Wie werde ich Kosmetiker/in

15.01.2018
Ob Waxing oder Pediküre: Der Termin bei der Kosmetikerin hat in vielen Kalendern einen festen Platz. In dem Job geht es aber nicht nur um den schönen Schein, sondern auch um fundiertes Wissen. Bei der Wahl des Ausbildungswegs sollten Nachwuchskräfte daher gut aufpassen.
Vom Hobby zum Beruf: Nora Assili macht an der «Berufsfachschule für Kosmetik & Make-up Sevgi Schäfer» in Frankfurt am Main eine einjährige Vollzeitausbildung zur Kosmetikerin. Foto: Andreas Arnold/dpa-tmn
Vom Hobby zum Beruf: Nora Assili macht an der «Berufsfachschule für Kosmetik & Make-up Sevgi Schäfer» in Frankfurt am Main eine einjährige Vollzeitausbildung zur Kosmetikerin. Foto: Andreas Arnold/dpa-tmn

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Als sich Nora Assili dafür entschied, Kosmetikerin zu werden, war in ihrem Umfeld vermutlich niemand überrascht. «Es hat mir immer schon Spaß gemacht, meine Freundinnen zu schminken und Massagen zu machen», erzählt sie.

Die 21-Jährige absolviert eine einjährige Vollzeitausbildung an der Berufsfachschule für Kosmetik und Make-up «S. Schäfer» in Frankfurt am Main. «Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so viel Spaß macht, die Kunden zu beraten», sagt sie.

Der Beruf ist eine klassische Frauendomäne, sagt Sevgi Schäfer. Sie ist die Inhaberin der Schule, die Assili besucht, und Vorsitzende des Zentralverbandes deutscher Kosmetikfachschulen. «Es ist ein sehr schöner Beruf, aber man sollte ihn nicht durch eine rosarote Brille sehen», sagt Schäfer. Fundiertes Fachwissen rund um Maniküre und Pediküre, Haarentfernung und Hautpflege sei genauso wichtig wie der richtige Umgang mit Kunden. «Man sollte Menschen mögen und in der Lage sein, selbst einen Schritt zurückzutreten.»

So sieht es auch Barbara Fehrenbach vom Bundesverband deutscher Kosmetiker/innen. Sie ist selbst Kosmetikerin und Spa-Leiterin in einem Wellnesshotel in Triberg im Schwarzwald. «Ganz wichtig in dem Beruf ist Einfühlungsvermögen, denn man kommt den Menschen sehr nahe.» Ein gepflegte Äußeres und Sinn für Ästhetik, gute Noten in Chemie und Biologie sowie Sorgfalt seien ebenfalls gefragt - genau wie ein gewisses Verkaufstalent.

Kosmetikerinnen werden zwar auch im dualen System ausgebildet, also zwei oder drei Jahre in Betrieb und Berufsschule. Das ist aber eher die Ausnahme als die Regel, erklärt Schäfer. In Deutschland lernen die meisten angehenden Kosmetikerinnen daher an privaten Schulen.

Nora Assili begann ihre Ausbildung in einem Kosmetikinstitut, wechselte dann aber doch an eine Schule. Auszubildende bekommen in den Lehrjahren eine Vergütung, nach Angaben von Barbara Fehrenbach beginnend bei etwa 400 Euro. An den Schulen ist es anders: Kostenlos sind nur wenige staatliche Einrichtungen in Deutschland. Wer eine private Schule besucht, muss selbst zahlen - nach Angaben von Schäfer zwischen 5000 und 7000 Euro.

Häufig ist die Ausbildung auch berufsbegleitend möglich. Einsteigern rät die Schulleiterin aber zu einer einjährigen Vollzeitausbildung, am besten einer staatlich anerkannten. Deren Rahmenlehrplan wird vom zuständigen Landesministerium geprüft.

Angehende Kosmetikerinnen lernen im Idealfall alles rund um Beratung und Behandlung im Bereich Körperpflege. Dazu gehören Hygienevorschriften, Dermatologie und Anatomie - genauso aber auch Warenverkauf, Wirtschafts- und Berufskunde. Praktisch üben sie komplette Behandlungsabläufe ein, von der Hautreinigung bis zum Make-up.

Die beruflichen Einsatzgebiete für gelernte Kosmetikerinnen sind vielfältig. Sie arbeiten in Hautarztpraxen, Kliniken oder Ärztezentren, in Kosmetikfirmen, Apotheken und Parfümerien sowie auf Kreuzfahrtschiffen, in Wellness- oder Skihotels. «Es werden händeringend Fachkräfte gesucht», sagt auch Fehrenbach. Einen Tarif gibt es nicht. Ein gutes Einstiegsgehalt für angestellte Kosmetikerinnen liegt nach Angaben der Expertin bei etwa 2000 Euro.

Nicht zuletzt bietet sich der Beruf mit eigenem Kosmetikstudio für die Selbstständigkeit an. Dafür braucht man lediglich einen Gewerbeschein. Das hat auch Nora Assili im Blick: «Gerade in der Kosmetik kann es nur perfekt sein, wenn man nach seinen Vorstellungen und Prinzipien arbeitet.» Vorher will sie aber in einer Festanstellung Erfahrungen sammeln.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Kristina Bauer (l.) macht im Betrieb von Daniel Zahn (r.) eine Ausbildung zum Pinsel- und Bürstenmacher. Hier unterhalten sich beide über ein Fell zur Pinselherstellung. Foto: Daniel Karmann Wie werde ich Pinsel- und Bürstenmacher/in? Für Kunst oder Kosmetik: Hochwertige Pinsel werden immer noch per Hand hergestellt. Doch auch das traditionsreiche Handwerk geht mit der Zeit, mit modernen Maschinen und veganen Produkten. Die Branche ist klein und auf der Suche nach Nachwuchs.
Fremde Wesen zum Leben erwecken: In der Werkstatt des Theater Ulm bastelt Vivien Büttgen unter anderem solche aufwendigen Masken. Foto: Deniz Calagan Maskenbildner: Verwandlung mit Silikon und Perücke Was wäre ein Lord Voldemort ohne sein entstelltes Gesicht? Oder ein Frodo ohne seine haarigen Füße? Ohne die Arbeit von Maskenbildnern wäre mancher Film nur halb so faszinierend. Denn sie erschaffen Wesen aus anderen Welten und vergangenen Epochen.
Ungewisse Zukunft: Nach ihrer Ausbildung zur Modistin will Monique Stahl eventuell noch ein Modestudium absolvieren. Foto: Ina Fassbender Wie werde ich Modist/in? Modist, Putzmacher oder Hutmacher – es gibt wohl kaum einen Beruf, der so viele verschiedene Namen hat. Kein Wunder, gibt es ihn doch schon seit Jahrhunderten. Doch im Traditionsberuf herrscht Nachwuchsmangel. Hat er trotzdem eine Zukunft?
Wer eine Ausbildung machen möchte und auf das Gehalt schaut, sollte Fluglotse werden. Die Experten verdienen überdurchschnittlich gut. Foto: Boris Roessler Diese Ausbildungsberufe lohnen sich Klar, niemand sucht eine Ausbildung nur nach dem Gehalt aus. Doch was wird eigentlich nach der Ausbildung so verdient? Welche Jobs zahlen sich aus und welche eher nicht? Ein paar Fakten rund um das Thema Gehalt.