Corona-Jahr: Kommen Weihnachtsbäume früher ins Haus?

02.12.2020
Sorgt das Corona-Jahr mit abgesagten Weihnachtsmärkten dafür, dass es sich die Menschen im Advent zu Hause früher gemütlich machen? Beim Weihnachtsbaumkauf gibt es ja eigentlich deutsche Traditionen.
Der Weihnachtsbaumerzeuger-Verband erwartet trotz Corona auch 2020 ein traditionelles Verhalten beim Tannenbaumkauf. Die meisten Menschen erledigen diesen gewöhnlich um den vierten Advent. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Der Weihnachtsbaumerzeuger-Verband erwartet trotz Corona auch 2020 ein traditionelles Verhalten beim Tannenbaumkauf. Die meisten Menschen erledigen diesen gewöhnlich um den vierten Advent. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Berlin (dpa) - O Tannenbaum: Machen es sich die Deutschen im Corona-Jahr früher zu Hause mit geschmücktem Grün gemütlich? Eigentlich ist es Tradition, den Weihnachtsbaum erst kurz vor Heiligabend zu kaufen. So kennen es viele, und so wird es durchweg auch in deutschen Filmen und Serien erzählt.

Doch 2020, im Jahr der abgesagten Weihnachtsmärkte, haben schon auffällig viele Menschen in den sozialen Medien am ersten Advent ihren geschmückten Baum im Wohnzimmer gezeigt - freilich meist wohl nur aus Plastik.

Bis in die 80er Jahre dominierte in der Bundesrepublik die Rotfichte als Weihnachtsbaum, seit den 90ern sei es die gut gewachsene und satt-grüne Nordmanntanne, heißt es vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger. Deren Samen seien in Mitteleuropa in Massen - vor allem aus Georgien - erst seit Michail Gorbatschows «Perestroika» für die damalige Sowjetunion verfügbar. Nach genügend Jahren Wachstum der ersten Bäume hierzulande sei die Nordmanntanne der Tannenbaum schlechthin - mit heute etwa 80 Prozent Marktanteil.

Der Weihnachtsbaumerzeuger-Verband in Bühl bei Baden-Baden erwartet trotz Corona auch 2020 ein traditionelles Verhalten beim Tannenbaumkauf. Die «stille Masse» posiere nicht schon jetzt in sozialen Medien mit einem geschmückten Baum im Wohnzimmer, sagt Geschäftsführer Martin Rometsch.

Die meisten der etwa 22 Millionen echten Weihnachtsbäume werden demnach rund um den vierten Advent verkauft. Der Gipfel werde also diesmal etwa am 19. Dezember erwartet, dem Samstag vor dem vierten Advent. Da Heiligabend auf einen Donnerstag falle, gingen viele wohl auch erst am 21., 22. und 23. Dezember auf Baum-Suche.

So sieht man es auch in deutschen Filmen und Serien. In der neuen Netflix-Miniserie «Über Weihnachten» mit Luke Mockridge gehen die Söhne der Familie erst an Heiligabend los und sind so spät dran, dass es keinen guten Baum mehr gibt und sie in ihrer Not ausgerechnet den Tannenbaum der Kirchengemeinde absägen - und so für einen Eklat sorgen.

Legendär ist zudem Loriots «Weihnachten bei Hoppenstedts», wo das Schmücken des Baums ein wichtiger Arbeitsschritt im Ablauf des Heiligen Abends ist und der Vater sagt: «Jetzt wird erst der Baum fertig geschmückt, dann sagt Dicki ein Gedicht auf, dann holen wir die Geschenke rein, dann sehen wir uns die Weihnachtssendung im Ersten Programm an, dann wird ausgepackt, und dann machen wir's uns gemütlich...»

Und Evelyn Hamann als Mutti antwortet: «Nein, Walter, erst holen wir die Geschenke rein, dann sagt Dicki ein Gedicht auf und wir packen die Geschenke aus, dann machen wir erstmal Ordnung, dabei können wir fernsehen, und dann wird's gemütlich.»

© dpa-infocom, dpa:201202-99-545330/2

Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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