Wenn Eltern hören: «Die anderen dürfen das aber auch»

30.10.2020
Alle Eltern werden früher oder später mit dem Kinder-Argument konfrontiert, dass es andere Kinder viel besser hätten, weil sie mehr dürften. Wie verhält man sich?
«Alle haben schon ein eigenes Smartphone, nur ich nicht.» Eltern haben oft gute Gründe, wenn sie es ihrem Kind verwehren. Wichtig ist, die Entscheidung richtig zu vermitteln. Foto: Silvia Marks/dpa-tmn
«Alle haben schon ein eigenes Smartphone, nur ich nicht.» Eltern haben oft gute Gründe, wenn sie es ihrem Kind verwehren. Wichtig ist, die Entscheidung richtig zu vermitteln. Foto: Silvia Marks/dpa-tmn

Bonn (dpa/tmn) - Aus Kindersicht haben es die anderen immer besser: Sie dürfen viel länger online sein, dürfen schon Spiele für Erwachsene zocken, länger aufbleiben, bekommen mehr Taschengeld und coolere Klamotten.

Vom vermeintlichen Totschlagargument «Die anderen dürfen das aber auch» oder «Die anderen haben das aber auch» können Eltern ein Lied singen. Was wäre eine schlaue Reaktion?

Erziehungsexpertin Nicola Schmidt empfiehlt eine klare Ansage, die so aussehen könnte: «Ja, kann ich mir vorstellen, dass das andere dürfen. Aber jede Familie hat eigene Regeln und unsere sind eben anders.»

Der Bestsellerautorin von Erziehungsratgebern wie «Erziehen ohne Schimpfen» ist es wichtig, Kindern Regeln zu vermitteln. Dabei könnten Kinder schon mit drei Jahren verstehen, was universelle Regeln sind, etwa, dass man nicht stehlen darf, niemanden verletzen oder hauen soll.

Dann gäbe es auch noch individuelle Regeln, die eine Familie für ihr Zusammenleben festlegt. Das kann bei Mahlzeiten anfangen, die zusammen am Esstisch eingenommen werden und nicht auf dem Sofa. Wann wer als erster aufstehen darf, wenn er fertig ist. Oder eben auch, wie lange am Tablet gehockt werden darf.

Will das Kind dann länger als zwei Stunden chatten («Max darf das auch!»),könnten Eltern reagieren: «Ja, ich höre Dich. Ich weiß, dass dir 2 Stunden nicht reichen. Aber mehr ist nachweislich nicht gut für dein Gehirn.»

Während manche Regeln unverrückbar sind, könne man bei anderen auch mal Kompromisse eingehen. «Die würde ich zusammen mit dem Kind aushandeln», schlägt Schmidt vor, etwa wenn die Fernsehzeit abgelaufen ist. Beispiel: «Okay, am Wochenende legen wir einen Fernsehtag ein. Wir bleiben mal alle im Bett, kuscheln uns aneinander und gucken den ganzen Tag nur Filme zusammen.»

© dpa-infocom, dpa:201029-99-133760/2

Webseite Nicola Schmidt


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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