Wie Bauklötze für Erwachsene: Regale aus flexiblen Modulen

19.01.2016
Bücherregale und Ordnungssysteme braucht jeder. Derzeit legt die Möbelbranche einen Fokus auf besonders kreative und immer wieder veränderbare Formen. Wer umzieht, soll seine alten Möbel gut umbauen und so in der neuen Wohnung unterbringen können.
Aus zwei Kuben, einem L- und einem T-förmigen Element der Kollektion Basic von Sanktjohanser lassen sich verschiedene Regale und ein Couchtisch bauen. Foto: Sanktjohanser
Aus zwei Kuben, einem L- und einem T-förmigen Element der Kollektion Basic von Sanktjohanser lassen sich verschiedene Regale und ein Couchtisch bauen. Foto: Sanktjohanser

Köln (dpa/tmn) - Man könnte meinen, die Erfindung von E-Books und Tablets hätten das Ende der Bücherregale eingeläutet. Aber weit gefehlt: «Bücher sind weiterhin Dekoration», erklärt Designer Martin Breuer-Bono. «Man hebt ja auch ganz besondere Bücher als Erinnerung auf und zeigt sie im Regal.»

So wie er sehen das allem Anschein nach viele Möbeldesigner und auch viele Käufer. Denn unter den Neuheiten auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne in Köln (bis 24. Januar) sind in diesem Jahr viele kreative Ideen für Bücherregale zu sehen.

Darunter sind auffällige Entwürfe, die als Hingucker im Raum taugen wie Breuer-Bonos Regal namens Schlagseite. Es ist ein filigranes Gitter mit schmalen Streben. Daneben gibt es viele Entwürfe, die sich wie Bauklötzchen immer wieder zu neuen Formen und Varianten zusammensetzen lassen.

Der Grund: das mobile Leben. Man soll mit den Möbeln häufig umziehen können oder sich im gleichen Wohnraum immer wieder verändern dürfen. Das Unternehmen Paschen hat zum Beispiel seine neue Regal-Kollektion namens Urban Concept 'One' konsequent an einer Zielgruppe ausgerichtet, wie Chris Jungjohann erklärt. Es geht um die Jungen, die sich und ihren Wohnraum in den kommenden Jahren noch häufig verändern werden. «Sie wollen oft umziehen. Oder sie sind aus dem Jugendzimmer herausgewachsen und suchen nun flexible, aber hochwertige Möbel», erläutert Jungjohann. Wichtig dabei: Die Möbel müssen viele Umzüge unbeschadet überstehen können. «Die Möbel müssen also vor allem robust sein.» Zusammengesetzt wird dieses Produkt nur mit einem Klick durch das Zusammenfügen von Nut und Feder.

Vielfältiger sind die Einzelteile des Universalmöbels Basic der Firma Sanktjohanser: Aus zwei Kuben, einem L-förmigen und einem T-förmigen Teil lassen sich verschiedene Couchtische, Garderoben, ein Boden- und ein Wandregal zusammensetzen - und das nur durch Stapeln und ohne feste Verbindung. «Unsere Idee ist, so wenig wie möglich Material einzusetzen», erklärt Firmeninhaber Hubert Sanktjohanser. Und das nicht nur, um Ressourcen zu schonen, sondern auch, um möglichst wenig besitzen zu müssen, aber immer wieder etwas Neues aus dem Möbel machen zu können.

Natürlich passen in diese Entwicklung auch die offenen oder geschlossenen Kuben, die viele Hersteller weiterhin anbieten. Sie lassen sich so an der Wand anordnen, wie man es eben möchte oder braucht. Hülsta zum Beispiel bietet nun Kästen an, die nicht an die Wand gebohrt werden müssen. Now! mag ist eine Magnettafel, auf der ebenfalls magnetische Haken, Winkel, Spiegel oder eben Regalkästen Platz finden.

Aber nicht nur die Bücherregale stehen im Fokus. Auch Regalsysteme, die zum Schaukasten für besondere Erinnerungsstücke und Kunstwerke taugen, finden sich auf der IMM. Manche Kommode ist sogar um einen kleinen gläsernen Schaukasten erweitert, der an die Vitrinen in Museen erinnern. Unter anderem Interlübke stellt das in Köln vor. Auf die cube-Kommoden wird ein viereckiger Glaskasten gesetzt, in dem Vasen und sonstige Kunstobjekte Platz finden.

«Sowohl ein minimalistischer Einrichtungsstil wie auch die coole Inszenierung im geordneten Chaos folgen einem Konzept bewusst dosierter Zurschaustellung», beschreiben die Trendexperten der Koelnmesse diese Entwicklung. Denn: «Aufräumen gehört für jeden, der Wert auf ein gestaltetes Wohnumfeld legt, zum Interior Design dazu.»

Info-Kasten: Einrichtungstipp zu Bücherregalen

Zum Mut zur Lücke rät die Einrichtungsexpertin Gabriela Kaiser. Denn im Trend liegen ihrer Ansicht nach statt Schränken Sideboards und offene Regalformen, die nur teils geschlossene Flächen haben. «Es ist also immer viel Wand zu sehen», erklärt sie. Wer nicht unbedingt ein neues Regal kaufen will, kann dafür seine so locker füllen, dass etwas Durchblick möglich ist. Überfüllt ist eben out.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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