Die richtige Dämmung für das Haus finden

30.04.2018
Eine gute Dämmung des Hauses spart Energie. Doch nicht immer lässt sich gleich das ganze Gebäude von außen dämmen. Als Alternativen bieten sich Innendämmung und Wärmedämmputze an. Dabei muss allerdings einiges beachtet werden.
Innendämmung mit Mineraldämmplatten: Welche Materialien und welche Dämmstärken in Frage kommen, hängt immer von den bauphysikalischen Eigenschaften ab. Foto: Xella Deutschland GmbH/VDPM
Innendämmung mit Mineraldämmplatten: Welche Materialien und welche Dämmstärken in Frage kommen, hängt immer von den bauphysikalischen Eigenschaften ab. Foto: Xella Deutschland GmbH/VDPM

Berlin (dpa/tmn) - Eine gute Dämmung schützt das Haus vor Kälte und Hitze. Im Winter hält sie die wertvolle Heizenergie im Gebäude, im Sommer sorgt sie dafür, dass die Wärme draußen bleibt.

Nach Erhebungen der Deutschen Energieagentur (Dena) lassen sich Energieverluste durch die Dämmung von Außenwänden und Fenstern um rund zwei Drittel reduzieren. «Wir haben in unserem Modellvorhaben Niedrigenergiehaus über 350 Sanierungen und Neubauten begleitet», sagt Christian Stolte von der Dena. «Die Ergebnisse zeigen, dass der Energieverbrauch der Bewohner nach Fertigstellung signifikant sinkt.» Im Mittel habe er um 76 Prozent verringert werden können.

Aber was ist besser, Außen- oder Innendämmung? Das lässt sich nicht pauschal beantworten. «Die Außendämmung ist bauphysikalisch die erste Wahl», meint Hans-Joachim Riechers, Hauptgeschäftsführer des Verbands für Dämmsysteme, Putz und Mörtel. Durch die außenliegende Dämmung bleibt die gesamte Wandkonstruktion im Winter warm und kann Temperaturschwankungen im Innenraum ausgleichen. Im Sommer werden die Außenwände vor starker Überhitzung durch die Sonne geschützt. Das führt dazu, dass die Innenräume nicht so schnell aufheizen und ein gleichmäßiges Innenklima entsteht.

«Eine Außendämmung legt sich wie ein Mantel um das Mauerwerk und schützt es dadurch», sagt Stolte. «Da die Wand gut eingepackt ist, bleibt sie wärmer, und es kommt nicht zu Kondensation und damit zum Feuchtigkeitsanfall an der Wand.» Auch Wärmebrücken, also Stellen, an denen die Wärme nach außen dringt, werden besser verhindert als bei einer Innendämmung.

Trotz dieser Vorteile ist die Außendämmung aber nicht für jedes Gebäude geeignet. «Sie verändert das äußere Erscheinungsbild des Hauses erheblich», sagt Ines Prokop vom Verband Beratender Ingenieure (VBI). Häuser mit denkmalgeschützten Fassaden, Ziegelbauten oder Fachwerkhäuser würden mit einer Außendämmung ihren Charakter verlieren. «Für sie bietet sich eine Innendämmung an», so Prokop.

Sie kann auch für Besitzer einer Eigentumswohnung eine Lösung zur Dämmung der eigenen vier Wände sein, wenn nicht die gesamte Eigentümergemeinschaft einer Dämmung der Fassade zustimmt. Für Gebäude mit Grenzbebauung oder unbeheizten Anbauten ist Stolte zufolge eine Innendämmung oft die einzige Lösung.

In den vergangenen Jahren haben sich Innendämmung und Wärmedämmputz zu ernstzunehmenden Alternativen zur Außendämmung entwickelt. «Von den massenhaft eingesetzten Wärmedämmverbundsystemen an der Außenfassade kommt man langsam ab», sagt Prokop. Denn es zeigten sich deutliche Nachteile: «Die Ästhetik lässt zu wünschen übrig. Außerdem können sich mit der Zeit Algen bilden, die Fassade vergraut, und die Befestigungssysteme zeichnen sich ab.»

Doch die Innendämmung ist in der Regel deutlich aufwendiger. «Die bauphysikalischen Verhältnisse sind viel komplexer», sagt Riechers. Das Problem: Bei einer Innendämmung bleibt der Wandkörper kalt. Er kann also nicht ausgleichend auf das Raumklima wirken. Gelangt feuchte Innenraumluft in die Wand, kondensiert sie, und es entsteht Feuchtigkeit. «Zudem stellt jede an die Außenwand angrenzende Innenwand, Geschossdecke oder Bodenplatte eine Wärmebrücke dar, die sich nicht vollständig vermeiden lässt und im Vergleich zur Außendämmung höhere Verluste verursacht», ergänzt Stolte.

Umso wichtiger ist es, im Vorfeld von einem Experten bauphysikalische Berechnungen vornehmen zu lassen. «Jedes Gebäude ist anders. Welche Materialien und welche Dämmstärken in Frage kommen, hängt immer vom konkreten Fall ab», erklärt Ines Prokop. In der Regel sollte im Hausinneren die Dämmstärke möglichst gering gehalten werden, damit nicht allzu viel Wohnfläche verloren geht. Je besser die Dämmwirkung ist, desto dünner kann dann auch die neue Dämmschicht sein. «Um Tauwasserschäden zu vermeiden, müssen die Nutzer für ein angepasstes Heizungs- und Lüftungsverhalten sensibilisiert werden», sagt Prokop.

Sie spricht auch eine dritte Variante der Dämmung an, die noch wenig praktiziert wird, aber bei vielen älteren Häusern möglich ist: «Mehrschalige Bestandsbauten können mit einer Kerndämmung versehen werden, die zwischen zwei Schichten der Außenwand gebracht wird. Damit erreicht man gute Dämmergebnisse, muss nicht auf Wohnfläche verzichten und erhält das Bild der Außenfassade.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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