Haustier im Bett: Wenn der Hund nicht ins Körbchen will

26.02.2016
Manche finden schon die Vorstellung abstoßend, andere fühlen sich wohl dabei: Wenn das Haustier im Bett schläft, sorgt das für Diskussionsstoff. Was sind die Voraussetzungen? Und wie bekommt man das Bett-verwöhnte Tier wieder ins Körbchen?
Schläft der Hund immer mit seinem Herrchen im Bett, kann das zu Rangproblemen führen. Foto: Monique Wüstenhagen
Schläft der Hund immer mit seinem Herrchen im Bett, kann das zu Rangproblemen führen. Foto: Monique Wüstenhagen

Pinneberg (dpa/tmn) - Es fängt ganz harmlos an: Der neue Welpe ist jedermanns Liebling, wird von allen Familienmitgliedern geknuddelt und ist schnell als vollwertiges Mitglied anerkannt. Gerne werden süße Tiere auch mit ins Bett genommen.

Aber das wird mit der Zeit oft nicht nur lästig - sondern entwickelt sich mitunter zum echten Problem. Deshalb beugen Halter dem am besten schon früh vor. «Für ein Tier ist es katastrophal, wenn der Mensch auf einmal sagt: «Du darfst hier jetzt nicht mehr schlafen»», sagt Pasquale Piturru, Fachtierarzt für Kleintiere und Verhaltenskunde.

Oft passiere das, wenn Tiere mit zunehmendem Alter anfangen zu schnarchen oder nicht mehr so gut riechen. Bevor Besitzer ihren Liebling nach Jahren gemeinsamer Nächte aus dem Schlafzimmer verbannen, sollten sie lieber von Anfang an einen anderen Ruheplatz suchen. Für Hunde empfiehlt Piturru eine Decke oder ein Körbchen außerhalb des Schlafzimmers, wo sich das Tier wohl und sicher fühlt.

Denn wenn der Vierbeiner einmal an Nächte im Schlafzimmer gewöhnt ist, kann die Entwöhnung zur Strapaze werden. Dazu gehört für Besitzer etwa, nächtelanges Gewinsel auszuhalten. «Ich muss die neue Stelle schön machen, damit der Hund dort gerne hingeht», sagt der Tierarzt. Auch seine Kollegin Pascale Huber setzt auf positive Verstärkung, zum Beispiel mit Leckerli. «Das funktioniert bei Hunden sehr gut.» Außerdem müssen Besitzer Konsequenz zeigen, wenn das Tier seinen Platz im Bett zurückerobern will.

Wer sich dieser Probleme bewusst ist und sein Haustier trotzdem ins Schlafzimmer holen will, muss einiges beachten. «Voraussetzung ist die regelmäßige vierteljährliche Entwurmung und dass das Tier frei von Ektoparasiten wie Zecken oder Flöhen ist», sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Denn die sind nicht nur unangenehm, sondern können auch Krankheiten wie Borreliose übertragen. Und: «Nicht nur Parasiten, sondern auch bakterielle Erkrankungen können zwischen Tier und Mensch übertragen werden», warnt Tierarzt Piturru.

Darüber hinaus ist insgesamt mehr Hygiene nötig als bei tierfreien Schlafzimmern. «Tiere verlieren relativ viele Haare und bringen den Dreck von Freigängen mit ins Bett», sagt Pascale Huber. Deshalb muss zum Beispiel die Bettwäsche öfter gewechselt werden. Hilfreich ist eine eigene Decke für Hund oder Katze, die nicht zu nah am Gesicht des Menschen liegen sollte. Allergiker oder Asthmatiker sollten prinzipiell von tierischen Bettnachbarn absehen.

Im Kinderbett haben Tiere generell nichts verloren, sagt Lea Schmitz. Die Verletzungsgefahr sei gerade für Kleinkinder zu groß. Im Kinderzimmer sollten die Tiere nur unter Aufsicht sein. Bei Katzen hilft ein Gitterschutz, um zu verhindern, dass sie nachts ins Bett springen. Übrigens: Kleintiere wie Hamster oder Meerschweinchen gehören grundsätzlich nicht ins Bett - zu schnell sind die zierlichen Körper zerdrückt.

Der gemeinsame Schlafplatz hat aber auch Einfluss auf die Mensch-Tier-Beziehung. Der kann zunächst positiv sein: «Katzen lieben es für gewöhnlich, im Bett ihres Halters zu schlafen», sagt Schmitz. Im Normalfall stärkt das die Beziehung. Auch Hunde wollen nachts gerne bei ihrer sozialen Gruppe sein. Das kann aber - je nach Hund - zu Verhaltensproblemen führen. «Das Tier akzeptiert uns dann eventuell nicht mehr als Orientierungsperson», erklärt Piturru.

Wenn der Hund immer im selben Bett schläft, gibt es eventuell Rangprobleme. Das gilt auch für Kinder, von denen der Hund später einmal Kommandos befolgen soll. Hütehunde entwickeln ob des gemeinsamen Schlafplatzes außerdem schnell einen übermäßigen Beschützerinstinkt, warnt Huber. Das kann im Alltag zu unerwarteten Aggressionen gegenüber Fremden führen. Auch Aggressionen gegen andere Personen im Bett, etwa dem Partner des Besitzers, sind möglich. In harmlosen Fällen wird dieser nur von der Matratze gedrängt. Im schlimmsten Fall lässt der Hund den Partner gar nicht mehr ins Bett.

Schließlich leidet unter Umständen auch Herrchens oder Frauchens Schlafqualität. Denn Katzen und Hunde haben andere Schlafgewohnheiten als Menschen. Wenn sie immer wieder aufwachen und umherlaufen, stört das die Nachtruhe des Menschen. Damit die Tiere sich nachts frei bewegen können, sollte auf jeden Fall die Schlafzimmertür geöffnet bleiben. Oder man richtet einen Ruheplatz außerhalb des Zimmers ein, bei dem Tier und Mensch sich zwar nahe sind - sich aber beim Schlafen nicht in die Quere kommen.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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