Haushalte in Städten liegen bei Energiewendetechnik hinten

22.08.2018
Ländliche Gebiete liegen vorn: Dort setzen mehr Privatleute auf Photovoltaik, Solarthermie und Co. als in den Städten. Generell ist einer Studie zufolge bei der Nutzung von Energiewendetechnologien noch Luft nach oben.
In ländlichen Wohngebieten setzen 33 Prozent der Privathaushalte auf eine alternative Energieversorgung. Besonders verbreitet ist die Solarthermie. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
In ländlichen Wohngebieten setzen 33 Prozent der Privathaushalte auf eine alternative Energieversorgung. Besonders verbreitet ist die Solarthermie. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Frankfurt/Main (dpa) - Die große Mehrheit der Bundesbürger steht hinter der Energiewende. Bei der konkreten Umsetzung hapert es einer Studie zufolge bislang allerdings - vor allem in größeren Städten.

In urbanen Gebieten setzen nur 15 Prozent der Privathaushalte auf mindestens eine Energiewende-Technologie, wie Photovoltaik, Solarthermie oder Wärmepumpen. Auf dem Land und in Kleinstädten sind es hingegen 33 Prozent, wie aus einer Befragung im Auftrag der staatlichen Förderbank KfW hervorgeht.

Insgesamt befürworten mehr als 90 Prozent der Haushalte in Deutschland die Energiewende. Eine breite Mehrheit (92 Prozent) achtet bewusst darauf, Energie zu sparen.

Auf Sonne zur Warmwasserbereitung, Wärmepumpen, Photovoltaik und Co. setzen der Befragung zufolge bundesweit insgesamt 23 Prozent der Haushalte. «Angesichts der nahezu unvermindert hohen CO2-Emissionen im Haushaltsbereich reichen diese Anstrengungen jedoch noch nicht aus, um die Klimaziele der Bundesregierung und die des Pariser Abkommens zu erreichen», mahnte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Vor allem Photovoltaik und Solarthermie werden den Angaben zufolge auf dem Land deutlich häufiger genutzt als in der Stadt. Elektroautos seien die einzige Technologie, die in Ballungszentren stärker verbreitet sei, als auf dem Land, heißt es in der Studie. Einige Technologie ließen sich nicht überall sinnvoll einsetzen, sagte Zeuner. «Wir sollten diskutierten, was man in den Städten machen kann.»

Eine Rolle für das Stadt-Land-Gefälle könnten der Studie zufolge unter anderem Unterschiede bei den nutzbaren Flächen für Solarenergie spielen. Zudem werde in ländlichen Regionen häufiger als Argument für den Einsatz der Technologien die Unabhängigkeit von konventioneller, zentraler Energieversorgung genannt. Befragt wurden insgesamt 3700 Haushalte.

Große Unterschiede gibt es den Angaben zufolge auch zwischen Eigentümern und Mietern. Haushalte, die ihr Wohneigentum selbst nutzen, sind mit 33 Prozent mehr als doppelt so häufig mit Energiewendetechnologien ausgestattet wie diejenigen, die zur Miete wohnen (14 Prozent). Auch das Haushaltseinkommen spielt teilweise eine Rolle.

Am häufigsten gaben Haushalte in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen an, über eine der untersuchten Technologien zu verfügen. Als Gründe nannten die Autoren unterschiedliche Standortqualitäten für Sonnenenergie und Haushaltseinkommen oberhalb des Bundesschnitts.

Am stärksten verbreitet ist Solarthermie: Rund 10 Prozent der Haushalte nutzen Sonnenenergie zur Warmwasserbereitung. Photovoltaik-Anlagen und Wärmepumpen kommen auf jeweils etwa 8 Prozent. Seltener setzen die Bundesbürger bislang auf finanzielle Beteiligungen an Erneuerbare Energien-Anlagen, Batteriespeicher, Elektroautos sowie Kraft-Wärme-Koppelung.

Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, dass bis 2030 mindestens 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen soll. Das letzte Atomkraftwerk soll in Deutschland 2022 vom Netz gehen. Derzeit berät eine Kommission über den Kohleausstieg.

KfW-Energiewendebarometer


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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