Wie viel darf Parship nach Widerruf verlangen?

08.10.2020
Eine Premium-Mitgliedschaft bei «Parship» kostet mitunter mehrere Hundert Euro. Als eine Nutzerin nach Vetragsschluss von ihrem 14-tägigen Widerrufsrecht Gebrauch machte, wurde von ihr ein Wertersatz verlangt. Laut EuGH fiel dieser allerdings zu hoch aus.
Weil in dem Vertrag kein gesonderter Preis für Einzelleistungen vermarkt war, hätte die Partnervermittlung bei Widerruf nur einen zeitanteiligen Wertersatz verlangen dürfen. Foto: Ralf Hirschberger/zb/dpa
Weil in dem Vertrag kein gesonderter Preis für Einzelleistungen vermarkt war, hätte die Partnervermittlung bei Widerruf nur einen zeitanteiligen Wertersatz verlangen dürfen. Foto: Ralf Hirschberger/zb/dpa

Luxemburg (dpa) - In einem Rechtsstreit über hohe Kosten bei Widerruf eines Vertrags der Partnervermittlung Parship hat der Europäische Gerichtshof einer deutschen Verbraucherin den Rücken gestärkt.

Die Firma durfte erbrachte Leistungen während der Widerrufsfrist von 14 Tagen nur zeitanteilig in Rechnung stellen und nicht den Großteil des Preises für ein Jahresabo verlangen, wie der EuGH nun in Luxemburg entschied. Der Fall dürfte wegweisend für Hunderte weitere beim Amtsgericht Hamburg sein. (Rechtssache C-641/19)

Die Kundin hatte im November 2018 eine Premium-Mitgliedschaft für zwölf Monate bei Parship für 523,95 Euro abgeschlossen. Nach vier Tagen widerrief sie den Vertrag, also innerhalb der gesetzlich gewährten Frist. Der Betreiber wollte dafür 392,96 Euro als Wertersatz in Rechnung stellen.

Die Firma argumentierte, dass die Frau ausdrücklich zugestimmt habe, bereits während der Widerspruchsfrist erste Leistungen zu erhalten, und gerade diese hätten den größten Wert. So erhalten neue Mitglieder nach einem dreißigminütigen Persönlichkeitstest sofort automatisiert Partnervorschläge im selben Bundesland. Premium-Mitglieder bekommen ein 50-seitiges Persönlichkeitsgutachten, das Basis-Mitglieder gegen Entgelt als Teilleistung kaufen können.

Der EuGH entschied jedoch, dass bei Widerruf nur zeitanteilig zu zahlen war - in diesem Fall also für vier Tage. Nur wenn ein Vertrag ausdrücklich einen getrennten Preis für Leistungen zu Beginn der Laufzeit vorsieht, ist dieser fällig. In dem fraglichen Vertrag sei aber kein gesonderter Preis für irgendeine Einzelleistung vermerkt gewesen, stellt der EuGH fest.

Der Fall der Verbraucherin geht nun zurück ans Amtsgericht Hamburg, das die EU-Kollegen um Auslegung der EU-Verbraucherrechte gebeten hatte. In Hamburg sind nach Angaben des Amtsgerichts mehr als 800 Parallelverfahren anhängig. (Rechtssache C-641/19)

© dpa-infocom, dpa:201008-99-874820/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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