So sparen Sie beim Hausbau sinnvoll Kosten

28.04.2022
Die Preise für einige Baumaterialien sind explodiert. Die Firmen geben diese an Bauherren weiter - und die sind nun oft gezwungen, am Traumhaus zu sparen. An welchen Stellen ist das am besten machbar?
Auf den Baustellen in Deutschland sind in letzter Zeit die Rohstoff-Preise nahezu explodiert. Die Firmen müssen diese an künftige Bauherren weitergeben. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/dpa-tmn
Auf den Baustellen in Deutschland sind in letzter Zeit die Rohstoff-Preise nahezu explodiert. Die Firmen müssen diese an künftige Bauherren weitergeben. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/dpa-tmn

München/Berlin (dpa/tmn) - Der Bau des Eigenheims ist für die meisten Menschen die wichtigste und auch größte Investition ihres Lebens. Und jetzt das: Die ohnehin hohen Baukosten sind zuletzt bereits gestiegen und werden dies absehbar weiter tun.

Die Folge: Viele künftige Bauherren werden sich bei der Planung ihres Eigenheims einschränken müssen. Eine Abwägung, an welchen Stellen das Sparen am meisten Sinn macht und welche Grenzen man nicht überschreiten sollte:

Grundstück auf dem Land versus Ballungsraum

Es liegt auf der Hand: Wer den künftigen Wohnort frei wählen kann, ist im weiteren Umland auf den ersten Blick finanziell besser dran als in Metropolen und Ballungsräumen.

«Die Unterschiede bei den Grundstückspreisen zwischen der Stadt und dem ländlichen Raum sind erheblich», sagt Klaus-Jürgen Edelhäuser, Vorstand der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Und etwa bei der Internet-Anbindung und weiteren Infrastrukturen haben viele ländliche Regionen aufgeholt.

Es hängt aber letztlich von den Lebensumständen der Bauherren ab, wie sich der Umzug aufs Land auf viele Jahrzehnte gesehen auszahlt. «Man sollte dabei immer bedenken, dass die Einsparungen beim Grundstückskauf auf dem Land langfristig durch die Kosten für das Pendeln in die Stadt kompensiert werden, falls dieses erforderlich wird», sagt Andreas May vom Bauherren-Schutzbund.

Generalunternehmer versus individuelle Planung

«Beim Generalunternehmer bekommt man einen garantierten Festpreis für sein vorgeplantes Haus, der sich auch nicht ändert - jedenfalls, solange man keine größere Änderung der Pläne wünscht», sagt Bauberater May. Man hat einen festen Ansprechpartner und in der Regel auch einen garantierten Fertigstellungstermin.»

Allerdings lässt sich der Generalunternehmer seine Risiken auch gut bezahlen. Gleichzeitig verzichtet der Bauherr auf die Möglichkeit, eventuell günstigere Handwerker zu bekommen und gibt manche Gestaltungsmöglichkeiten eines individuell geplanten Hauses auf. Und: Wer mit eigenem Architekt plant, kann mit schlicht konturierten Baukörpern weniger Material verbrauchen und schneller fertig sein.

Ein Zimmer mehr oder ein Zimmer weniger

«Natürlich schlägt sich die Größe eines Gebäudes in den Baukosten nieder», sagt Andreas May. Zwar sind viele Kostenpunkte wie für die Anschlüsse für Strom, Wasser und Abwasser unabhängig von der Hausgröße. Aber größere Häuser brauchen ein größeres Grundstück und mehr Baumaterial.

«Es kann daher sinnvoller sein, mit flexiblen Grundrissen zu arbeiten, so dass ich Räume unterschiedlich nutzen kann», sagt May. Dies wiederum ist eher bei einem individuell geplanten Haus möglich als bei einer Bauträger-Lösung mit standardisierten Konzepten.

Klaus-Jürgen Edelhäuser empfiehlt, vor allem zukunftsorientiert zu planen. «Dabei ist es nicht so entscheidend, ob man nun ein oder zwei Räume mehr hat, sondern wie sich die Nutzung einer Immobilie ändern kann.» Wenn bei einer Familie die Kinder ausziehen, kann das Gebäude für die Eltern zu groß werden. «Dann kann es sich auszahlen, so zu bauen, dass eine Etage mit geringem Aufwand abgekoppelt und separat vermietet werden kann», sagt der Bauingenieur.

Einfamilienhäuser mit oder ohne Keller

«Das Dach und der Keller sind die teuersten Komponenten eines Hauses. Gemessen daran fällt ein Geschoss mehr oder weniger nicht so stark ins Gewicht», sagt Bauingenieur Klaus-Jürgen Edelhäuser. Ein Keller kann 15 bis 20 Prozent Mehrkosten im Vergleich zu einer einfachen Bodenplatte bedeuten, Bauherrenberater Andreas May nennt für das unterirdische Geschoss einen Preis von 60 000 bis 80 000 Euro.

Der Verzicht darauf ist also eine Überlegung wert. Zumal die Versorgungsanschlüsse eines Gebäudes, genauso wie Heizungskomponenten kleiner geworden sind und sich daher auch in den oberen Geschossen in einem Art Betriebsraum unterbringen lassen. Auf der Contra-Seite steht der Platz für Waschküche und Lagerflächen, der dann ebenfalls im Erd- oder ersten Geschoss geschaffen werden muss.

Teurere oder günstigere Ausstattung

Sparpotenzial sieht Klaus-Jürgen Edelhäuser in den Bereichen, die ohnehin einem gewissen Verschleiß unterliegen. Etwa bei den Bodenbelägen. «Auch beim Bad müssen es im Neubau nicht unbedingt teure Markenprodukte sein. Hier sind auch günstigere Lösungen gut und haltbar», sagt der Bauingenieur. Gegebenenfalls kann man beim späteren Renovieren hochwertigere Produkte verwenden.

Schwierig sei diese Spar-Strategie bei Elementen, an die man nicht mehr leicht herankommt, wenn sie einmal verbaut sind - wie zum Beispiel Kabel. «Hier sollte man sich direkt für hochwertige Lösungen entscheiden», rät Edelhäuser. «Das gilt erst recht bei allen sicherheitsrelevanten Bereichen und der Gebäudetechnik.»

© dpa-infocom, dpa:220427-99-65861/4


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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