Wen man wann bei Ärger im Heim ansprechen kann

20.08.2019
Ob Personalmangel oder unerfüllte Erwartungen: Es gibt mehrere Gründe, weshalb es im Pflegeheim zu Problemen zwischen Personal und Bewohnern kommt. An wen sollte man sich als Pflegebedürftiger wenden?
Aus Angst schweigen Heimbewohner oft lieber. Dabei lassen sich manche Probleme im Gespräch mit Pflegekräften oder Heimleitung lösen. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn
Aus Angst schweigen Heimbewohner oft lieber. Dabei lassen sich manche Probleme im Gespräch mit Pflegekräften oder Heimleitung lösen. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Im Pflegeheim kommt es zwischen Pflegekräften und Pflegebedürftigen immer mal wieder zu Konflikten. Aus Angst vor negativen Folgen schweigen Heimbewohner aber oft lieber.

Dabei sollte man Probleme oder Mängel zunächst mit der Pflegekraft oder Pflegedienstleitung vor Ort besprechen. Dazu rät die Stiftung Warentest in der Zeitschrift «Finanztest» (Ausgabe 9/2019). Die Heimleitung sollte erst einbezogen werden, wenn sich keine Einigung mit den Pflegekräften ergibt.

Darüber hinaus können Betroffene auch das Gespräch mit ihrem Heimbeirat oder Heimfürsprecher suchen. Sie vertreten die Interessen der Bewohner gegenüber der Heimleitung. Neben Pflegebedürftigen können auch Angehörige oder andere externe Personen in den Beirat gewählt werden. Laut Experten haben Außenstehende oft mehr Mut, sich kritisch zu äußern. Gibt es keinen Beirat, übernimmt ein von der Aufsichtsbehörde ernannter Heimfürsprecher dessen Aufgaben.

Bei Mängeln haben Heimbewohner das Recht auf eine Minderung ihrer Entgelte. Dafür sollten sie aber die Probleme gut dokumentieren und dem Pflegeheim am besten schriftlich darlegen. Darin sollte man den Heimbetreiber dazu auffordern, Mängel zu beheben, und gleichzeitig ankündigen, andernfalls den eigenen Anteil am Heimentgelt zu reduzieren.

Wenn sich keine Verbesserungen zeigen, sollte man eine Beschwerde bei der Pflegekasse oder der zuständigen Heimaufsicht erwägen. Scheitern am Ende alle Bemühungen, können Pflegebedürftige bis zum dritten Werktag jeden Monats zum Ende desselben Monats ordentlich kündigen. Bei wichtigen Gründen wie Vertrauensbrüchen durch das Personal oder mangelhafter Pflege entfällt diese Kündigungsfrist.

Informationen zum Thema Pflegeheim (Stiftung Warentest)


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ein neuer Ratgeber des «Zentrum für Qualität in der Pflege» gibt Angehörigen Tipps, welche Leistungen eines Pflegeheims sie überprüfen sollten, bevor ein Pflegebedürftiger dort einzieht. Foto: Uwe Anspach/dpa Was man bei der Wahl eines Pflegeheims beachten sollte Skandalöse Zustände in Pflegeheimen sind immer wieder Thema in den Medien. Angehörige von Pflegebedürftigen sorgen sich, ob das ausgewählte Heim auch eine angemessene Versorgung bieten kann. Wie erkennt man, wie gut die Versorgung in einem Heim ist?
Wer seine Angehörigen pflegt und eine Pause braucht, kann diese Aufgabe an eine Vertretung übergeben. Einen Teil der Kosten übernimmt die Pflegekasse. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa Auszeit von der Pflege: Wenn Angehörige eine Pause brauchen Pflege kostet Kraft. Daher ist es normal, dass ein Pflegender ab und an eine Pause braucht. Die Pflegekasse beteiligt sich an den Kosten für eine Vertretung. Pflegende haben mehrere Optionen.
Um den Pflegegrad einer bedürftigen Person zu ermitteln, muss ein Experte zunächst ein Gutachten erstellen. Ausschlaggebend sind dabei die Bereiche Mobilität, geistige und kommunikative Fähigkeiten, Verhalten, Selbstversorgung, Umgang mit Erkrankungen und Belastungen sowie soziale Kontakte. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa Pflegebegutachtung: Was Betroffene wissen müssen Diese Änderung gilt seit Anfang dieses Jahres: Statt drei Pflegestufen gibt es nun fünf Pflegegrade. Für deren Ermittlung bedarf es zunächst einer Begutachtung, bei der sechs Bereiche eine besonders große Rolle spielen.
In der Pflegedokumentation werden die geplanten und durchgeführten Pflegeschritte schriftlich dokumentiert. Angehörige dürfen diese einsehen. Foto: Sebastian Kahnert Angehörige dürfen Pflegedokumentation einsehen Wie gut wird ein Angehöriger im Pflegeheim versorgt? Auf den ersten Blick ist das nicht immer gleich ersichtlich. Mehr Aufschluss gibt die Pflegedokumentation. Bevollmächtige dürfen auch hier hineinschauen.