Bei Auszug teilrenoviert: Bekommt Vermieter Schadenersatz?

17.10.2019
Eine Wohnung mit teils abgelösten Tapeten ist nur schwer vermietbar. Aber müssen ehemalige Mieter deshalb Schadenersatz leisten, wenn sie eine abgesprochene Renovierung abbrechen?
Weil ein Mieter beim Auszug eine teilrenovierte Wohnung hinterlassen hat, klagte die Vermieterin auf Schadensersatz. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn
Weil ein Mieter beim Auszug eine teilrenovierte Wohnung hinterlassen hat, klagte die Vermieterin auf Schadensersatz. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Karlsruhe (dpa/tmn) - Bricht ein Mieter die Renovierung eines Hauses mitten in der Arbeit ab, kann der Vermieter Anspruch auf Schadenersatz haben. Alte und kaputte Tapeten können aber so viel an Wert verloren haben, dass nur ein geringer Schaden entstanden ist.

Das berichtet die Zeitschrift «Das Grundeigentum» des Eigentümerverbandes Haus & Grund Berlin (Nr. 19/2019). Sie verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH, Az.: VIII ZR 263/17). Gerichte müssen deshalb auf das Alter und den Zustand der angeblich beschädigten Sache eingehen. Vermieter sind in der Beweispflicht.

Landgericht: Teilabriss schränkt Vermieterin ein

Im verhandelten Fall hatte die Vermieterin dem Mieter erlaubt, das Haus zu renovieren. Dafür entfernte er einige Tapeten. Als der Mieter erfuhr, dass das Haus verkauft werden sollte, stellte er die Arbeiten ein. Später endete das Mietverhältnis, und der Mieter zog aus. Die Vermieterin klagte auf Schadenersatz.

Das Landgericht sprach ihr in zweiter Instanz 80 Prozent der Kosten für die Neutapezierung der betroffenen Wände zu. Denn der Mieter habe in die Entscheidungsfreiheit der Vermieterin eingegriffen. Ohne den Teilabriss hätte sie die Wohnung nach Ansicht des Gerichts unrenoviert weitervermieten können oder sich mit dem Nachmieter einfacher darauf einigen können, dass dieser die Renovierung übernimmt.

BGH: Verschlissenes kann nicht fast Neuwert haben

Den BGH überzeugte das nicht: Zwar könne ein Schaden entstehen, wenn ein Mieter Tapeten entfernt, ohne neue anzubringen. Für die Höhe des Schadens sei aber der Zustand und das Alter der vorherigen Tapete wichtig. Darauf müsse das Gericht eingehen. Im verhandelten Fall war die Tapete laut Mieter rund 30 Jahre alt, mehrfach überstrichen und habe sich bereits teilweise gelöst. Sie sei deshalb wertlos gewesen. Als Klägerin musste die Vermieterin den Schaden und seine Höhe beweisen.

Den Ansatz von 80 Prozent der Kosten hielt der BGH für nicht nachvollziehbar. Damit sei der Wert einer völlig verschlissenen Dekoration fast mit dem Neuwert angesetzt worden. Das Landgericht muss nun erneut über die Schadenshöhe entscheiden.

BGH-Urteil


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Streichen oder nicht streichen? Diese Frage stellen sich viele Mieter beim Auszug. Der Vermieter kann zwar Schönheitsreparaturen auf den Mieter übertragen - doch wenn die Klausel ungültig ist, besteht auch keine Pflicht. Foto: Jens Büttner Beim Auszug streichen? Irrtum rund um Schönheitsreparatur Bei Schönheitsreparaturen halten sich einige Gerüchte hartnäckig. Dabei steht längst fest, dass Vermieter ihre Mieter nicht zu allem verpflichten dürfen. Was im Einzelnen gilt.
Beim Auszug wird unter bestimmten Umständen eine Renovierung fällig. Foto: Uwe Anspach Auszug aus der Wohnung: Wann ein Mieter streichen muss Wann muss ein Mieter beim Auszug renovieren? Das hängt unter anderem davon ab, wie der Zustand der Wohnung beim Einzug war und ob die Klausel für Schönheitsreparaturen wirksam ist.
Verpflichtet der Mietvertrag zu regelmäßigen Ausbesserungsarbeiten und auch zur Renovierung beim Auszug, dann ist das eine doppelte Belastung. Diese muss der Mieter nicht hinnehmen. Foto: Kai Remmers Renovierung bei Auszug: Klausel kann unwirksam sein Die alte Wohnung beim Auszug zu renovieren, ist vielen lästig. Allerdings können Mieter dazu im Mietvertrag verpflichtet werden. Doch nicht immer hat die entsprechende Klausel Bestand.
Ist der Vermieter zum Tapezieren verpflichtet, muss die Tapete dem Geschmack des Mieters entsprechen. Foto: Oliver Stratmann/dpa Bei Schönheitsreparaturen sind Mieterwünsche zu respektieren Wenn es um Schönheitsfehler in den eigenen vier Wänden geht, sollten Mieter einen Blick in ihren Vertrag werfen. Gibt es nämlich keine Ausschlussklausel, ist der Vermieter verpflichtet, die Reparatur nach Geschmack des Mieters vornehmen zu lassen.