Wärmepumpen arbeiten nun effizienter im Altbau

25.03.2021
Wärmepumpen sind in privaten Neubauten der Heizungsstandard. Für Altbauen sind sie aber oft nicht effizient genug - bislang. Auf der Messe ISH wurde nun eine neue Wärmepumpe-Generation vorgestellt.
Die Außeneinheiten der neuen Viessmann-Wärmepumpen-Serie Vitocal sind mit einem Schalldruckpegel von 30 dB(A) im geräuschreduzierten Betrieb und mit vier Metern Abstand bei freier Aufstellung laut Anbieter «flüsterleise». Foto: Viessmann/dpa-tmn
Die Außeneinheiten der neuen Viessmann-Wärmepumpen-Serie Vitocal sind mit einem Schalldruckpegel von 30 dB(A) im geräuschreduzierten Betrieb und mit vier Metern Abstand bei freier Aufstellung laut Anbieter «flüsterleise». Foto: Viessmann/dpa-tmn

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Bei der Entwicklung von besseren Heizungen braucht es einen eher langen Atem. Die kleinen Entwicklungsschritte, die auf der Weltleitmesse für Heizung, der IHS digital in Frankfurt, jetzt vorgestellt wurden, haben es jedoch in sich. Denn die gehypte Wärmepumpe wird nun im Altbau effizienter - und immer leiser, was in engen Neubaugebieten einem Nachbarschaftsstreit vorbeugen könnte.

Die Wärmepumpe ist in den vergangenen Jahren vom Nischenprodukt zum Trendprodukt unter den Heizungen im Privatbau geworden - auch mit Unterstützung in Form einer guten Förderung. Insgesamt wurden 2020 laut dem Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) in Deutschland 120.000 Geräte verkauft, das war ein Plus von 40 Prozent.

Knackpunkt waren die hohen Vorlauftemperaturen

Doch ist die Wärmepumpe «zwar im Neubau das meistinstallierte System, aber nicht im Altbau», sagt Tim Geßler von der Fachzeitschrift «SBZ». Denn Wärmepumpen arbeiten bislang besonders effizient in Systemen mit einer niedrigen Vorlauftemperatur - das ist die Temperatur, die das Heizungswasser braucht, wenn es in die Rohre und Heizkörper strömt.

Zum Beispiel benötigt eine mit der Wärmepumpe kombinierte Fußbodenheizung laut Geßler nur rund 40 Grad - man spricht daher auch von einem Niedrigtemperatur-Heizsystem. Konvektoren und Radiatoren, die gerade in Altbauten auch nach Sanierungen noch oft zu finden sind, brauchen hingegen viel höhere Temperaturen.

«Wärmepumpen waren bisher auch schon im Altbau einsetzbar. Aber um die höheren Vorlauftemperaturen zu erreichen, musste mehr Strom eingesetzt werden», erläutert Geßler. Zwar gewinnt die Wärmepumpe den Großteil ihrer Energie kostenlos - das ist ihr großer Vorteil. Aber dafür wird immer auch Strom für den Betrieb des Verdichters benötigt. In Altbauten mit Systemen, die höhere Vorlauftemperaturen benötigen, steigt dieser Strombedarf - und damit auch die Betriebskosten.

Kombination mit Heizkörpern möglich

Nun aber hat die Industrie eine neue Gerätegeneration entwickelt, um Wärmepumpen auch im Bestandsgebäude mit höherem Wärmebedarf effizient zu betreiben, sagt BDH-Hauptgeschäftsführer Andreas Lücke. Auf der Messe ISH wurde eine ganze Reihe solcher Wärmepumpen vorgestellt.

Bis zu 71 Grad Vorlauftemperatur schafft zum Beispiel die Compress 7800i LW, eine Sole-Wasser-Wärmepumpe von Bosch. Damit lasse sie sich auch mit Heizkörpern im Haus betrieben, erklärt der Hersteller. Auch Viessmann nennt für seine Modelle Vitocal 250-A/250-AH/252-A Vorlauftemperaturen von bis zu 70 Grad. Fußbodenheizungen seien nicht erforderlich, vorhandene Radiatoren könnten weiter genutzt werden.

Die Logatherm WLW286 A der Bosch-Marke Buderus und die neuen Geräte Geoblock von Weishaupt schaffen immerhin bis zu 65 Grad Vorlauftemperatur. Ebenfalls diesen Wert erreicht die Wärmepumpe Altherma 3 H MT, die der Hersteller Daikin als Lösung für Häuser aus Baujahren ab den 1990er Jahre und «für den einfachen Tausch von Gas- und Ölheizgeräten oder sonstigen Heizsystemen» anbietet.

Deutlich leisere Luft-Wasser-Wärmepumpen

Die Hersteller arbeiten aber auch an einem nervigen Feature mancher der Luft-Wasser-Wärmepumpen: Ihre brummenden Geräusche, die in dicht bebauten Gebieten zur Belastung für die Nachbarschaft werden können.

Steht man drei Meter von Daikins Altherma 3 H MT entfernt, nimmt man laut Anbieter nur 35 dB(A) Schall war - das entspricht etwa einem leisen Radio. Innerhalb von Viessmanns Vitocal-Serie sind 30 dB(A) in vier Metern Abstand bei freier Aufstellung im geräuschreduzierten Betrieb möglich - der Hersteller spricht von «flüsterleise». 

«Deutlich leiser» seien die neuen Luft-Wasser-Wärmepumpen in der Tat geworden, analysiert Geßler. Auch die Möglichkeit einer noch leiseren Nachteinstellung der Geräte hebt der Heizungsexperte vom Fachmagazin «SBZ» hervor. Doch dann seien die Geräte auch weniger leistungsfähig. Geßler betont aber auch, dass die Lärmbelastung «selbstverständlich immer noch eine Sache der individuellen Gegebenheiten» sei. Denn die Technik sei das eine, das andere sei die Aufklärung der Hausbesitzer.

Neue Generation ist leistungsfähiger

Das heißt: Wird die Einheit zum Beispiel direkt an der Terrasse oder gar an der Grundstücksgrenze aufgestellt, wo ein Fenster des Nachbarn in Reichweite ist, wird natürlich das Betriebsgeräusch nach wie vor wahrgenommen. «Aber auch hier hat sich was getan. Die Hersteller haben die Fachhandwerker aufgeklärt, und diese sind zunehmend darauf sensibilisiert, vor Ort gut zu beraten», sagt Geßler.

Sein Fazit: «Die Hersteller haben in den letzten zwei Jahren viel geleistet. Die neue Generation Wärmepumpen mit neuen Kältemitteln ist leistungsfähiger und effizienter.» Gerade die Einbaumöglichkeiten für den Altbau seien wichtig mit Blick auf die angestrebte Energiewende: «Die Sanierung ist der große Hebel, den wir brauchen.»

Info-Kasten: Was ist eine Wärmepumpe?

Es gibt drei Arten von Wärmepumpen: die Luft-Wasser-, die Wasser-Wasser- und die Sole-Wasser-Wärmepumpen. Letztere entziehen dem Erdreich Wärme, die Luft-Wasser-Variante nutzt die Wärme der Umgebungsluft und die Wasser-Wasser-Wärmepumpe die des Grundwassers.

Die gewonnene Energie trifft auf ein Kältemittel, das bei niedriger Temperatur verdampft. In einem Kompressor wird der Dampf verdichtet und dadurch sehr warm. Diese Wärme wird schließlich an den Heizkreis abgegeben. Somit funktioniert eine Wärmepumpe nach dem umgekehrten Prinzip eines Kühlschranks, der die Wärme von innen nach außen lenkt.

© dpa-infocom, dpa:210325-99-966331/2

Bundesverband Wärmepumpe zur Förderung

Dezibel-Angaben des Bundesverbands Wärmepumpe


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Alles vernetzt: Im Smart Home sind Heizung und Hausgeräte alle bequem steuerbar - zum Beispiel vom Tablet aus. Foto: Jochen Günther/Messe Frankfurt Exhibition GmbH/dpa-tmn Hybride Heizsysteme steuern sich selbst «Deiner Heizung geht es gut» - die Anlage schickt ihrem Besitzer die Nachricht auf das Smartphone. Beruhigend, gerade bei tiefem Frost, wenn man das Zuhause warm vorfinden möchte. Die digitale Steuerung der Heiztechnik geht noch viel weiter dank künstlicher Intelligenz.
Luft-Wasser-Wärmepumpen sind leichter zu installieren und preiswerter, liefern jedoch weniger Energie als Erdwärmepumpen. Foto: Zukunft Altbau/dpa-tmn Die Tücken des Heizens mit der Wärmepumpe Manche Wärmepumpe strapaziert die Nerven der Nachbarn in einer dicht bebauten Siedlung. Das lässt sich aber vermeiden, wenn man ein paar Tipps bei der Planung berücksichtigt.
Für die Bohrung und eine Erdwärmesonde zur Nutzung vom Geothermie in tieferen Schichten ist nicht viel Platz nötig. Foto: Bundesverband Wärmepumpe Heizen mit Geothermie: Wärme aus dem Erdreich Eine der wenigen Energieressourcen, die unbegrenzt zur Verfügung stehen, ist Wärme aus dem Erdinneren. Einfache Systeme, die sich sogar im Garten installieren lassen, können mit dieser Wärme die Heizung im Haus betreiben. Nur graben muss man dafür.
Hersteller wie Vaillant entwickeln Apps und Plattformen, mit denen sich Heizung und Temperatur in jedem Raum bedarfsorientiert steuern lassen – egal von welchem Ort aus. Das steigert den Komfort und hilft, Energie zu sparen. Zum Beispiel wurde die multiMATIC-App auf der ISH präsentiert. Foto: Vaillant/dpa-tmn Von der ISH-Messe: Die neue Kommunikation mit der Heizung Aufdrehen - und irgendwann wird es warm. So ging das Bedienen der Heizung früher. Seit langem arbeiten Hersteller an der besseren Handhabung, inzwischen spielen Smartphones dabei eine Rolle. So wird die Bedienung zwar aufwendiger - aber das Heizen auch komfortabler.