Wie die Thailänder Abschied vom Hund nehmen

29.08.2018
Im Buddhismus ist es üblich, dass verstorbene Angehörige verbrannt werden. Jetzt haben einige Tempel in Bangkok ein neues Geschäftsfeld entdeckt: Hunde und andere Haustiere. Wer Geld hat, lässt sich das einiges kosten.
Ein Mann hält die Asche seines verbrannten Hundes in einem buddhistischen Tempel, dem Wat Klong Toei Nai. Foto: Christoph Sator
Ein Mann hält die Asche seines verbrannten Hundes in einem buddhistischen Tempel, dem Wat Klong Toei Nai. Foto: Christoph Sator

Bangkok (dpa) - Waa Waa hatte kein einfaches Leben. Abgesehen davon, dass es grundsätzlich schönere Plätze für ein Hundeleben gibt als den Moloch Bangkok mit seiner schwülen Hitze und dem vielen Beton: Die Mischlingsdame war in ihren 13 Jahren sehr oft krank.

Umso größer ist für Besitzerin Pattarat Kammonta jetzt der Abschiedsschmerz. Deshalb bekommt Waa Waa eine ordentliche Bestattung. Sie wird nach buddhistischem Ritual verbrannt. So wie Menschen nach ihrem Tod hier üblicherweise auch.

Inzwischen gibt es immer mehr Thais, die auch für das geliebte Haustier eine religiöse Feuerbestattung wollen und sich dies auch leisten können. Mehr als 4000 Baht (etwa 100 Euro) kostet das in der Regel nicht, aber auch das ist für die meisten Leute hier eine ordentliche Summe. Pattarat, eine 38-jährige Geschäftsfrau, sagt: «Ich habe meine Hündin so sehr geliebt. Da will ich sie nicht einfach in der Erde verscharren.»

Also liegt Waa Waa jetzt in einem Meer aus künstlichen Blumen auf einem Altar in einem der vielen buddhistischen Tempel von Thailands Hauptstadt. Pattarat hat sie in ihre Lieblingsdecke gewickelt, drückt ihr noch ein paar Küsse aufs Fell. Aus einem goldenen Rahmen schauen ein Mops und ein Cocker-Spaniel angemessen traurig drein. Dann spricht ein orange gekleideter Mönch ein Gebet und besprenkelt das tote Tier mit Weihwasser.

Schließlich wird Waa Waa in den Ofen geschoben. Der Tempel Wat Kloeng Toei Nai hat drei solche Feuerkammern eigens für Tiere. Sie sind etwa doppelt so groß wie die Öfen ein paar Ecken weiter, in denen menschliche Leichname kremiert werden. Das Feuer brennt sofort. Dann geht die Klappe zu. Nach 20 Minuten ist alles vorbei. Von Waa Waa ist jetzt nur noch ein Häufchen Asche übrig. Das Tier wird in Papier gewickelt und in eine Plastiktüte verpackt.

Auf diese Weise gingen vergangenes Jahr allein in diesem Tempel hier, dem ältesten seiner Art, mehr als 15.000 Tier-Existenzen zu Ende. Zuverlässige Zahlen, wie viele es in Thailand insgesamt waren, gibt es noch nicht. Auf jeden Fall Zehntausende. Solche Verbrennungen gibt es anderswo auch. Nach den jüngsten Zahlen werden auch in Deutschland pro Jahr inzwischen mehr als 80.000 Haustiere eingeäschert. Der große Unterschied besteht darin, dass das in Thailand meist nach einem religiösen Ritual geschieht.

Nach dem immerwährenden Zyklus des Seins («Samsara») können im Buddhismus Tiere auch als Mensch wiedergeboren werden. Thais hoffen, dass eine ordentliche Verbrennung die Chancen ihres Lieblings erhöht, beim nächsten Mal in höherer Form zurück auf die Welt zu kommen. Der Abt von Wat Kloeng Toei Nai, ein Mann von 70 Jahren namens Phra Ratchasittthi Suntorn, sagt: «Die Verbrennung an sich ist nicht religiös. Aber das Gebet kann helfen, die Seele an einen besseren Platz zu bringen.»

Für einige Tempel in Bangkok hat sich das inzwischen zu einem lukrativen Geschäft entwickelt. Meist werden Hunde eingeäschert, gern auch Katzen. Es gab aber auch schon Feuerbestattungen für Kaninchen, Goldfische und Echsen und auch schon mal für ein kleines Pferd. Das war aber fast schon zu groß. Schweine gelten wegen ihres hohen Fettanteils als schwierig.

Der Preis richtet sich nach Gewicht. Alles unter 20 Kilo kostet im Wat Klong Toei Nai 1500 Baht (etwa 40 Euro). Für alles, was darüber ist, werden 2000 Baht (gut 50 Euro) fällig. Zudem gibt es Särge in drei Größen, zwischen 2000 und 3000 Baht, eher die schlichte Art, mit Aufklebern. Das ist aber kein Muss. Was allerdings erwartet wird: eine Spende für die Mönche, die im Tempel leben.

Im Kreis von Bangkoks Superreichen, von denen es gar nicht so wenige gibt, geht der Trend inzwischen dahin, sich den Abschied vom Haustier einiges kosten lassen. Grundsätzlich sind nach oben keine Grenzen gesetzt. Ein Geschäftsmann ließ kürzlich seinen geliebten Golden Retriever vor 80 geladenen Gästen im handgeschnitzten Sarg verbrennen. 60 Mönche standen Spalier. Die Kosten: 400.000 Baht, umgerechnet etwa 10.000 Euro.

Die Mönche beteuern aber stets, mit den Feuerbestattungen keinesfalls Geld verdienen zu wollen. Auch der Abt sagt: «Wir machen das nicht aus Kommerz. Wir wollen den Leuten helfen, ihren Schmerz zu lindern.» Bei Waa Waas Besitzerin ist das gelungen. Pattarat wartet nicht einmal ab, bis die Hündin ganz verbrannt ist. Die Überreste überlässt sie den Mönchen, damit sie die Asche später auf dem Chao Praya verstreuen, Bangkoks großem Fluss. Kosten dafür: 300 Baht. Acht Euro.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Immer mehr Haustierbesitzer lassen ihre Tiere nach dem Tod einäschern und nehmen sie mit nach Hause. In einer klassischen Urne, im Bilderrahmen oder im Schmuckmedaillon. Foto: Harald Tittel Immer mehr Tierbesitzer lassen Hunde und Katzen einäschern Nach dem Tod ihres Haustieres entscheiden sich Tierbesitzer immer öfter für eine Einäscherung. Die Asche nehmen sie mit nach Hause. In klassischer Urne, aber auch im Bilderrahmen oder im Schmuckmedaillon.
Bundesweit gibt es etwa 150 Tierfriedhöfe und 32 Tierkrematorien. Foto: Britta Pedersen Die Liebe zum Haustier reicht bis in den Tod «Haustiere sind zur Kernfamilie geworden - sie gehören dazu wie zwei Kinder und das Reihenhaus», sagt der Biologe und Ethiker Dirk Preuß. Wegen der lebenslangen engen Bindung wünschen sich viele Tierbesitzer einen würdevollen Abschied und eine Bestattung.
Weil Urnenbestattungen zunehmen, gibt es auf deutschen Friedhöfen immer mehr ungenutze Flächen. Sie könnten in Bauland umgewandelt werden. Foto: Marius Becker/dpa Bauen auf Friedhöfen: Platz für neues Leben Auf Friedhöfen gibt es immer mehr ungenutzten Platz, gleichzeitig fehlen Baugrundstücke in Städten. Eine Lösung könnte die Umwandlung von Bestattungsflächen in Bauland sein. Wissenschaftler und Interessenverbände loben die Idee, warnen aber vor Risiken.
Labrador Lui (l) und Mischling Luna genießen ihre Zeit im Hundehotel Kettershausen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Hundehotels im Trend: Fernsehraum, Pool, Familienanschluss Toben, planschen und entspannen, während Herrchen und Frauchen im Urlaub sind: In Hundehotels können Vierbeiner unter ihresgleichen Ferien machen und dabei so manchen Luxus und Service genießen.