Grauen Star handeln. Der Hund sieht entweder schlecht oder ist schon völlig erblindet.

Operation durch einen Spezialisten

«Mit dieser Krankheit ist nicht zu spaßen, denn die Netzhaut ist nicht regenerationsfähig», warnt Tierärztin Barbara Braus von der Tierklinik in Hofheim. Sie rät, mit dem Hund sofort zu einem auf die Behandlung von Augen spezialisierten Tierarzt zu fahren. Denn meist haben nur die Spezialisten die nötigen Geräte und auch die Erfahrung, um die Krankheit zu diagnostizieren und möglichst zu heilen. Um die Diagnose zu stellen, geben die Tierärzte den Hunden zunächst Tropfen ins Auge. So werden die Pupillen weit gestellt und können untersucht werden.

Die Bandbreite der Behandlung ist allerdings denkbar gering. Nur eine Operation kann die Heilung bringen - je früher, desto besser. Voraussetzungen hierfür sind eine intakte Netzhaut und funktionierende Nervenzellen, zudem muss das Tier natürlich narkosefähig sein. «Wenn nicht operiert werden kann, muss das Tier ein Leben lang mit entzündungshemmenden Augentropfen behandelt werden», erklärt die Tierärztin Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte in Frankfurt am Main. Ansonsten kann die Krankheit für das Tier äußerst schmerzhaft werden. Auf keinen Fall sollten die erkrankten Augen unbehandelt bleiben. 

Hohe Erfolgschancen

Die Operation ist längst so ausgereift wie in der Humanmedizin. Der Chirurg macht einen kleinen Schnitt am äußeren Augenwinkel und öffnet die Hornhaut, dann zertrümmert er den Linseninhalt mit Ultraschall und saugt diesen aus der Kapsel. Ist das Linsensäckchen intakt, wird eine Kunstlinse implantiert. 

Die gute Nachricht: Vor allem, wenn die Krankheit früh erkannt wird, sind die Erfolgschancen einer OP laut Braus enorm. Sie vollbringt meist wahre Wunder. Fast jeder Hund kann spätestens einen Tag danach wieder sehen - auch, wenn er vorher blind war. Wie schnell er wieder nach Hause darf, handhabt jede Klinik unterschiedlich. Manchmal wird der Patient noch am Tag der OP entlassen. 

Hohe Kosten 

Allerdings wird sich eine Operation nicht jeder leisten können. Sind beide Augen vom Grauen Star betroffen, muss der Besitzer etwa 4000 Euro bezahlen. Bei einem Auge sind über 2000 Euro fällig.

Noch eine weniger gute Nachricht: Es kann zu Komplikationen kommen, manche Tiere reagieren mit entzündeten Augen. Daher werden die Patienten nach der OP noch längere Zeit mit Augentropfen behandelt und müssen häufig zur Nachsorge. Die ersten Wochen dürfen die Hunde nicht toben, sondern müssen brav an der Leine gehen.

Auch junge Tiere betroffen

Entgegen der landläufigen Meinung betrifft der Graue Star übrigens nicht nur alte, sondern auch junge Tiere. Denn die Ursachen sind vielfältig. «Die Krankheit kann auch vererbt, durch Diabetes oder Verletzungen am Auge verursacht werden», erklärt Tierärztin Behr.

Einige beliebte Hunderassen wie der Golden Retriever und der Labrador neigen bereits in jüngeren Jahren zu dieser Augenerkrankung. Sie können innerhalb von nur ein bis zwei Wochen völlig erblinden. Tritt der Graue Star als Alterserscheinung auf, schreitet die Krankheit deutlich langsamer voran.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Chihuahuas sind klein und süß: Sie brauchen aber ebenso wie große Hunde die richtige Erziehung. Foto: Daniel Karmann Bitte nicht verhätscheln: Was ein Chihuahua braucht Manchmal werden die kleinen Hunde wie ein Spielzeug betrachtet - sie tragen eigene Accessoires und werden in die Handtasche gesteckt. Aber damit tut man Chihuahuas gar keinen Gefallen, sagen Experten.
Katzen sind Meister im Verstecken von Schmerzen: Deshalb raten Experten zu einer jährlichen Kontrolluntersuchung beim Tierarzt. Foto: Kai Remmers Aids bis Zahnproblem - Katzenkrankheiten Die meisten Katzen hassen den Besuch beim Tierarzt. Ab und an muss man sie aber doch in den Korb zwängen. Ohne Impfungen und Vorsorge droht nämlich so manche, mitunter gefährliche, Krankheit.
Auch Englische Bulldoggen gelten als überzüchtet, da die kurze Nase und das platte Gesicht Atemwege, Augen und Gehirn einengen. Foto: Emily Wabitsch Viele Züchtungen sind eine Qual für das Tier Es gibt Hunde- und Katzenrassen, die so gezüchtet werden, dass ihnen das Leben zur Qual wird. Ein grundlegendes Umdenken ist bei Züchtern und Haltern bislang zwar nicht in Sicht - völlig tatenlos müssen Tierfreunde aber trotzdem nicht bleiben.
In speziellen Trainingskursen können Tierhalter zum Beispiel lernen, wie man seinem Hund im Verletzungsfall die Pfote verbindet. Foto: Sven Hoppe So hilft man Tieren im Notfall Erste-Hilfe-Kurse schulen Besitzer von Hunden und Katzen für einen Notfall. Wer erste Handgriffe wie das Anlegen eines Verbandes oder das Umlegen einer Maulschlinge in Ruhe übt, kann in einer Notsituation besser agieren.