Wie hilfreich sind Online-Lernvideos auf YouTube?

12.02.2021
Im Corona-Lockdown sehen viele Lehrer ihre Schüler nur noch am Bildschirm. Um trotzdem im Kontakt zu bleiben, sind kreative Lösungen gefragt. Eine Lehrerin dreht Videos mit einem Plüschbär als Star.
Lernvideos bieten eine willkommene Abwechslung im Homeschooling-Alltag. Gewerkschaften und Verbände üben aber auch Kritik. Foto: Dominic Lipinski/PA Wire/dpa
Lernvideos bieten eine willkommene Abwechslung im Homeschooling-Alltag. Gewerkschaften und Verbände üben aber auch Kritik. Foto: Dominic Lipinski/PA Wire/dpa

Berlin (dpa) - Xenia Schütz aus Berlin-Biesdorf möchte ihren Schülern in der Corona-Krise Mut machen - und setzt dabei auf kleine Clips bei YouTube. Star ihres Kanals «Bärchen TV» auf der Videoplattform ist das Plüschtier «Bärchen».

Der Bär mit der blau-weiß gestreiften Hose hat immer eine gute Idee parat und erzählt den Kindern von den Dingen, die ihn jeden Tag beschäftigen. Es sind Ferien, aber verreisen geht nicht - «Bärchen» hat sich eine Insel gebaut, mit eigener Höhle und einem Boot. Oder er macht ein Tischtennisturnier.

«Es geht darum, gut durch die Krise zu kommen», sagt Lehrerin Schütz, die ihre Schüler derzeit im Corona-Lockdown nur noch am Bildschirm sieht. Und das gehe am besten mit Lachen.

«Bärchen»-Videos sollen Schüler zum Lachen bringen

In Berlin sind die Schulen seit Mitte Dezember geschlossen. Xenia Schütz versucht trotzdem für ihre Erst- und Zweitklässler da zu sein. Und die «Bärchen»-Videos, die sie auf YouTube veröffentlicht, sind ein Mittel dazu. Sie unterrichtet an der Grundschule am Fuchsberg seit 20 Jahren Lebenskunde. Zu jedem der sehr kurzen Clips stellt sie eine Frage, die mit den Themen aus ihrem Fach zu tun haben. Die Schüler können ihre Antwort malen und ein Foto davon schicken oder sie als Sprachnachricht aufnehmen.

Der Bär ist schon lange Teil von Xenia Schütz' Unterricht. Vor Corona konnten die Kinder ihn mit nach Hause nehmen. Nun gibt es «Bärchen» digital. Und das kommt sehr gut an - bei Kindern, Eltern und auch Kollegen, berichtet Schütz.

YouTube-Videos als Lernformat: Könnte das auch für die Zeit nach Corona Schule machen? Geht es nach Kai Schmidt, heißt die Antwort ganz klar: Ja! Unter dem Namen «Lehrerschmidt» erklärt er seit 2015 Rechnen auf YouTube. Seine Videos wurden fast 100 Millionen Mal angeklickt - im ersten Corona-Lockdown 2020 verdoppelten sich die täglichen Aufrufe, sagt er.

Kostenloser Nachhilfe-Unterricht

Auch bekam er viele Anfragen von Lehrern und Verbänden, in denen er nach Rat gefragt wurde. Der Pädagoge aus Uelzen in Niedersachsen mit einer nach eigenen Worten großen Anhängerschaft in Berlin sieht mehrere Vorteile in den Videos: Zum einen könnten sich die Schüler ihre Lehrer aussuchen, zum anderen seien die Videos anders als Nachhilfe-Unterricht kostenlos.

Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE),Udo Beckmann, sieht in den Videos eine gute Auflockerung für den Unterricht. Er gibt aber zu bedenken, dass kostenlose Angebote keiner Qualitätsprüfung unterliegen. Die mangelnde Prüfung der Inhalte ist auch für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) der Hauptkritikpunkt.

Ein großes Thema unter Lehrern seien die Clips aber trotzdem. Nach Angaben des VBE würden Lehrer gerne öfter digitale Medien benutzen. Das hätten eigene Umfragen gezeigt. Ein Pluspunkt werde in der besseren individuellen Förderung gesehen. Beckmann hofft, dass die Digitalisierung an den Schulen weiter vorangetrieben wird.

Clips werden mit einfachen Mitteln produziert

Es wird sich also zeigen, welche Rolle die Lernvideos nach dem Lockdown spielen, etwa wenn die Schulen in Berlin am 22. Februar schrittweise wieder öffnen. Was die Clips können, zeigen die Kanäle von Xenia Schütz und Kai Schmidt. Die Videos sind schnell und einfach gemacht, sagt «Lehrerschmidt». Er selbst sei auch kein Technikprofi.

Schütz hatte zwar etwas Vorerfahrung im Filmbereich. Die Umsetzung erfolgte jedoch mit einfachsten Mitteln: Die Kulissen sind selbst gemalt und ausgeschnitten, erzählt sie. «Bärchen» und sein Freund «Schäfchen» würden von ihr selbst gesprochen. Und so hat Schütz auf sehr kreative Weise für ihre Schüler - zumindest im Moment - eine eigene kleine Insel im tristen Corona-Meer gebaut.

© dpa-infocom, dpa:210212-99-412326/3

Bärchen TV

Lehrerschmidt


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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