Höhe der Nebenkosten hängt vom Wohnort ab: NRW am teuersten

21.09.2021
Wie viel die Bürgerinnen und Bürger für Abfall, Abwasser und Grundsteuer zahlen müssen, ist Sache der Kommunen. Einer neuen Studie zufolge sind die Gebühren regional sehr unterschiedlich. Allerdings gibt es Kritik an dem Städtevergleich.
Gebühren für Abwasser, Müll sowie die Höhe der Grundsteuer variieren in Deutschland stark zwischen den einzelnen Kommunen. Zu diesem Ergebnis kommt nun eine Studie. Foto: picture alliance / Armin Weigel/dpa/Archivbild
Gebühren für Abwasser, Müll sowie die Höhe der Grundsteuer variieren in Deutschland stark zwischen den einzelnen Kommunen. Zu diesem Ergebnis kommt nun eine Studie. Foto: picture alliance / Armin Weigel/dpa/Archivbild

Berlin (dpa) - Wie hoch die finanzielle Belastung der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland durch Wohnnebenkosten ist, hängt einer neuen Untersuchung zufolge stark vom Wohnort ab.

Wer etwa in Leverkusen wohnt, muss besonders viel zahlen: Rund 2046 Euro fallen in der rheinländischen Stadt pro Jahr an Gebühren für die Abfall- und Abwasserentsorgung sowie Grundsteuern an, wie das Forschungsunternehmen IW Consult im Auftrag des Eigentümerverbands Haus und Grund ausgerechnet hat. Nirgendwo in Deutschland sind demnach diese Wohnnebenkosten so hoch wie dort.

Regensburg in Bayern hingegen führt die Liste der günstigsten Orte an: 915 Euro und damit mehr als die Hälfte weniger zahlten die Menschen dort im Schnitt pro Jahr, heißt es in der Untersuchung. Auffällig: Acht der zehn teuersten Kommunen liegen demnach in Nordrhein-Westfalen. Die zehn günstigsten Orte teilen Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen unter sich auf.

Interesse und gutes Wirtschaften

«Unser Eindruck besteht durchaus, dass gerade die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg gut wirtschaften, dass sie mit Augenmaß die Gebühren setzen, dass sie in engem Kontakt mit den Bürgern stehen und ein Interesse daran haben, dass eine hohe Bürgerzufriedenheit herrscht», sagte Studienleiter Hanno Kempermann in Berlin.

Strukturelle oder geografische Gründe für die hohen Unterschiede ließen sich hingegen nicht feststellen, betonte er. Auch die Größe der Stadt oder die Einwohnerdichte böten keinen Maßstab für die Höhe der Nebenkosten. Eine Ausnahme bilde das Ruhrgebiet. Hier hätten Kommunen aufgrund eines Notstandshaushalts oft gar keine andere Wahl, als Gebühren zu erhöhen, betonte Kempermann.

Symbolisches Musterhaus

Grundlage für die Berechnung war ein symbolisches alleinstehendes Musterhaus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche und vier Bewohnerinnen und Bewohnern - eine übliche Vergleichsgröße, die jedoch in Großstädten nicht immer dem durchschnittlichen Haushaltstyp entspricht.

Die Gebühren und Beiträge für die Abwasser- und Müllentsorgung in den 100 größten Städten in Deutschland wurden auf Basis der öffentlich einsehbaren Gebührenordnungen der jeweiligen Kommunen erhoben. Wo bestimmte Leistungen nicht angeboten wurden, setzten die Autorinnen und Autoren hypothetische Gebühren an.

Kritik an Kostenvergleich

Kritik an den Zahlen kam unter anderem vom Verband kommunaler Unternehmen. «Wer Entgelte vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen», teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. «Die Höhe der Entgelte für Abwasser und Abfall ist von Region zu Region verschieden, weil sie unterschiedliche Leistungen, Standorte, Rahmenbedingungen vor Ort berücksichtigen.»

So böten etwa beim Abfall einige Kommunen eine kostenlose oder günstige Sperrmüll-Abholung an. Diese Leistungen seien dann in den Gebühren eingepreist. «Auch die Dichte und Anzahl der Wertstoffhöfe spielt eine Rolle.» Die Infrastrukturen für Abwasser wiederum seien «Maßanfertigungen für Generationen. Daher funktionieren einfache Vergleiche nicht und können keine Transparenz für Verbraucher schaffen».

Haus-und-Grund-Präsident Kai Warnecke weist solche Kritik indes zurück. «Die Ausreden sind bunt, aber sie sind in den vergangenen Jahren nie stichhaltig gewesen», sagte er am Dienstag. Regensburg etwa habe bei der Abwasserentsorgung sicherlich mehr Steigungen zu überwinden als Potsdam. Trotzdem seien die Gebühren dort deutlich niedriger.

© dpa-infocom, dpa:210921-99-300424/3

Studie


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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