Wenn Pubertierende zu Maskenverweigerern mutieren

12.06.2020
Auch wenn Schulen, Läden, Kinos und Co. längst wieder geöffnet haben, gelten zwei Regeln weiter: Masken tragen und Abstand halten. Manchen Teenagern fällt es schwer, sich daran zu halten.
Viele Jugendliche rebellieren gegen die Maskenpflicht. Foto: Christian Beutler/KEYSTONE/dpa/Illustration
Viele Jugendliche rebellieren gegen die Maskenpflicht. Foto: Christian Beutler/KEYSTONE/dpa/Illustration

München (dpa/tmn) - In Cliquen ziehen sie ohne Maske durch Einkaufszentren und finden sich richtig cool dabei. Oder sie reißen demonstrativ die Atemschutzmaske vom Gesicht, sobald die Eltern außer Sichtweite sind. Manchmal hört man Eltern auch mit ihren Teenagern streiten, weil diese sich weigern, die Masken zu tragen.

«Teenager sind oft prinzipiell gegen alles - das ist quasi ihr Job während der Pubertät», erklärt Familiencoach Kira Liebmann aus München. Je mehr Eltern die Kinder drängen, etwas zu tun oder nicht zu tun, desto eher würden die Jugendlichen genau das Gegenteil versuchen. «Die Maskenpflicht ist daher bei vielen Jugendlichen ein prima Weg, das «Ich bin dagegen» zu demonstrieren. Wer in der Clique dabei am mutigsten vorgeht, hat das höchste Ansehen», so Liebmann, die als Pubertätstrainerin Eltern coacht.

Oft zählt nur, was Eltern vorleben

Jugendliche würden sich viel über ihre Außenwirkung und Äußeres definieren. Masken werten da ein Gesicht nicht unbedingt auf. Gerade wo Schönheit und Aussehen auf Instagram einen hohen Stellenwert einnehmen, soll man sein Gesicht verdecken? Keine Maske passe da zum vorher genau überlegten Look. Was können Eltern da ausrichten?

«Während der Pubertät ist der Bereich im Gehirn kaum ansteuerbar, der für logisches und überlegtes Handeln und Denken zuständig ist», weiß Liebmann. Eltern sollten daher überprüfen, was sie vorleben: Werden Masken in der Familie negativ, positiv oder überhaupt thematisiert?

Integrieren Eltern die Masken in den Alltag? Oder regen sie sich über sie auf, weil man darunter nicht atmen kann? All das habe Einfluss auf das Verhalten der Kinder. Liebmann: «Teenager tun nicht immer was Eltern sagen, aber oft was Eltern tun.»

Kein Machtkampf mit dem Teenie

Liebmann empfiehlt, sich nicht auf einen Machtkampf einzulassen. «Diesen verlieren Eltern meistens. Entweder weil sie aufgeben oder überzogene Strafen aussprechen. Beides belastet die Eltern-Kind-Beziehung mehr als dass es nützt», erklärt die Jugendexpertin.

Bei Teenies, die sich auf keine Argumente einlassen, zieht es oft eher, wenn Schule oder Verkaufspersonal sagen, dass es ohne Maske nicht geht. «Hauptsache, es kommt nicht von den Eltern.»

© dpa-infocom, dpa:200610-99-380249/3

Blog Kira Liebmann


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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