Pinsel tragen meistens Kunsthaar

04.11.2019
Wände zu streichen oder Möbel zu lackieren, macht nur bedingt Spaß. Gerade, wenn der Pinsel nicht gut arbeitet. Welche Eigenschaften braucht er?
Für Ecken und Kanten, wo eine feine Linie gezogen werden soll, verwendet man am besten Rund- beziehungsweise Ringpinsel. Foto: Caroline Seidel/dpa-tmn
Für Ecken und Kanten, wo eine feine Linie gezogen werden soll, verwendet man am besten Rund- beziehungsweise Ringpinsel. Foto: Caroline Seidel/dpa-tmn

Hamburg (dpa/tmn) - Wer streichen, lackieren oder lasieren möchte, findet im Baumarkt immer seltener Pinsel mit Naturborsten. Stattdessen gibt es zumindest im Heimwerker-Bedarf fast nur noch Kunstborsten und häufig auch das sogenannte «All-for-one»-System. Also der eine Pinsel, mit dem man alles bearbeiten kann.

«Die meisten Pinsel sind sowohl für wasserlösliche Acryllacke als auch für lösemittelhaltige Alkydharzlacke geeignet», erklärt Gereon Bründt, Redakteur der Zeitschrift «Selbst ist der Mann» in Köln. Das gilt auch für Lasuren und Dispersionsfarben. Das heißt: Wer etwas streichen möchte, muss seinen Pinsel fast nur nach dem Einsatzbereich und nach seiner Form und auswählen.

Auswahlkriterium: Kopf und Stiel

«Für Ecken und Kanten, wo eine feine Linie gezogen werden soll, verwendet man Rund- beziehungsweise Ringpinsel», sagt Bründt. Diese Malerpinsel besitzen einen runden Kopf sowie einen relativ langen, ebenfalls runden Stiel. Durch diese Form können sie leicht in der Hand gedreht werden, so dass ein sauberes Ergebnis auch im Detail entsteht.

Allerdings: «Der klassische Ringpinsel ist schlecht zu greifen. Besser in der Hand liegt das französische Modell mit dickerem Stiel», erklärt Bründt.

Einen breiten, flachen Kopf hat der Flachpinsel. Es gibt ihn in verschiedenen Stärken und Breiten - je nachdem, wie groß die zu streichende Fläche ist. Diesen Flachpinsel gibt es auch als abgeknickte Variante und mit längerem Stiel. Er eignet sich für entsprechend schwer zugängliche Stellen sowie zum Vorstreichen von Ecken und Kanten.

Sogenannte Flächenstreicher sind breiter und dicker als Flachpinsel. Sie kommen etwa für Fassaden, Fußböden und Wände zum Einsatz. Erkennen kann man sie auch am Eimerhaken, mit dem sie in der Streichpause aufgehängt werden können.

Auswahlkriterium: Borsten und Filamente

Entscheidend für die Qualität eines Pinsels sind seine Borsten. «Früher verwendete man Schweineborsten für lösemittelhaltige Farben. Heute werden sie durch Kunstborsten ergänzt oder ganz ersetzt», sagt Jan Bauer vom Bundesverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz.

Das hat zwei Gründe: Naturborsten schwanken zum einen in ihrer Güte, und ihre charakteristische Splissstruktur kann man inzwischen synthetisch nachempfinden - und das immer besser. Zum anderen haben die gängigsten Streichprodukte heute eine Wasserbasis (Acryl). Die aggressiveren, lösemittelhaltigen Alkydharzprodukte werden kaum noch Heimwerkern im Handel angeboten. Das führt dazu, dass auch kaum noch Naturborsten gekauft werden müssen.

Kunstborsten werden in der Fachsprache als Filamente bezeichnet. «Es gibt Hohlfilamente, deren Enden mit Messer oder Wasserstrahl geschlitzt werden, sowie Vollfilamente, deren Enden chemisch gespitzt werden und kleine Fähnchen erhalten», erklärt Bründt.

Der Vorteil von teureren Vollfilamenten: «Sie nehmen die Farbe gut auf und geben sie gleichmäßig ab. Vor allem verschlichten sie die Farbe besser und halten bei richtiger Pflege länger», sagt der Profi.

Es gibt aber auch noch Mischungen aus echten und künstlichen Borsten. Dazu sollte man für bestimmte Zwecke greifen: «Bei Lasurpinseln wird manchmal in die Mitte eine Naturborste gesetzt, die die Farbe gut aufnimmt», erläutert Bründt. «Außen wird dann ein feines Kunststofffilament verwendet, das die Farbe besser verstreicht.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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