Käufe von Eigenheimen erreichen Rekord

28.08.2019
Das Baukindergeld soll den Wohnungs- und Hausbau fördern. Doch viele nutzen die Förderung nur zum Kauf von bestehenden Eigenheimen. Vor allem in Städten wird nur wenig gebaut.
Die Bundesbürger haben 2018 so viele Ein- und Zweifamilienhäuser erworben wie nie zuvor. Oft wurde dafür das Baukindergeld in Anspruch genommen. Foto: Oliver Berg
Die Bundesbürger haben 2018 so viele Ein- und Zweifamilienhäuser erworben wie nie zuvor. Oft wurde dafür das Baukindergeld in Anspruch genommen. Foto: Oliver Berg

Frankfurt/Main (dpa) - Die Bundesbürger haben 2018 auch wegen des Baukindergeldes so viele Ein- und Zweifamilienhäuser gekauft wie noch nie. Gerade im Umland von Großstädten griffen Immobilieninteressenten zu, zeigt eine Analyse des Hamburger Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung (GEWOS).

Nach leichten Rückgängen in den Vorjahren stieg die Zahl der Abschlüsse um 2,1 Prozent auf den Rekord von 248.500. Die Forscher stützen sich bei ihrer Auswertung auf tatsächliche Kauf-Abschlüsse.

Baukindergeld zeigt Wirkung

«Das im vergangenen Jahr eingeführte Baukindergeld hat zu einem zusätzlichen Run auf Eigenheime geführt», erklärte GEWOS-Experte Sebastian Wunsch. Der Umsatz mit Ein- und Zweifamilienhäusern sprang laut der Angaben binnen Jahresfrist um fast zehn Prozent auf 66,3 Milliarden Euro hoch, es war der siebte Höchststand in Folge. Dafür waren aber vor allem Eigentümerwechsel von Bestandsgebäuden verantwortlich. Bei Eigentumswohnungen zeige der Trend weiter abwärts - der Markt gerade in großen Städten sei leer gefegt.

Beim Baukindergeld der Bundesregierung gibt es über einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt 12.000 Euro pro Kind für den Kauf oder Bau einer Immobilie. Politisches Ziel der im Herbst 2018 eingeführten Förderung ist es, Alleinerziehenden und Familien in Zeiten stark steigender Immobilienpreise zu unterstützen. «Gerade im zweiten Halbjahr haben wir einen Ansturm auf Eigenheime gesehen», sagte Wunsch. Das Baukindergeld habe bei vielen Käufen eine Rolle gespielt.

Auch Banken hatten von einer hohen Nachfrage nach der Förderung berichtet, die nicht unumstritten ist. Kritiker bemängeln, sie sorge nur für Mitnahmeeffekte, schaffe aber keine neuen Wohnungen.

Umland der großen Städte besonders begehrt

Im Schnitt wechselten laut GEWOS Eigenheime zum Preis von 267.000 Euro den Besitzer, ein Plus von 7,5 Prozent. Immobilieninteressenten griffen vor allem im Umland großer Städte zu: Im Kreis Pinneberg bei Hamburg etwa kletterte die Zahl der Haus-Käufe 2018 um fast ein Viertel (23,6 Prozent) und im Main-Kinzig-Kreis bei Frankfurt um knapp ein Fünftel (19 Prozent). Auch um Köln, Düsseldorf, Hannover schlugen Käufer zu. In den Metropolen sanken die Zahlen mit Ausnahme von Hamburg dagegen - vor allem in Frankfurt und Stuttgart. «Die Umlandkreise der großen Städte gehören traditionell zu den umsatzstärksten regionalen Eigenheimmärkten», sagte Wunsch.

Während die Nachfrage nach Häusern ungebrochen war, gingen die Käufe von Eigentumswohnungen 2018 zurück - wenn auch weniger stark als in den Vorjahren. Die Transaktionen sanken um 0,8 Prozent auf 313.000. Zugleich kletterten die Preis um 5,6 Prozent auf im Schnitt 210.500 Euro. Gerade in den Großstädten fänden Interessenten kaum Wohnungen, da auch der Neubau nur schleppen voran komme, sagte Wunsch.

Unterm Strich sank die Zahl der Käufe in den zehn größten deutschen Städten deutlich um 6,0 Prozent, wobei Berlin mit einem Minus von 11,7 Prozent herausragte. Die Zahl der Wohnungsinserate auf Immobilienplattformen gehe bei hoher Nachfrage sukzessive zurück, sagte Wunsch. «Der Markt scheint nun vollends leer gefegt zu sein.»

Mitteilung GEWOS


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Das Baukindergeld ist ein staatlicher Zuschuss zum Eigenheim. Foto: Armin Weigel/Symbolbild Lohnt das Baukindergeld? Vor Jahren wurde die Eigenheimzulage abgeschafft - mit dem Baukindergeld nimmt die Bundesregierung jetzt einen neuen Anlauf, Familien den Weg in die eigenen vier Wände zu ebnen. Wie soll es in der Praxis funktionieren?
Das Baukindergeld läuft aus. Die Baugenehmigung oder der unterschriebene Kaufvertrag müssen deshalb spätestens am 31. Dezember 2020 vorliegen, um Berücksichtigung zu finden. Foto: Bernd Wüstneck Baukindergeld läuft Ende 2020 aus Den Antrag auf Baukindergeld sollten Eltern, die ein Eigenheim bauen oder kaufen, nicht mehr lange aufschieben. Denn viel Zeit bleibt nicht mehr, um von dem Fördergeld zu profitieren. Voraussichtlich wird es schon Ende des nächsten Jahres wieder abgeschafft.
Familien können ab jetzt Baukindergeld beantragen. Den Zuschuss gibt es für Verträge oder Baugenehmigungen, die bis Ende 2020 abgeschlossen werden. Foto: Sina Schuldt So stellen Familien einen Antrag auf Baukindergeld Es ist umstritten, für viele Familien aber ein Segen: Um sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen zu können, kann seit dem 18. September das Baukindergeld beantragt werden. Die staatliche KfW-Förderbank verzeichnet bereits eine große Nachfrage.
Egal ob Neubau oder Sanierung: Der Staat fördert Immobilieneigentümer mit zahlreichen Porgrammen. Foto: Hauke-Christian Dittrich Welche Förderung gibt es 2019 für Hausbau und Sanierung? Immobilienbesitzer haben viele Möglichkeiten, ihr Haus mit Geld aus der Staatskasse auf Vordermann zu bringen. Auch wer Wohneigentum bauen oder kaufen will, bekommt 2019 wieder Zuschüsse.