Alternativen zu Zahnbürsten, Geschirr und Folie aus Plastik

11.02.2019
Müllvermeidung hört nicht beim Verzicht auf Plastiktüten auf. Es gibt viele Produkte im Haushalt, die nach kurzer Anwendung weggeworfen werden - wie Frischhaltefolie und Zahnbürsten. Es gibt aber Alternativen - die Messe Ambiente in Frankfurt zeigt sie.
Bee's Wrap ist eine dauerhafte Alternative zur Frischhaltefolie. Das Textil wurde mit Jojobaöl, Harz und Bienenwachs behandelt. Foto: Franziska Gabbert
Bee's Wrap ist eine dauerhafte Alternative zur Frischhaltefolie. Das Textil wurde mit Jojobaöl, Harz und Bienenwachs behandelt. Foto: Franziska Gabbert

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Ein Problem kann zu einer Idee werden. Aus Plastiktüten oder -flaschen, die sonst häufig in den Meeren landen, werden inzwischen zum Beispiel häufig Textilien. Solch effektives Recycling ist aber nur ein Teil der Lösung.

Die Industrie muss sich damit auseinandersetzen, problematische Stoffe zu vermeiden. Dass es kreative Ideen dafür gibt, zeigt die Konsumgüterbranche auf ihrer Weltleitmesse Ambiente in Frankfurt (8. bis 12. Februar).

Wachspapier und Teller aus Papierfasern

Ein problematisches Kunststoffprodukt ist Frischhaltefolie. Sie landet - nach dem Gebrauch dreckig und unhygienisch - meist im Restmüll. Es gibt aber dauerhafte Varianten, zum Beispiel das Produkt Bee's Wrap. Der Baumwollstoff soll Frischhalte- und Alufolie ersetzen. Er ist mit Jojobaöl, Harz und Bienenwachs behandelt, so dass er ein Jahr lang mit Wasser und etwas Seife gewaschen werden kann, ohne seine Funktion zu verlieren oder Gerüche anzunehmen, erläutert Ellen Visser vom EU-Vertrieb für Bee's Wrap. Anschließend kann der Stoff auf dem Kompost verrotten.

Ein Problem ist auch Einweg-Geschirr für Partys, Picknicks und Ausflüge. Viele Unternehmen wie auch Ex.Tra haben Alternativen entwickelt, die verrotten können. Die Teller aus Papierfasern sollen Firmeninfos zufolge unter Laborbedingungen nach zwölf Wochen nicht mehr von Kompost zu unterscheiden sein.

Trinkbehälter als modisches Accessoire

Geradezu eine Schwemme von Alternativen gibt es in Frankfurt vor allem für zwei typische Wegwerfprodukte: Plastikflaschen und Einmalbecher für den Kaffeegenuss unterwegs. Natürlich gibt es längst viele auswaschbare Trinkflaschen und Mehrwegbecher. Jedoch waren diese nicht immer besonders beliebt. So hatte das Unternehmen Stelton zwar «quasi von Anfang an» Trinkbehälter im Angebot, «nur kaufte sie keiner», sagt Chef Michael Ring. «Jetzt ist die Zeit gekommen. Wir verkaufen sehr viele davon, und ich meine wirklich sehr viele.»

Dass aber gerade die Hipster und Influencer dazu greifen, hat Ring überrascht - noch mehr, dass für ihn der Becher vielerorts schon zum modischen Accessoire geworden ist. Ein schicker To-go-Becher werde seiner Meinung nach aktuell herumgetragen und präsentiert wie die Handtasche und das Smartphone. Dafür aber musste sich die Branche verstärkt mit einem schickeren Design auseinandersetzen, erklärt Ring. Und auch mit modischen Details. Steltons Idee: Der «To Go Click»-Isolierbecher ist auch mit einem Spiegel als Deckel erhältlich, in dem man unterwegs checken kann, ob die Frisur sitzt.

«Es geht nicht rein um die Funktion»

Nicolette Naumann, Bereichsleiterin der Messe Ambiente, teilt Rings Eindruck: Die Behälter für Getränke, aber auch jene fürs Essen unterwegs, «bieten im ersten Moment vielleicht etwas weniger Komfort, was aber schnell umschlägt in den Gedanken: «Dann will ich auch eine besondere Box haben, die etwas über mich aussagt». Es geht nicht rein um die Funktion.»

Auch bei Mepal nimmt man einen Wandel in der Wahrnehmung der To-go-Behälter wahr. Das Unternehmen stattet seit langem in seiner Heimat, den Niederlanden, quasi jedes Kind mit Brotzeitboxen aus, aber an die Erwachsenen kam es lange nicht heran, berichtet Marketingexperte Christoph Reermann von Mepal. Und wenn, dann wurden Trinkbehälter und Mitnahmeboxen eher dem Camping zugesprochen, nicht aber dem Gebrauch im Alltag. Das habe sich geändert: «Viele Menschen nehmen inzwischen gerne ihr Frühstücksmüsli oder Mittagessen mit.»

Diese will Mepal verstärkt ansprechen, indem es seine Behälter mit kleinen Details aufwertet. So hat etwa die Obstbox einen Siebeinsatz, damit die Früchte nach dem Waschen abtropfen können.

Strohhalme aus Glas und Zahnbürsten aus Bambus

Die Liste der umweltkritischen Produkte, die sich ersetzen lassen, ist lang - und die alternativen Ideen oftmals nicht neu. Erwähnenswert ist aber noch eine weitere Produktgruppe, die aktuell einen Schub erhält: Alternativen für den Einweg-Strohhalm. Dieser klassische Wegwerfartikel aus Plastik wird in der EU in naher Zukunft verboten sein. Daher bringen die Firmen viele Alternativen aus Glas, aus Metall und Holz, darunter insbesondere Bambus, auf den Markt.

Übrigens, auch sie waren in Frankfurt zu sehen, wenn auch erst in sehr kleiner Zahl: Hand-Zahnbürsten aus umweltverträglicheren Materialien wie Holz, auch darunter insbesondere Bambus. Die Borsten bestehen aus Bambus-Kohle.

Messe Ambiente


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Bodenbelagsbranche widmet sich zunehmend den gesundheitlichen Aspekten ihrer Produkte. Foto: Swiss Krono/dpa-tmn Der Trend zum Holz-Fußboden ohne Holz Lange ging es beim Kauf von Bodenbelägen in erster Linie darum, dass sie langlebig und funktional sind. Doch auch Fragen der Nachhaltigkeit und Gesundheit treiben die Branche um.
Blumenampeln aus der Knüpftechnik Makramee sind wieder im Trend. Auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt am Main zeigte zum Beispiel die Firma Lene Bjerre solche Produkte. Foto: Trends von der Ambiente im Überblick Dass Handarbeitskunst nicht nur Nostalgiker anspricht, ist derzeit auf der Konsumgütermesse Ambiente zu beobachten. Denn hier geraten Dekorationen aus Makramee in den Blickpunkt. Ebenso vertreten sind Küchenhelfer aus Plastik, Messer mit Holzgriffen und Einweckgläser.
Plastikgefäße fürs Mitnehmen von Pausensnacks gelten inzwischen als Lifestyle-Produkt. Auch funktional und optisch wurden sie verbessert. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn Der Konsum in grünen Zeiten Viele Produkte aus Plastik lassen sich ersetzen. Daran feilt die Konsumgüterbranche intensiv. Ihre Neuheiten zeigt sie auf der Messe Ambiente.
Natürlichkeit ist auch optisch ein Trend und zeigt sich auf der Internationalen Möbelmesse IMM zum Beispiel am Stand von Nature Design anhand von sichtbaren Astlöchern. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn Wann ist Möbelkauf nachhaltig? Auch die Möbelbranche kommt nicht am Umweltschutz vorbei - kein Problem für viele Firmen. Fernab der Öffentlichkeit haben sie längst ihre Produktion umgestellt. Erst jetzt werben sie auch damit.