Das zweite Wohnzimmer: Das Schlafzimmer wird Aufenthaltsraum

08.02.2016
Die Möbelbranche nimmt sich das Schlafzimmer vor. Aus dem Funktionsraum für die Nacht soll ein Unterhaltungs- und Rückzugsraum werden. Dazu gehören gemütlichere Betten mit verbesserter Sitzfunktion, dekorative Möbel und technische Spielereien.
Ein Schlafzimmer nicht zum Verstecken, sondern zum Vorzeigen: So inszeniert zum Beispiel Team 7 aktuell seine Möbel für den Ruheraum. Foto: Team 7
Ein Schlafzimmer nicht zum Verstecken, sondern zum Vorzeigen: So inszeniert zum Beispiel Team 7 aktuell seine Möbel für den Ruheraum. Foto: Team 7

Köln (dpa/tmn) - Bei vielen ist es ein kühler, dezent eingerichteter Raum. Im Schlafzimmer liegt der Fokus eben - auf dem Schlafen. Das soll sich jetzt aber ändern, finden zumindest die Möbelhersteller. Auf der Kölner Möbelmesse im Januar war diese Neuausrichtung erstmals zu sehen.

«Das Schlafzimmer ist zu schade zum Verschlafen», fasst Markus Majerus, Sprecher der IMM Cologne, das Ansinnen der Designer zusammen. «Es wird mehr zum Wohnraum.» Er erklärt: «Das Bewusstsein für guten Schlaf hört nun nicht mehr bei einer guten Matratze auf.» Stattdessen machen sich die Unternehmen Gedanken, wie die Zeit vor und nach dem Einschlafen im Bett bequemer wird.

Gute Nachttisch- und Leseleuchten sowie gepolsterte Kopfteile zum Anlehnen stehen schon länger im Fokus. Doch jetzt beziehen die Unternehmen die Rückenteile noch dicker mit gemütlichen Lagen und im Stil von Sofas. Man sitzt aufrechter und damit besser. Und die Beleuchtung wird ausgefeilter.

Auch die übliche Unterhaltungselektronik findet immer mehr Platz und Anschlussmöglichkeiten im Schlafzimmer. Aus Sideboards lassen sich Fernseher ausfahren, Nachttische haben Docking-Stations und integrierte Steckdosen für Handys.

Warum all das? Den Menschen wird nicht nur immer klarer, wie wichtig guter Schlaf in einer angenehmen Umgebung ist. Viele sind sich auch bewusst, dass sie rund ein Drittel des Tages im Schlafzimmer verbringen, urteilen die Trendexperten der Koelnmesse. Sie behaupten sogar: Heute zieht man sich auch gerne mal mit Freunden dahin zurück, verbringt dort die Zeit wie im Wohnzimmer. Das verändere natürlich das Aussehen des Raumes.

Einher geht das mit einem Wandel bei den Betten: Einen anhaltenden Hype erleben die hohen, oft als besonders gemütlich geltenden Polsterbetten, bekannt unter dem Markennamen Boxspring. Zwar könne die Branche noch nicht absehen, wie sehr diese Bettenvariante sich durchsetzen wird, sagt Claudia Wieland vom Fachverband Matratzen-Industrie. «Diejenigen, die sie selbst im Angebot haben, glauben aber, dass sich der Anteil bei 30 Prozent einpendeln wird.»

Die Hersteller üblicher Betten ziehen nach: Sie produzieren nun selbst die Polsterbetten, sagen Wieland und Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbel-Industrie übereinstimmend. Oder die herkömmlichen Kastenbetten werden höher. Denn nach Ansicht der Expertinnen sind Boxspringvarianten auch deshalb so beliebt, weil ihre Einstiegshöhe so bequem ist.

Zum Thema Gemütlichkeit passt, dass einige neue Betten, die Hersteller auf der IMM Cologne vorstellten, nun gebogene Kopfteile haben. So ragen die Seitenenden etwas in Richtung Kissen nach vorne und schotten den Kopf des Schlafenden ab.

Aber auch die Möbel werden «wohnlicher», wie es die Branche gerne ausdrückt. Es gibt vermehrt Regalsysteme für Dekorationen, teils beleuchtet, was im Schlafzimmer bisher nicht üblich war. Und: Sessel oder gar Sofas finden nun Platz in diesem Zimmer. Dafür verschwinden vermehrt die rein praktischen Teile des Raumes: Die Fertigbaubranche meldete 2015, dass 15 Prozent der Neubauten einen begehbaren Kleiderschrank haben, berichtet Geismann. Wuchtige Schränke im eigentlichen Schlafzimmer braucht man dann nicht mehr.

Doch die Frage ist, ob sich dieser Wohntrend durchsetzen kann. Schönere, durchdachte Möbel kommen natürlich immer an. Aber für viele soll das Schlafzimmer doch bewusst Schlafzimmer bleiben: «Ich glaube eben nicht, dass man sich mit Gästen ins Bett legt, um dort zu reden oder einen Film zu schauen», sagt selbst Branchensprecherin Geismann. «Außerdem kann man im Sinne des Feng Shui viele Dekorationen in dem Raum gar nicht empfehlen.» So verhilft weniger Schnickschnack im Raum eher zu gutem Schlaf. Auch Matratzenexpertin Wieland ist skeptisch: «Ein Bett ist halt kein Sofa, das jeder, der zu Besuch kommt, sieht und in das man daher gerne mehr investiert.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Treppe führt hinauf zum Bett. Um im Tiny House Platz zu sparen, werden auch die Kubikmeter in der Höhe genutzt. Foto: Alexander Heinl Wie Mini-Häuser Raumnot lindern könnten Wie können wir uns morgen noch die Miete in Städten leisten? Wie gar ein Eigenheim kaufen? Bei steigenden Immobilienpreisen und Raumnot in den Innenstädten müssen neue Wohnkonzepte her. Sogenannte Tiny House sind eine Idee - aber nichts für Menschen mit Platzangst.
Das Sofabett «Lovers Paradise» von Signet steht ganz in Zeichen von Samt und Plüsch. Foto: Koelnmesse GmbH Zehn Wohntrends 2017 - aktuelle Hits im Möbelhaus Auch abseits der großen Strömungen zu offeneren Grundrissen und zur Neuauflage von Möbeln aus vergangenen Zeiten verändern sich viele Möbelstückgruppen von Jahr zu Jahr ein wenig. Sie wollen sich 2017 neue Möbel kaufen? Diese zehn Trends sollten Sie kennen.
Ein kuscheliges Sofa, dazu Kissen mit Mustern nach Wahl: Gemütlichkeit und Individualität sind nach wie vor wichtige Schlagworte bei der Einrichtung. Foto: Koelnmesse/dpa-tmn Fünf IMM-Trends: Wie wir wohnen werden Wie werden wir uns einrichten, wenn es nach den Möbeldesignern geht? Antworten hierauf gibt die Messe IMM Cologne. Manche Dinge bleiben erhalten - denn auch Gemütlichkeit und Geborgenheit sind Schlagworte der Möbelschau. Manches kommt aber neu. Ein Überblick.
Gemütliches Wohnen bleibt im Trend, dabei werden die Sofas aber wieder schmaler und filigraner. Das wollen Aussteller der Möbelmesse IMM Cologne in Köln zeigen - zum Beispiel Hersteller Verzelloni gemeinsam mit dem Designstudio Lievore Altherr Molina ihr Sofa Divanitas von 1996, das nun neu in moderner Ausführung wieder aufgelegt wird. Foto: Koelnmesse Die Innovation steckt im Detail - Ausblick auf die Möbelmesse IMM