Rassentauben oder Brieftauben züchten

13.10.2017
Taube ist nicht gleich Taube: Mehr als 350 Rassen gibt es in Deutschland. Entscheiden müssen sich Halter als erstes zwischen Rasse- oder Brieftaube. Für letztere ist eine penible Haltung besonders wichtig, damit die Tiere in Topform sind.
Grundsätzlich müssen sich Halter zwischen Brief- und Rassetauben - wie der Berliner Kurzen - entscheiden. Foto: Karolin Krämer/dpa-tmn
Grundsätzlich müssen sich Halter zwischen Brief- und Rassetauben - wie der Berliner Kurzen - entscheiden. Foto: Karolin Krämer/dpa-tmn

Nürtingen (dpa/tmn) - Es gibt wohl nur wenige Tiere, die so unterschiedlich wahrgenommen werden: Einerseits sind Tauben ein Symbol für den Frieden, andererseits haben sie - vor allem in Großstädten - ein schlechtes Image. Zu unrecht, wie Wilhelm Bauer aus Nürtingen findet.

Der Autor interessiert sich seit seiner Kindheit für die Vögel: «Mein Großvater hatte Tauben, und schon damals fand ich sie wunderschön. Man kann die Tiere in völliger Freiheit halten und trotzdem kommen sie zu einem zurück.»

Bauer fasziniert vor allem die große Rassenvielfalt: «Tauben sind so vielfältig wie Hunde – anerkannt sind hierzulande mehr als 350 Taubenrassen, die aber alle von einer Urform, nämlich der Felsentaube, abstammen.»

Wer sich Tauben anschaffen möchte, sollte sich zuerst überlegen, ob er Rassetauben oder Brieftauben halten möchte, sagt Christoph Schulte vom Verband Deutscher Brieftaubenzüchter in Essen. «Das ist ein großer Unterschied: Bei Brieftauben spielen Orientierungsfähigkeit und Schnelligkeit eine wichtige Rolle. Bei Rassetauben wird mehr auf das Erscheinungsbild geachtet.»

Auf jeden Fall sollte man Kontakt zu erfahrenen Taubenzüchtern suchen, die einen bei der Auswahl beraten, rät Schulte. «Bei Brieftaubenzüchtern ist es zudem üblich, dass sie Anfängern Tauben schenken.»

Die empfohlene Anzahl der Tauben und die Größe des Taubenschlags hängen von der Rasse ab, sagt Rolf Graf. Er ist Vorsitzender des Landesverbands der Rassegeflügelzüchter Berlin und Brandenburg. «Tauben hält man am besten paarweise. Was den Platz betrifft, gilt allgemein, dass für drei bis sechs Tauben – je nach Rassengröße – etwa ein Kubikmeter Raum je Paar vorhanden sein sollte.»

Bauer nennt ein weiteres Kriterium, das Taubenschläge erfüllen sollten: «Absolute Trockenheit im Schlaginnern ist sehr wichtig, damit die Tauben nicht so schnell krank werden.»

Die Inneneinrichtung sollte laut Graf neben Tränken, Futtergefäßen und Sitzgelegenheiten auch eine Nistzelle pro Taubenpaar enthalten. «Nach Möglichkeit sollte den Tauben Freiflug gewährt werden, eine große Voliere reicht bei Rassetauben aber aus – in dem Fall besteht auch nicht die Gefahr, dass ein Greifvogel sie angreift.»

Als Futter eignet sich eine Körnermischung. «Der Futterbedarf wechselt je nach Größe der Taubenrasse von 15 Gramm bis zu 50 Gramm pro Tag und Tier», sagt Bauer.

In der Regel füttern Züchter ihre Tiere morgens und abends, sagt Graf. «Am Abend sollte man sich etwas mehr Zeit nehmen, um zum Beispiel auch die Nester zu kontrollieren und frisches Wasser in die Tränken zu geben. Außerdem sollte der Taubenschlag etwa einmal pro Woche gereinigt werden.»

Bei Brieftauben sollten Halter den Schlag hingegen täglich reinigen, rät Schulte. «So vermeidet man Krankheiten – Brieftauben sind schließlich Leistungssportler und müssen absolut gesund sein, um einen langen Nonstop-Flug zu meistern.»

An Wettbewerben können Brieftauben von April bis September teilnehmen. «Hierfür müssen Besitzer Mitglied in einer Reisevereinigung sein», sagt Schulte. Nach einer einstimmenden Trainingsphase starten die Tiere Wettflüge, bei denen sie Distanzen von bis zu 650 Kilometern Luftlinie zurücklegen.

Literatur:

Wilhelm Bauer: Tauben. Eugen Ulmer Verlag, 95 Seiten, Euro 16,90, ISBN -13: 9783800179756


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Gefährlich sind Wildkatzen für den Menschen zwar nicht, allerdings lassen sie sich nicht wie Hauskatzen zähmen. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa-tmn Was Wildkatzen von Hauskatzen unterscheidet Bis zu 8000 Wildkatzen gibt es in Deutschland. Viele Menschen wissen das nicht und verwechseln die Tiere mit Hauskatzen. Wer sie versehentlich einsammelt, muss sie so schnell wie möglich zurückbringen. Tierheime sind aber nicht der richtige Ort.
Vor dem Stylen, kommt das Waschen: Das gilt auch für Pudel im Hundesalon. Foto: Judith Michaelis Schnauze mit Köpfchen - Ein Pudel braucht viel Pflege Der Pudel war lange Zeit verpönt. Er galt als Paradebeispiel für einen verwöhnten Schoßhund älterer Damen. Oder man denke an die singenden Jacob Sisters mit Pudel auf dem Arm. Doch das Bild ändert sich.
So wie Labrador-Mischling Kira suchen viele Hunde im Tierheim Berlin einen neuen Halter. Foto: Inga Kjer Adoptieren statt kaufen: Tieren ein neues Zuhause schenken Hunde, Katzen und Co. aus dem Tierheim haben oft einen schlechten Ruf. Viele potenzielle Tierhalter fürchten, sie seien «zweite Wahl»: gestört, krank, alt und gebrechlich. Doch tatsächlich finden sich dort echte Schätze.
Für die Bohrung und eine Erdwärmesonde zur Nutzung vom Geothermie in tieferen Schichten ist nicht viel Platz nötig. Foto: Bundesverband Wärmepumpe Heizen mit Geothermie: Wärme aus dem Erdreich Eine der wenigen Energieressourcen, die unbegrenzt zur Verfügung stehen, ist Wärme aus dem Erdinneren. Einfache Systeme, die sich sogar im Garten installieren lassen, können mit dieser Wärme die Heizung im Haus betreiben. Nur graben muss man dafür.