Das kostet der Traum vom eigenen Pferd

12.04.2019
Eine gemütliche Box mit Stroh, ein paar Möhren und eine Weide: So ein Pferd, könnte man denken, braucht nicht viel. Doch Unterbringung, Ausrüstung, Pflege und vor allem die medizinische Versorgung gehen ordentlich ins Geld. Eine Kostenaufstellung.
Für Pferdebesitzer liegt das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde. Doch die Kosten gehen in die Tausende. Foto: Christin Klose
Für Pferdebesitzer liegt das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde. Doch die Kosten gehen in die Tausende. Foto: Christin Klose

Warendor (dpa/tmn) - Verantwortung, Selbstvertrauen, Empathie - von Pferden kann man eine ganze Menge lernen. Reiten fördert Balance und Feinmotorik. Und jenseits der brillanten pädagogischen Fähigkeiten der Tiere macht der Umgang mit ihnen auch noch Spaß.

Hat einen der Pferdevirus gepackt, kommt oft der Wunsch nach einem eigenen Pferd auf. Dann ist es Zeit für einen Kassensturz. Ob zur regelmäßigen Turnierteilnahme oder nur zum Ausreiten in den Wald: Meistens ist nicht die Anschaffung des Tieres der größte Kostenpunkt, sondern der Unterhalt. «Die meisten Reiter ermöglichen sich die Haltung ihrer Pferde durch Verzicht auf anderen Gebieten», weiß Julia Basic, Sprecherin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.

Hohe laufende Kosten und tägliches Misten

Allein für die monatliche Boxenmiete in einem Pensionsstall müssten Halter 150 bis 1200 Euro einrechnen. Meistens ist Futter inklusive. Die Kostenspanne ist deshalb so groß, weil der Preis von Haltungsform und Region abhängt. Ställe mit viel Service (Pferde raus- und reinbringen, ausmisten, bewegen, eine eigene Box und sogar eigene Koppel pro Pferd) sind teurer als Offenställe, in denen die Pferde ganzjährig in einer Herde draußen stehen und die Besitzer sich selber um Stallarbeit wie tägliches Misten kümmern.

Ob Freizeitpferd oder Turnierpartner, regelmäßig ist für die Tiere Pediküre angesagt. Alle vier bis acht Wochen sowie in akuten Fällen sollte das Tier einem Hufschmied vorgestellt werden. Das schlägt mit je 20 bis 150 Euro zu Buche. Am günstigsten sind Pferde ohne Hufeisen. Doch nicht selten ist es keine Geschmackssache, das Pferd zu beschlagen oder eben nicht: Die Hufgesundheit, Anatomie und Nutzung des Pferdes sind bei der Entscheidung zu berücksichtigen.

Der Hufschmied ist der Zahnarzt für Pferde

Ist das Pferd gesund, verursacht es nur die Kosten für Impfen, Wurmkur, Zahnkontrolle. Im Krankheitsfall ist die Tierarztrechnung jedoch der unsicherste Faktor. Viele Besitzer schließen deshalb eine Art Krankenversicherung ab, meistens für den Fall einer Operation.

Versichert sind je nach Tarif operative Eingriffe nach einem Unfall und/oder nach Krankheit sowie Diagnose- und Nachsorgekosten. In der Regel umfasst das mindestens die Kosten des letzten Untersuchungstags vor einer Operation. Die Übernahme der Kosten einer Nachbehandlung sind meist auf eine bestimmte Anzahl an Tagen beschränkt. Auch die stationäre Unterbringung des Pferdes ist oft nur bis zu einer Erstattungsgrenze inklusive.

Tarife für Versicherungen stark schwankend

So eine Versicherung klingt angesichts der enormen Kosten, die durch einen Klinikaufenthalt entstehen können, sinnvoll. Doch der Bund der Versicherten gibt zu bedenken: «Die Tarife unterscheiden sich hinsichtlich Prämienhöhe und Leistungsumfang erheblich.» Einige Anbieter schließen bestimmte Erkrankungen und Operationen aus. Andere nehmen keine Pferde im Alter von mehr als 20 Jahren auf. Hat das Pferd Vorerkrankungen, können Versicherer eine höhere Prämie verlangen.

Der Bund der Versicherten rät, statt einer Krankenversicherung lieber Geld zur Seite zu legen, und zwar einen höheren vierstelligen Betrag. Günstiger ist dagegen eine Haftpflichtversicherung (ab etwa 80 Euro/Jahr),die ohnehin meist vom Pensionsstall gefordert werden.

Sparen für den Traum und auf unerwartete Kosten

Sind die Finanzen geklärt, beginnt eine aufregende Zeit: die Suche nach dem geeigneten Ross. Online-Börsen, Annoncen oder Händler bieten Tiere in verschiedenen Preisklassen. Je nach Ausbildungsstand, Veranlagung, Alter und Abstammung gibt es Pferde für wenige oder viele Tausend Euro, manche kosten sogar Millionen.

Ist das richtige Pferd gefunden, muss Ausrüstung her - vom Halfter und Strick über Decken, Beinschutz, Sattel, Trense und Satteldecke bis zu Putzutensilien. Das bedeutet noch einmal mindestens Tausend Euro. Neu-Pferdebesitzerin Cora Pannwitz hat nur das Nötigste gekauft und bei Messen zugeschlagen. «So kam ich sehr günstig weg», erzählt die 20-Jährige. Und doch kamen noch Posten hinzu, mit denen sie vorher nicht gerechnet hatte: Weil das Pferd nach dem Kauf erst einmal viele Hundert Kilometer zu ihrem Wohnort gefahren werden musste, gab sie noch einmal mehrere Hundert Euro für eine Spedition aus.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Drei Reiter, ein Pferd: Bei einer Reitbeteiligung kümmern sich mehrere um ein Tier, bewegen und pflegen es. Foto: FN-Archiv/Kaup Vier Hufe zum Teilen: Wie es mit Reitbeteiligung klappt Ein Pferd muss täglich bewegt werden. Wer das nicht schafft, kann sich eine Reitbeteiligung suchen. Damit es keine Konflikte gibt, sind dabei schriftliche Vereinbarungen und Absprachen wichtig.
Das gemeinsame Haus ist für viele Paare ein Traum. Wenn sie ihn verwirklichen, sollten klare Regelungen getroffen werden. Foto: Christin Klose Worauf Paare beim Hauskauf zu achten haben Ein eigenes Haus? Für viele Paare ist das ein großer Traum. Wer diesen Traum wahr machen will, sollte das Projekt gut vorbereiten. Denn die Finanzierung ist ein Langzeitprojekt.
Versicherungen für Tiere sollen Kosten für Operationen decken. Je größer das Tier ist, umso sinnvoller ist solch ein Schutz. Foto: Frank Rumpenhorst Darauf müssen Halter bei Tier-Krankenversicherungen achten Was tun, wenn der Golden Retriever hinkt oder die Katze die Würmer plagen? Wer sich vor hohen Tierarztkosten schützen will, kann zwischen verschiedenen Versicherungen wählen. Doch lohnt sich der Abschluss wirklich?
Nach einem Hausbrand stehen viele Bewohner vor dem finanziellen Ruin. Davor schützen können Wohngebäudeversicherungen. Foto: Maja Hitij Wohngebäudeversicherung: Policen fürs Haus maßschneidern Sturm, Wasser, Feuer - hinterlassen diese Naturgewalten Schäden am Haus, springt die Wohngebäudeversicherung ein. Aber die Tarife sind sehr unterschiedlich. Teuer muss nicht immer besser sein, günstiger nicht unbedingt gut.