Goldene Wasserhähne und schwarze Brausen

22.04.2019
Goldene Wasserhähne gelten als Symbol für Prunk und Protz. Und doch bieten Hersteller sie vermehrt an. Ihre Idee: Mal was anderes anbieten als die silberfarbenen verchromten Armaturen. Und wenn es nicht gleich Gold sein soll, gibt es ja noch schwarze Alternativen.
Goldene Armaturen sind rein optisch betrachtet ein toller Kontrast zur weißen Keramik. Hier ein Beispiel von Vitra von der Sanitärmesse ISH in Frankfurt im März. Foto: Andrea Warnecke
Goldene Armaturen sind rein optisch betrachtet ein toller Kontrast zur weißen Keramik. Hier ein Beispiel von Vitra von der Sanitärmesse ISH in Frankfurt im März. Foto: Andrea Warnecke

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Goldene Wasserhähne im Badezimmer! Das war vielen bislang ein Aufschrei wert - da so Menschen ihren Reichtum zur Schau stellen. Ausgerechnet goldene Wasserhähne haben nun immer häufiger Badausrüster auch für den Geldbeutel von Durchschnittsverdienern im Angebot.

Klar, nichts ist hier aus purem Gold. Diese Wasserhähne sind nur goldfarben. Manche haben auch andere Metallfarben, etwa Rosegold, Bronze und Metallgrau. Die Hersteller wollen so die Farbpalette der Produkte erweitern - neben den allseits verbreiteten silberfarbenen Wasserhähnen und Duschköpfen. So bieten sie auch eine Vielzahl an tiefschwarzen oder weißen Neuheiten an, ungewöhnlich sind darunter die matten Alternativen. Auch erste rote, grüne und blaue Armaturen gibt es - als Akzente für ein bunteres Badezimmer.

Renovierte Bäder nur alle 20 Jahre

Fliesentrends ändern sich ja gerne mal. Doch dass Armaturen neue Farben bekommen, ist vielleicht die größte Veränderung in Badezimmern seit langer Zeit. Denn bisher beschränkten sich die Änderungen hier auf die Form sowie die Technologie in den Hähnen, Duschköpfen und Schläuchen. Denn Badezimmer werden nicht so oft erneuert. Nicht renovierte Badezimmer sind nach Branchenangaben im Schnitt 20 Jahre alt. Farbige und schwarze Varianten sind hier also etwas ganz Neues.

Dabei lassen sich Armaturen leichter, schneller und kostengünstiger austauschen als Sanitäranlagen und Fliesen. Und schon kleine Änderungen an Amaturen können bestimmen, ob das Bad verspielt oder elegant-puristisch wirkt.

Die neuen Armaturen sind Begleiter der neuen farbigen Keramiken. Diese wurden zuletzt bei der Weltleitmesse für Sanitäranlagen, der ISH in Frankfurt im März, in einer großen Vielzahl präsentiert. Das ewige Weiß der Waschtische, Badewannen und sogar WCs wird zunehmend ersetzt - etwa durch graue und schwarze Wannen, Becken und Schüsseln.

Alle Details müssen stimmen

Aber auch erste Farbtupfer zwischen den Nichtfarben Schwarz, Weiß und Grau gab es zu sehen. Allen voran bei Villeroy & Boch mit dem Badkonzept «His & Hers» von Gesa Hansen: Sie verwendet starke Grün- und dunkle Rottöne. Die Armaturen dazu sind golden oder schwarz.

Heute werden Einrichtungen anders gedacht: Alle Details müssen stimmen und eine optische Einheit ergeben. Laut Frank Richter, CEO von Duravit, sollen nicht nur die Armaturen eine neue Farbe erhalten: Auch der Stöpsel im Waschbecken sowie der Stiel zum Herausziehen des Stöpsels hinten am Wasserhahn sollten entsprechend gefärbt sein. Bestenfalls sind der Siphon und die Profile am Spiegel farblich darauf abgestimmt. Alle Details zusammen erzielen erst eine Wirkung von Wohnlichkeit, erklärt der CEO von Duravit.

Goldene Armaturen ergänzen Holzmöbel

Goldfarbene Elemente im Bad gehören im weitesten Sinne zu einer braunen Farbwelt, die durchaus beliebt ist, erklärt der Trendforscher Frank A. Reinhardt. Will heißen: Wer auf Holzmöbel und braune Accessoires setzt, findet mit goldenen Armaturen eine gute Ergänzung.

Alternativ bilden die goldenen Elemente zu schwarzen, grauen und weißen Keramiken kontrastreiche Akzente. Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft, zieht einen Vergleich mit der Mode: Accessoires in Gold wirken besonders wertvoll oder auffällig. «Und genauso ist es im Bad: Ich kann damit einen Hingucker schaffen.» Sein Tipp: Weniger opulent wirken mattgoldene Wasserhähne. «Es muss ja nicht immer hochglänzend sein.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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