Abzocke – so können sich Mieter schützen

25.03.2019
Immer wieder werden Mieter Opfer von Betrügern. Die Abzock-Maschen sind oft dreist und viele Mieter wissen nicht, wie sie sich wehren können. Der Betrug an Mietern scheint für die Täter sehr lukrativ zu sein.
Wer hat sich auch schon einmal ausgesperrt und durfte jede Menge Geld für den Dienst zahlen?
unsplash.com, © Michele Purin, CCO Public Domain
Wer hat sich auch schon einmal ausgesperrt und durfte jede Menge Geld für den Dienst zahlen? unsplash.com, © Michele Purin, CCO Public Domain

Seit vielen Jahren zeigt die Zahl der angezeigten Betrugsfälle. Damit Sie als Mieter geschützt sind, zeigt dieser Artikel die häufigsten Betrugsfälle.

Schlüsseldienst Betrug

Schnell noch den Müll hinausgebracht und dabei den Schlüssel in der Wohnung liegen lassen? Bitte werden Sie jetzt nicht panisch. Solche Situationen, gerade am Wochenende oder in der Nacht, werden von manchen Anbietern gerne ausgenutzt und es werden überteuerte Preise aufgerufen. Eine gute Übersicht hierfür, bietet die Infografik auf betrugstest.com

So gehen Sie richtig vor: 

  • Suchen Sie nach einem lokalen Schlüsseldienst. Um zu überprüfen, ob dieser auch wirklich vor Ort ist, durchsuchen Sie das Branchenbuch nach weiteren Einträgen. Sind mehrere Einträge vorhanden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um Betrüger handelt. Ein Nachbar oder Bekannte können Ihnen dabei helfen. Oft haben diese Personen auch eine Empfehlung aus eigener Erfahrung.
  • Wenn Sie den Schlüsseldienst anrufen, vereinbaren Sie einen Festpreis. Dieser liegt zwischen 60 und 120 Euro. Die Tageszeit und der Ort bestimmen den Preis. Durch die Vereinbarung schützen Sie sich vor einer überteuerten Rechnung,
  • Besprechen Sie vor dem Zugriff durch den Mitarbeiter was eigentlich zu tun ist. Betrüger wollen meist sofort das Schloss zerstören, obwohl das gar nicht nötig ist. Ein guter Schlüsseldienst kann Ihnen erklären, warum der Mitarbeiter so vorgehen möchte.

Das sind die häufigsten Merkmale von Betrug beim Schlüsseldienst:

  • Telefonnummern aus mehreren deutschen Städten oder sogar aus dem Ausland
  • Keine persönliche Beratung. Sie fühlen sich hingehalten.
  • Konkrete Absprachen werden nicht zugelassen.
  • Es gibt mehrere Brancheneinträge.
  • Ein Festpreis kann nicht vereinbart werden.

Wenn Sie als Mieter jemals bedrängt oder genötigt werden, rufen Sie sofort die Polizei zur Hilfe. Die Gewerkschaft der Polizei ist über die Betrugsmasche informiert.  

Kautionsbetrug

Sind Sie schon mal auf der Suche nach einer Wohnung auf dasselbe Angebot von unterschiedlichen Inserenten gestoßen? Wenn dann auch noch die Miete unterschiedlich hoch ist, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Betrüger.

Der Betrug funktioniert so: Kriminelle kopieren die Originalanzeige und stellen sie erneut auf einschlägige Portale. Die Miete ist meist deutlich günstiger als die der anderen Anbieter. Nach dem Kontakt wird entweder nur ein Exposé versendet oder eine Besichtigung durchgeführt. Direkt im Anschluss soll nicht nur die Kaution, sondern auch die Miete im Voraus bezahlt werden.

Von den Betrügern ist danach keine Spur mehr. In den meisten Fällen ist auch das Geld für immer verloren.

Verbraucher können sich bei Inseraten auf die Angaben von Maklerbüros verlassen. Auch die Plattformen sind geschädigt. Daher gilt: Bevor Sie jemals Geld überweisen, informieren Sie sich genau über das Unternehmen. Informationen müssen plausibel und nachprüfbar sein.

Nebenkosten falsch berechnet

Die Nebenkostenabrechnung kann für manche Mieter zu einem echten Ärgernis werden. Sie schützen sich am besten vor einer falschen Rechnung, indem Sie als Mieter ihre Werte ebenfalls kurz nach dem Ableser notieren. Wir berichteten bereits über das Monopol einzelner Ablesefirmen.

Wenn Sie trotzdem Probleme mit der Nebenkostenabrechnung haben, hilft der deutsche Mieterbund seinen Mitgliedern mit rechtlicher Unterstützung.

Wuchermieten

In vielen deutschen Großstädten gilt die, vom Bundestag verabschiedete, Mietpreisbremse. Trotzdem wollen viele Vermieter sich nicht daran halten. Gerade bei Neuvermietungen ist es schwer als potenzieller Mieter herauszufinden, ob die Miethöhe gerechtfertigt ist.

Mieter können den Mietspiegel ihrer Stadt einsehen. Dies ist keine Garantie auf eine bestimmte Miethöhe, aber es gibt einen ersten Anhaltspunkt. Hat der Vermieter mehrere Wohnungen im selben Haus, lohnt es sich auch die Nachbarn nach ihrer Miete zu fragen.

Wenn Mieter den Wucher erst nach dem Einzug bemerken, können Sie rechtliche Schritte erwägen.

Quadratmeterangaben stimmen nicht

Sie haben Ihre Wohnung ausgemessen und die Größe stimmt nicht mit den Angaben in Ihrem Mietvertrag überein? Dann haben Sie einen triftigen Grund die Miete zu kürzen oder sogar ganz einzubehalten. Auf jeden Fall brauchen Sie dazu einen rechtlichen Beistand.

In Dachgeschosswohnungen gelten aufgrund der Schrägen auch ein gewisser Spielraum. Dieser ist aber in gerichtlich festgestellt und ein Rechtsanwalt kann Sie beraten.

Kostenpflichtige Angebote

Die Wohnungsbesichtigung kostet Geld oder Angebote werden Ihnen erst gegen Geld zugänglich gemacht? Beides ist komplett unseriös. In beiden Fällen können Geschädigte sofort die Polizei rufen.

Schlüssel per Nachnahme

Sie sind sich mit dem Vermieter einig geworden. Doch der Schlüssel ist noch nicht da und der Vermieter will Ihnen diesen per Post schicken. Als der Briefträger klingelt, handelt es sich um eine teure Nachnahme. Sie müssen diese in keinem Fall annehmen. Es ist sogar möglich vom Mietvertrag zurückzutreten. Sie können den Vermieter anzeigen und sich rechtliche Hilfe holen.

Fazit

Die Betrugsmaschen an Mietern sind vielfältig. Viele sind dreist und nutzen besonders die Hilflosigkeit ihrer Opfer aus. Als Mieter schützen Sie sich am besten, wenn Sie Zeugen für den Versuch oder die Tat haben. Mietervereine stehen in den meisten Fällen auch mit Rat und Tat zur Seite.


Verfasser: Redaktion

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Für neue Eigentümer einer vermieteten Wohnung gilt eine Kündigungssperrfrist von drei Jahren - ob eine Umwandlung in Wohneigentum beabsichtigt ist oder nicht. Foto: Uli Deck Kündigungssperrfrist beim Kauf einer vermieteten Wohnung Es ist auch der Kauf einer bereits vermieteten Wohnung möglich. Um sie selber zu nutzen, muss der neue Eigentümer dem Mieter zunächst kündigen. Allerdings gilt für ihn eine Sperrfrist - von mehreren Jahren.
Von dem Baukindergeld, das die Große Koalition geplant hat, werden laut einer Studie nur wenige profitieren. Foto: Hauke-Christian Dittrich Baukindergeld kommt nur wenigen zugute Viele Menschen wünschen sich ein Leben in den eigenen vier Wänden. Doch in Deutschland wohnt ein großer Teil zur Miete. Die Immobilienbranche will das ändern und gibt eine Studie in Auftrag.
Egal ob Neubau oder Sanierung: Der Staat fördert Immobilieneigentümer mit zahlreichen Porgrammen. Foto: Hauke-Christian Dittrich Welche Förderung gibt es 2019 für Hausbau und Sanierung? Immobilienbesitzer haben viele Möglichkeiten, ihr Haus mit Geld aus der Staatskasse auf Vordermann zu bringen. Auch wer Wohneigentum bauen oder kaufen will, bekommt 2019 wieder Zuschüsse.
Fahrräder im Hausflur sorgen oft für Streit unter Nachbarn. Denn die Räder versperren mitunter den Weg. Erlaubt ist das Abstellen jedenfalls in der Regel nicht. Foto: Andrea Warnecke Wenn der Hausflur für Streit sorgt Immer wieder entflammt unter Bewohnern eines Mehrfamilienhauses Streit übers Treppenhaus und um den Hausflur. Was ist dort erlaubt - und was verboten?