Auch gefährdete Reptilien-Arten online erhältlich

29.09.2020
Für ein Reptil, das dekorativ im Wohnzimmer-Terrarium sitzt, sind in vielen Fällen andere Artgenossen gestorben - schon beim Fang, beim Transport oder beim Händler. Forscher warnen, dass auch gefährdete Arten immer noch leicht zu bekommen sind.
Die meisten Käufer von Reptilien stammen den Forschern zufolge aus Europa und Nordamerika. Foto: Christian Charisius/dpa
Die meisten Käufer von Reptilien stammen den Forschern zufolge aus Europa und Nordamerika. Foto: Christian Charisius/dpa

Peking (dpa) - Trotz Bemühungen, den internationalen Handel mit Reptilien zu regulieren, können noch immer Tausende Arten oft kaum überwacht über das Internet bestellt werden.

Wie ein Team um Alice Hughes von der chinesischen Akademie der Wissenschaften ermittelte, sind gut 3900 Reptilienspezies im Internet erhältlich. Das sind rund 36 Prozent der weltweit bekannten Arten, wie die Forscher im Fachmagazin «Nature Communications» berichten.

Lücken in den internationalen Bemühungen zur Regulierung des Handels mit Wildtieren führten dazu, dass eine große Anzahl von Arten nicht überwacht werde. Drei Viertel des Handels entfallen demnach auf Reptilien, die nicht unter internationale Vorschriften fallen - zu denen aber auch gefährdete Arten wie die Gesprenkelte Kapschildkröte (Nomus Signatus) und das Seychellen-Tigerchamäleon (Calumma tigris) gehören.

Bei mindestens 21 Arten sei die gesamte Wildpopulation von Händlern ausgelöscht worden, die wissenschaftliche Publikationen zu deren Vorkommen genutzt hätten, um die Tiere aufzuspüren, erläutern die Forscher. Etliche andere Populationen seien im Zuge des übermäßigen Fangs für den Handel geschrumpft.

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler Daten von rund 150 Online-Reptilienhändlern mit Informationen aus zwei internationalen Datenbanken für den Handel mit Wildtieren abgeglichen (Cites und Lemis). Rund die Hälfte der erfassten Tiere seien in freier Wildbahn gefangen und dann zum Verkauf angeboten worden. Die Forscher ermittelten Vietnam als Hauptquelle für einige der am stärksten bedrohten Arten. Aus Europa und Nordamerika stammen demnach die meisten Käufer.

Den Autoren zufolge könnten bestimmte Reptilienarten zu den nächsten Opfern der anhaltenden Biodiversitätskrise werden, wenn die Auswirkungen des zwar legalen, aber unregulierten Handels nicht abgemildert werden. Tierschutzorganisationen warnen schon lange vor dem Kauf von Reptilien: Viele Tiere stürben bereits beim Transport oder beim Händler, wildlebende Populationen würden bedroht.

Zu bedrohten oder neu entdeckten Arten gibt es immer mehr und immer besser zugängliche Daten. Experte warnen Wissenschaftler schon seit Jahren davor, Angaben zum Lebensraum solcher Spezies detailliert verfügbar zu machen. Sie würden auch von Wilderern und Schmugglern genutzt. Als ein unrühmliches Beispiel wird häufig der China-Leopardgecko (Goniurosaurus luii) genannt: Nach der ersten wissenschaftlichen Beschreibung starben die Tiere in ihrem Lebensraum binnen Monaten aus. Vor allem der Handel mit den Tieren habe zum Ende der wildlebenden Population geführt, so Experten.

Ähnliche Beispiele dafür, dass Arten innerhalb von Monaten nach einer Publikation über sie erheblich dezimiert oder gar ausgelöscht waren, gebe es viele, hieß es schon vor einiger Zeit im Fachjournal «Science». Oft waren demnach Reptilien betroffen.

© dpa-infocom, dpa:200929-99-753131/3

Link zur Studie

PETA über Handel mit Reptilien


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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