Mieze und Bello sind out

30.01.2019
Ob auf dem Spielplatz ein Kind oder ein Hund gerufen wird, lässt sich häufig nicht unterscheiden. Die Hitlisten der Namen für Kinder und Tiere ähneln sich zunehmend. Was steckt dahinter?
Die Hitlisten der Namen für Kinder und Tiere ähneln sich zunehmend. Foto: Peter Steffen
Die Hitlisten der Namen für Kinder und Tiere ähneln sich zunehmend. Foto: Peter Steffen

Hannover (dpa) - «Das letzte Kind hat Fell» ist ein unter Tierärzten verbreiteter Spruch, das lässt sich auch an den populärsten Namen für Katzen und Hunde ablesen. «Mieze und Bello sind nicht angesagt», meldete das Haustier-Register Tasso vor kurzem.

Wieder einmal führt demnach bei den Hündinnen Luna die Namens-Hitliste 2018 an, gefolgt von Bella und Emma. Katzen wurden demnach am häufigsten Lilli/Lilly, Luna und Lucy genannt. Beliebte Tiernamen finden sich auch in den Top Ten der Mädchennamen.

Haustiere als Familienmitglied

Die innige Verbindung der Deutschen zu ihren Vierbeinern wurde erst kürzlich wissenschaftlich untersucht. Laut einer Befragung an der Kleintierklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Tiho) halten mehr als 90 Prozent ihren Hund oder ihre Katze für ein «vollwertiges Familienmitglied». Knapp die Hälfte bezeichnet das Tier sogar als «Kind-Ersatz».

«Die ursprünglichen Hauptfunktionen der Haustiere fallen weg», sagt Peter Kunzmann, Professor für Ethik in der Tiermedizin an der Tiho. So gehe es bei der Katze nicht mehr darum, Nager fernzuhalten. Hunde würden im Privaten auch nur noch selten zum Schutz von Haus und Hof eingesetzt.

Balu bis Bruno

Die beliebtesten Namen für Rüden unterscheiden sich deutlicher von den Top Ten der Jungennamen, denn hier steht Balu/Balou (der Bär aus dem Zeichentrickklassiker «Dschungelbuch») ganz oben, gefolgt von Buddy, also Kumpel, und Charlie/Charly. Aber auch die ebenso für Kinder tauglichen Bruno (Platz 6) und Max (Platz 10) tauchen auf. Bei den Katern hat Leo den langjährigen Spitzenreiter Felix verdrängt.

Das Register Tasso erfasst insgesamt 9,3 Millionen Heimtiere. Im vergangenen Jahr wurden 312.500 Katzen und 390.200 Hunde neu angemeldet. Der im hessischen Sulzbach ansässige Verein finanziert sich aus Spenden. Im Mittelpunkt stehe die Suche nach entlaufenen Tieren und ihre Rückvermittlung, sagt Sprecherin Laura Simon. Dass ihre Namensgebung der Mode unterliegt, beweist ein Blick in die Tasso-Listen aus der Zeit vor 1990. Beliebt bei den Hündinnen waren damals Susi, Lady, Anka, Trixi, Senta, Cindy, Cora, Tina, Asta und Jenny. Weibliche Katzen hießen oft Minka, Susi, Muschi, Mausi, Mohrle, Pussy, Tiger, Lisa, Micky oder Mieze.

Gut für den Zoohandel

Davon, dass der Hund und die Katze als Familienmitglieder aufgefasst werden, profitiert der Zoohandel. Ausstattung und Nahrung werden immer individueller, wie der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) berichtet. So könnten sich Tierhalter etwa das Futter online selbst zusammenstellen und auf das Etikett den Namen drucken lassen. Beliebt seien auch Zahnpflegesnacks für Hunde, Backmischungen für Hundekekse oder handgemachte Halsbänder.

Der Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld aus Ahrensburg bei Hamburg findet die Angleichung von Tier- und Kindernamen «faszinierend». Möglicherweise hätten sich die Vornamen für Mädchen und Jungen in den vergangenen Jahren den Tiernamen angepasst, meint er: «Kindernamen sind heute deutlich kürzer als früher und klingen immer lalliger.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Immer mehr Haustierbesitzer lassen ihre Tiere nach dem Tod einäschern und nehmen sie mit nach Hause. In einer klassischen Urne, im Bilderrahmen oder im Schmuckmedaillon. Foto: Harald Tittel Immer mehr Tierbesitzer lassen Hunde und Katzen einäschern Nach dem Tod ihres Haustieres entscheiden sich Tierbesitzer immer öfter für eine Einäscherung. Die Asche nehmen sie mit nach Hause. In klassischer Urne, aber auch im Bilderrahmen oder im Schmuckmedaillon.
Bundesweit gibt es etwa 150 Tierfriedhöfe und 32 Tierkrematorien. Foto: Britta Pedersen Die Liebe zum Haustier reicht bis in den Tod «Haustiere sind zur Kernfamilie geworden - sie gehören dazu wie zwei Kinder und das Reihenhaus», sagt der Biologe und Ethiker Dirk Preuß. Wegen der lebenslangen engen Bindung wünschen sich viele Tierbesitzer einen würdevollen Abschied und eine Bestattung.
Wenn Tiere nicht mehr wie Tiere behandelt werden, wird es kritisch. Foto: Jacek Bednarczyk/PAP/dpa Die dunklen Seiten der Tierliebe Die einen erklären jeden kleinen Igel zum Pflegefall, die anderen erwarten von ihrem Stubentiger stete Schmusebereitschaft oder verwandeln ihrem Hund in ein strassbesetztes Accessoire. Tierliebe hat auch dunkle Seiten.
Auch nach einem harten Winter kann es zu einer Mücken-Plage kommen. Entscheidend sind die Witterungsverhältnisse im Frühling. Foto: Felix Kästle Mücken warten auf mildes und feuchtes Wetter Der Frühling lässt auf sich warten, doch die Mücken sitzen bereits in den Startlöchern. Daran ändert auch der kalte Spät-Winter nichts. Entscheidend wird in den nächsten Wochen sein, wie nass und warm es bei uns ist.