Falsche Immobilienanzeigen lassen sich erkennen

19.07.2021
Nicht alle Inserate in Immobilienportalen sind echt, hinter einigen der dort angepriesenen Objekte stecken Kriminelle. Was die Täter wollen, welche Betrugsmaschen es gibt - und wie Wohnungssuchende sich wappnen können.
Manche Immobilienanzeige im Internet liest sich zu gut. Hinter solchen Angeboten können Betrüger stecken. Foto: dpa-infografik GmbH/dpa-tmn
Manche Immobilienanzeige im Internet liest sich zu gut. Hinter solchen Angeboten können Betrüger stecken. Foto: dpa-infografik GmbH/dpa-tmn

Hannover (dpa/tmn) - Auf der Suche nach einer neuen Wohnung oder nach einem Haus? Wer auf diese Frage mit «Ja» antwortet, hat mit Sicherheit auch im Internet auf den entsprechenden Portalen nach passenden Angeboten gesucht. Was viele nicht wissen: Nicht immer sind die Inserate seriös.

Mit falschen Anzeigen versuchen Betrüger immer wieder, Wohnungssuchende entweder um ihr Geld zu bringen oder an deren Daten zu kommen. Doch wie erkennt man solche Fake-Anzeigen?

«Eine gesunde Portion Skepsis bringt oft schon weiter», sagt Rudolf Koch vom Immobilienverband Deutschland IVD. Denn eine laut Bildern im Portal traumhaft aussehende Wohnung in Toplage zu einem sagenhaft günstigen Preis «klingt nach einem schönen Märchen, aber mehr nicht.»

«Wenn der vermeintliche Eigentümer der Immobilie dann noch vor einer Besichtigung um Vorkasse bittet, sollten bei Wohnungssuchenden alle Alarmglocken schrillen», erklärt Koch.

Masche ist immer ähnlich

Sein Anliegen begründe der angebliche Besitzer oft so: Er halte sich derzeit im Ausland auf und könne nicht zur Besichtigung kommen. Er würde den Schlüssel für die Besichtigung per Post schicken oder durch einen Mittler übergeben.

Er wolle aber dafür eine Kaution und bitte um Überweisung einer Summe von zum Beispiel 300 Euro. «Nur: Wenn das Geld überwiesen ist, kommt der zugesagte Wohnungsschlüssel nicht», so Koch. Und der vermeintliche Eigentümer ist nicht mehr zu erreichen.

Eine Variante dieser Betrugsmasche: Das Geld ist überwiesen, ein Schlüssel kommt bei Wohnungssuchenden auch an. Doch der Schlüssel passt nicht in das Türschloss der Immobilie - «wenn es denn diese Immobilie tatsächlich gibt», wie es vom Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen in Hannover heißt.

Was laut LKA ebenfalls vorkommt: Eine vorherige Wohnungsbesichtigung gibt es nicht, die Täter bieten die Immobilie direkt zur Miete an. Wer einwilligt, muss drei Monatsmieten Kaution plus Ablöse im Voraus überweisen. Allerdings: Sobald das Geld überwiesen ist, ist der vermeintliche Vermieter nicht mehr erreichbar und die angemietete Immobilie entpuppt sich als Fake.

Kopie des Personalausweises

Nicht zuletzt in Gegenden, in denen die Wohnungsnot besonders groß ist, geben sich dem LKA zufolge Täter oft auch als Makler aus. Gegen Geld bieten sie Listen mit angeblich exklusiven Immobilienangeboten. Beim Lesen der Listen stellt sich indes heraus, dass sie nur bereits veröffentlichte Anzeigen aus Immobilienportalen enthalten oder Anzeigen von seriösen Maklern.

Weitere häufige Betrugsmaschen: Täter verlangen bei Interesse an der Immobilie von den Interessenten eine Kopie des Personalausweises. Die so übermittelte Identität «wird dann von den Tätern bei illegalen Geschäften genutzt», warnt das LKA Niedersachsen.

Einloggen auf falscher Seite

Auch sogenannte Phishing-Mails bekommen Wohnungssuchende mitunter zugesandt, wenn sie aufgrund einer Anzeige mit einem vermeintlichen Immobilien-Besitzer Kontakt aufgenommen haben. Diese Mails enthalten Links oder Anhänge. In der Regel wird laut LKA der potenzielle Interessent aufgefordert, sich über einen Link einzuloggen oder den Anhang zu öffnen.

Nach dem Einloggen gelangt man allerdings auf eine gefälschte Log-In-Seite, über die die Täter Zugangsdaten ihres Opfers etwa für das Online-Banking abfangen wollen. Die Bezeichnung «Phishing» ist eine Kombination der englischen Wörter Password (Passwort),Harvesting (ernten) und Fishing (fischen).

Immer schön skeptisch bleiben

Wie sich Wohnungssuchende wappnen können? «Niemals vorab an unbekannte Personen Geld überweisen», rät IVD-Experte Koch. Und unter keinen Umständen Scans von Personalausweis, Gehaltsnachweis oder anderen Dokumenten vorab an Unbekannte übermitteln. Solche Papiere können bei einer Wohnungsbesichtigung vor Ort ausgetauscht werden.

Wer bereits Daten vorab übermittelt oder Geld vorab überwiesen hat, sollte unverzügliche seine oder ihre Bank informieren, rät das LKA Niedersachsen. Unter Umständen kann der Transfer noch gestoppt werden. Opfer sollten außerdem Anzeige bei der Polizei erstatten und das Immobilienportal informieren.

Anzeige gut prüfen

Es gibt übrigens noch weitere Indizien dafür, dass eine Immobilienanzeige Fake ist. Das können laut LKA etwa Anzeigen mit Fotos wie aus einem Prospekt sein. Oder Immobilie und Ausstattung passen nicht zusammen. Oder die angegebenen Kontaktdaten sind unvollständig.

Auch bei Texten in Inseraten, die in einem schlechten Deutsch abgefasst sind und von Grammatik- und Rechtschreibfehlern nur so strotzen, sollten Wohnungssuchende wachsam sein - das könnte laut Verbraucherzentrale NRW ein Indiz für ein Betrugsobjekt sein.

Ein weiterer möglicher Hinweis: Betrüger kopieren sich den Verbraucherschützern zufolge oft ihren Text aus bestehenden Anzeigen zusammen. Wohnungssuchende sollten daher Teile des Textes oder die Überschrift in eine Suchmaschine im Internet eingeben. Findet sich auf diese Weise ein ähnliches Inserat mit anderen Kontaktdaten auf weiteren Portalen, gilt: Am besten die Finger davon lassen.

© dpa-infocom, dpa:210716-99-410520/2

Tipps der Verbraucherzentrale NRW

Tipps des Landeskriminalamtes Niedersachsen

Polizeiliche Kriminalprävention der Länder


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Rund zwölf Prozent aller Einbrüche geschehen über die Haustür. Gemeinsam mit dem Hausbesitzer geht Kriminalhauptkommisssar Ralph Müller (l) im Rahmen seiner Beratung zum Einbruchsschutz das ganze Haus ab. Foto: Daniel Maurer/dpa-tmn Wie die Polizei beim Einbruchschutz hilft Sie kommen in das behütete Zuhause. Nehmen den Schmuck mit. Wühlen in allen Schränken. Einbrecher stehlen nicht nur, sie verletzen auch die Privatsphäre. Doch wie schützt man sich? Die Polizei bietet persönliche Beratungen an. Ein Hausbesuch.
Wenn Einbrecher im Haus waren, sind Betroffene erst einmal geschockt. Doch sie sollten sofort die Polizei und die Versicherung informieren. Foto: Daniel Maurer Schadensbegrenzung - Was nach dem Einbruch zu tun ist Nach einem Einbruch sind viele erst einmal geschockt. Am wichtigsten ist aber, die Nerven zu behalten und unverzüglich weiteren Schaden zu vermeiden. Dazu gehört das Sperren von EC- und Kreditkarten.
Einen Dachdecker sollten Eigentümer nicht ohne Anlass auf ihr Dach lassen. Ansonsten kann das ärger nach sich ziehen. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn Wenn der Handwerker dreimal klingelt Nicht nur der Postbote klingelt unangemeldet. Manchmal stehen auch Handwerker vor der Tür. Doch Vorsicht: Deren Angebote können Verbraucher am Ende teuer zu stehen kommen.
Die Tür ist zu, der Schlüssel steckt drinnen: Wer einen Schlüsseldienst rufen muss, sollte ortsansässige Firmen vorziehen. Das spart Anfahrtskosten. Foto: Kai Remmers/dpa-tmn Schlüsseldienst: Anfahrtskosten nur begrenzt zulässig 52 000 Rufnummern von vermeintlich lokal ansässigen Dienstleistern hat die Bundesnetzagentur abgeschaltet. Anrufer wurden an eine Zentrale weitergeleitet - die Folge: Sie mussten für die Handwerker hohe Anfahrtkosten bezahlen. So schützen Verbraucher sich.