Wie Wärme Rückenschmerzen lindert

14.10.2020
Bei Verspannungen können wärmende Cremes oder Pflaster eine Wohltat sein. Doch wieso tun sie uns dann so gut? Ein Schmerzexperte erklärt, was dahintersteckt - und warum manchmal Vorsicht geboten ist.
80 Prozent der Kreuzschmerzen sind Muskelschmerzen. Bei Wärme entspannt der Muskel und die Schmerzen lassen nach. Foto: Christin Klose/dpa-tmn/dpa
80 Prozent der Kreuzschmerzen sind Muskelschmerzen. Bei Wärme entspannt der Muskel und die Schmerzen lassen nach. Foto: Christin Klose/dpa-tmn/dpa

Mainz (dpa/tmn) - Bei Rückenschmerzen hilft oft Wärme in Form von Salben oder Pflastern. Aber warum? «Grundsätzlich ist es so, dass rund 80 Prozent der Kreuzschmerzen Muskelschmerzen sind, die auf Verspannungen und Dysbalancen gründen», sagt der Orthopäde Prof. Hans-Raimund Casser.

«Ein Muskel reagiert auf Wärme positiv, er entspannt und dann lassen die Schmerzen nach», erläutert der ärztliche Direktor des DRK-Schmerzzentrums in Mainz.

Manche nutzen auch Kirschkernkissen, die sich erwärmen und auf den Rücken legen lassen. Alles sei erlaubt und möglich, solange es die Haut nicht verbrennt, meint Casser, der im Präsidium der Deutschen Schmerzgesellschaft sitzt. Wärmflaschen seien oft zu heiß.

Vorsicht bei gestörtem Schmerzempfinden

Behutsam sollten Menschen sein, deren Schmerzempfinden gestört ist - Diabetiker zum Beispiel. Sie bekommen womöglich zu spät mit, wenn ihre Haut durch Hitze Schaden nimmt. Bei Verletzungen oder Entzündungen auf der Haut - etwa in Folge eines Insektenstichs - seien Wärmemaßnahmen generell meistens nicht gut, so Casser.

Spezielle Pflaster und Salben enthalten Schmerzmittel und teils Wirkstoffe gegen Entzündungen. Nicht-verschreibungspflichtige Mittel würden ein bis zwei Zentimeter unter der Haut wirken. «Wenn man weiß, dass die meisten Störungen nicht so oberflächlich sind, geht man also damit nur gegen die Symptome und nicht die Ursache der Schmerzen vor», erläutert der Mediziner. Aber das sei ja auch in Ordnung.

Pflaster generell etwas wirkungsvoller

Generell seien Pflaster etwas wirkungsvoller als Cremes, so Casser, weil sie eine Isolierschicht nach außen haben, was ihre Wirkung nach innen verstärkt.

Es gibt auch Pflaster mit einem sehr hohen Anteil des Chili-Extrakts Capsaicin, die bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden können. Zum Beispiel, wenn Bandscheiben auf Nerven drücken. «Die haben auch eine tiefere Wirkung und reduzieren die Schmerzrezeptoren», erläutert der Experte. Allerdings müssen die Pflaster aufgrund ihrer starken Wirkung unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden.

Warum wirkt Wärme auch an den Nerven und nicht nur am Muskel? Die Schmerzleiter (C-Fasern) sind laut Casser die dünnsten Nervenfasern, die wir haben - und die seien sowohl für das Temperatur- als auch das Schmerzempfinden zuständig. «Damit lässt sich das Schmerzempfinden durch Kälte- und Wärmereize unterdrücken.»

© dpa-infocom, dpa:201013-99-928396/3


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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