Warum starrt mich die Katze so an?

11.11.2021
Katzen teilen sich ihren Menschen auch mit intensiven Blicken mit. Was sie damit meinen, variiert. Das kann eine Sympathiebekundung sein. Manchmal aber auch eine Ermahnung oder gar Drohung sein.
Starren gilt unter Katzen eigentlich als unhöflich. Doch die Stubentiger haben gelernt, dass es beim Menschen zu Aufmerksamkeit führt. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Starren gilt unter Katzen eigentlich als unhöflich. Doch die Stubentiger haben gelernt, dass es beim Menschen zu Aufmerksamkeit führt. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn

Bad Homburg (dpa/tmn) - Liebt sie mich oder will sie was zu fressen? Katzenbesitzer kennen sie, die stechenden Blicke ihrer kleinen Raubtiere. Manchem fällt die Einordnung schwer, was das Tier damit mitteilen will.

Tatsächlich gibt es mehrere Interpretationsmöglichkeiten, sagt Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. «Das Starren muss immer im Kontext mit dem Rest des Körpers gesehen werden», erklärt er. Sitzt oder steht die Katze aufrecht, bewegt sich der Schwanz, was machen die Ohren, miaut das Tier? All das zählt, um dem Gemütszustand des Tieres auf die Schliche zu kommen.

Starren gilt unter Katzen als unhöflich

Die Haustiertrainerin Michaela Asmuß aus dem hessischen Bad Homburg kennt sieben verschiedene Interpretationsmöglichkeiten, allerdings sagt sie vorab: «Starren gilt unter Katzen als unhöflich und bedrohlich.» Sie hätten allerdings gelernt, dass es beim Menschen zu etwas Gutem führen könne: Fressen und Aufmerksamkeit.

So schauen manche Katzen ihre Halter mit intensivem Blick an, um diese an die Fütterungszeit zu erinnern. Anfangs ist das Tier noch zurückhaltend, sitzt ruhig und beschränkt sich aufs Starren.

Reagiert der aus Katzensicht etwas begriffsstutzige Mensch nicht, folgt als nächstes eventuell ein «Miau», oft läuft die Katze neben ihrem Halter her oder streicht zwischen seinen Beinen. Setzt sich der Futterlieferant endlich in Bewegung, versucht die Katze, ihn in Richtung Küche zu dirigieren. «Katzen haben eine innere Uhr, die sie selten trügt», sagt die Katzenexpertin zum Thema Fütterungszeiten.

Halter denkt an Hunger und eilt zum Kühlschrank

Katzen können dieses Verhalten durch ein Missverständnis lernen: Sie starren ihren Menschen aus irgendeinem Grund an - der denkt, das Tier hat Hunger und eilt zum Kühlschrank. Daraufhin starrt die kluge Katze natürlich öfters. Das gilt auch, wenn der Mensch isst und die Katze etwas abhaben möchte. Einige kommunizieren das sehr deutlich, indem sie immer wieder hin und her vom Mensch zum Teller gucken.

Andere belassen es beim Blick auf den Menschen, dabei geht ihr Schwanz steil in die Höhe und zittert. Auch die Kombi aus Starren und Schnurren ist in dieser Situation bei manchen Katzen beliebt.

Auch wenn sie gerne beachtet werden möchten, starren Katzen ihren Menschen an. «Zum Beispiel, wenn man gerade am Rechner sitzt, in ein Buch vertieft ist oder schläft. Es gibt Katzen, die sind Meister im «Aus-dem-Schlaf-starren»», berichtet Asmuß. Dabei sitzt oder liegt die Katze ganz entspannt, die Ohren sind aufmerksam nach vorne gerichtet. Manche maunzen zudem oder heben als Signal für ihren Kontaktwunsch eine Pfote. Reagiert der Mensch, schnurrt die Katze.

Steigerung von Starren ist liebevolles Blinzeln

Das Schöne am Starren: Es kann auch ein Zeichen für Sympathie, vielleicht sogar für Liebe sein. Denn würde die Katze ihren Menschen nicht mögen, wäre ihr ein Augenkontakt unangenehm. Die Steigerung ist das Blinzeln - damit drücken Katzen ihre tiefe Zuneigung aus. «Blinzeln sie zurück», rät die Katzenexpertin.

Zu sehen ist das Starren auch auf der echten Jagd. Da Katzen ihre Hornhaut nur relativ selten mit Blinzeln befeuchten müssen, können sie ihr potenzielles Opfer genau im Blick behalten, um dann im richtigen Moment die Attacke zu starten. «Es werden auch zum Beispiel fremde Katzen im Revier drohend fixiert», weiß Pommerening vom Tierschutzbund. Wenn keiner wegguckt, kommt es zum Kampf.

Katzen generell nicht zurückanstarren

Auch ängstliche Katzen starren, so versuchen sie jede Regung ihres potenziellen Feindes wahrzunehmen, um die Entscheidung zu treffen: Angriff oder Flucht. Die ängstliche Katze kauert sich in eine Ecke oder gegen die Wand. Die Pupillen sind groß, die Ohren auf die Seiten oder nach hinten gedreht. Der Schwanz liegt wie zum Schutz um die Katze herum. Nähert man sich der Katze, kann sie fauchen - auch das sollte als Warnung sehr ernst genommen werden.

Michaela Asmuß empfiehlt, drohende oder ängstliche Katzen mit einem Blinzeln zu beruhigen, dann wegzuschauen und langsam zurückzugehen, dabei kann mit leiser, ruhiger Stimme gesprochen werden. «Blinzeln und Abwenden zeigt immer, dass man es nett meint», fasst sie zusammen und empfiehlt, Katzen nicht anzustarren - auch wenn man von ihnen seit Minuten fixiert wird. Denn obwohl Katzen es selbst nicht besser machen, empfinden sie im tiefsten Inneren: Anstarren ist unhöflich!

© dpa-infocom, dpa:211110-99-941797/5


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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