Heimtiere in der Krise stark gefragt

15.06.2020
Abstand halten und möglichst wenig Kontakt mit anderen Menschen: In der Corona-Pandemie kann man sich schnell einsam fühlen. Ein Haustier kann da Abhilfe schaffen. Tierheime raten von einem impulsiven Kauf allerdings ab.
Viele Tierheime in Deutschland beobachten in der Corona-Krise eine erhöhte Nachfrage nach Haustieren. Foto: Andreas Arnold/dpa
Viele Tierheime in Deutschland beobachten in der Corona-Krise eine erhöhte Nachfrage nach Haustieren. Foto: Andreas Arnold/dpa

Berlin (dpa) - Die Corona-Krise hat den Menschen bisher einiges abverlangt. Viele sahen sich mit plötzlicher Isolation zu Beginn der Pandemie oder finanzieller Unsicherheit durch Kurzarbeit konfrontiert. In solchen Situationen können Haustiere helfen.

«Unsere Tiere fühlen mit uns, leisten uns Gesellschaft, lenken uns ab und spenden Trost», sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Das führt auch zu einer höheren Nachfrage in einigen deutschen Tierheimen.

500 Anfragen bei Berliner Tierheim

Das Heim in Berlin bekam an einem Wochenende beispielsweise 500 E-Mails. «Das ist vorher noch nie passiert», sagt die Sprecherin des Tierheims, Annette Rost. In Köln ist ebenfalls eine gestiegene Nachfrage zu beobachten. «Bei Kaninchen zum Beispiel war es so, dass viele Menschen durch Corona Zeit hatten, endlich das schon lange geplante Gehege im Garten zu bauen und Tiere dann aufzunehmen», erklärt die erste Vorsitzende des örtlichen Tierschutzvereins, Anne Kolditz.

Momentan sei dem Tierheim in Stuttgart zufolge die Zeit gut, um beispielsweise einen Hund an ein neues Zuhause zu gewöhnen. Man schaue aber auch, wie es für die Zeit nach Corona aussieht. Kann ein Interessent etwa auch für das Tier gut sorgen, wenn er wieder Vollzeit arbeitet? «Wenn das nicht plausibel beantwortet werden kann, sagen wir ab», sagt Petra Veiel, Sprecherin des Heims.

Das Berliner Tierheim berichtet, dass zu Beginn der Krise viele Menschen Tiere für eine zeitweise Unterbringung gesucht hätten. Diese Anfragen mussten sie aber absagen, da das für die Tiere traumatisch sei. Das Tier hätte sich gerade an die neue Umgebung gewöhnt und würde dann wieder aus dieser Welt rausgerissen werden. Ziel sei es laut dem Deutschen Tierschutzbund deshalb, die Tiere langfristig zu vermitteln. «Eine Rückkehr ins Tierheim nach nur kurzer Zeit wäre für das Tier purer Stress oder sogar traumatisierend.»

Mehr Abgaben durch illegalen Welpenhandel befürchtet

Seit Ausbruch der Pandemie gab es beim Stuttgarter Tierheim keine Welle an Abgaben. Das könnte sich nach der Krise aber ändern: Wenn die Menschen wieder mehr arbeiten, hätten sie auch weniger Zeit, sich um ihre Tiere zu kümmern, bemerkt Veiel.

Im Berliner Tierheim würden zurzeit weniger Tiere abgegeben. Das führt laut Rost zu einem Problem: Weil die Nachfrage so hoch sei, könnte nicht für jeden das passende Tier gefunden werden. Das könne den Handel mit illegalen Welpen befeuern. Diese Tiere würden oftmals nur kurz bei den Besitzern bleiben, da sie schnell krank werden und sich so hohe Arztkosten ansammeln. «Wir rechnen dann mit einer Welle von Tierabgaben.» Die Welpen hätten oftmals multiple Krankheiten, außerdem würden sie früh von ihrer Mutter getrennt und dadurch traumatisiert.

Die Corona-Krise hat in den Tierheimen zu neuen Überlegungen geführt. Um das Ansteckungsrisiko zu verringern, können Tiere nur noch mit einem Termin angeschaut und mitgenommen werden. Jetzt sei es für Hund, Katze und Co. wegen den wegbleibenden Besuchern viel ruhiger, sagt Rost. «Wir stellen bei den Tieren fest, dass sie deutlich entspannter sind.» Man überlege deshalb in Berlin, die Öffnungszeiten nach der Krise anzupassen und verstärkt die Terminvergabe zu nutzen. Ähnliche Überlegungen gibt es auch in Stuttgart. Viele könnten sich zudem vorstellen, dass das Heim mehr Telefonberatungen anbietet. So könne bereits im Vorfeld ein passendes Tier vermittelt werden.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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