Welche Untersuchungen zur Früherkennung wem zustehen

31.12.2018
Zum Arzt, obwohl gar nichts wehtut? Klingt nicht so verlockend. Doch es gibt Krankheiten, die keine Beschwerden verursachen - die aber gut behandelbar sind. Darum ergibt die eine oder andere Früherkennungsuntersuchung durchaus Sinn.
Auch wer nicht krank ist, sollte sich ab und an beim Arzt blicken lassen. So können Erkrankungen bestenfalls schon früh erkannt und behandelt werden. Foto: Roger Richter/Westend61/dpa-tmn
Auch wer nicht krank ist, sollte sich ab und an beim Arzt blicken lassen. So können Erkrankungen bestenfalls schon früh erkannt und behandelt werden. Foto: Roger Richter/Westend61/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Wer sich gesund und fit fühlt, verschwendet meist keinen Gedanken daran, zum Arzt zu gehen. Das Problem: Viele Krankheiten wie etwa Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte machen sich im Anfangsstadium so gut wie gar nicht bemerkbar.

Sie können aber später etwa zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Damit es dazu nicht kommt, ist es wichtig, Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen. Je eher Risiken erkannt werden und je früher man gegensteuert, desto besser sind die Chancen auf viele weitere gesunde Jahre.

Krebsfrüherkennung für Frauen

Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ab einem Alter von 20 Jahren haben hierauf alle zwölf Monate Anspruch. Die Untersuchung erfolgt bei einem Gynäkologen. Dabei wird ein Abstrich vom Gebärmutterhals genommen sowie die inneren und äußeren Geschlechtsorgane untersucht, wie Ann Marini vom GKV Spitzenverband in Berlin erklärt.

Chlamydien-Screening für Frauen

Chlamydien sind Bakterien. Sie führen zu Entzündungen der Harnröhre, der Genitalien und des Enddarms. Viele Chlamydien-Infektionen werden nicht entdeckt, weil sie kaum Beschwerden verursachen. Chlamydien können aber zu Unfruchtbarkeit führen - oder bei einer Schwangeren zu einer Frühgeburt. Anspruch auf ein jährliches Chlamydien-Screening haben gesetzlich Krankenversicherte bis zum Alter von 25 Jahren, so Marini.

Erweiterte Krebsfrüherkennung für Frauen

Das ist eine GKV-Leistung für Frauen ab 30 Jahren. Im Fokus stehen Fragen nach der Veränderung von Haut oder Brust. Hinzu kommt laut Marini ein Abtasten des Arztes von Brust und Achselhöhlen auf Auffälligkeiten. Der Gynäkologe erklärt auch, wie die Patientin selbst ihre Brust abtasten kann.

Check-up für Frauen und Männer

Dabei schaut der Arzt, wie gesund jemand ist. Bislang steht die Untersuchung gesetzlich Versicherten ab 35 alle zwei Jahre zu. Ab voraussichtlich Frühjahr 2019 haben Kassenpatienten alle drei Jahre Anspruch darauf, dafür soll es eine weitere einmalige Untersuchung im Alter zwischen 18 bis 35 Jahren geben.

Beim Check-up stellt der Arzt ein paar Fragen zur Vorgeschichte des Patienten. Danach erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der unter anderem Herz, Bauch und Lunge überprüft werden, erläutert der Kieler Internist Prof. Ulrich R. Fölsch. Anschließend nimmt der Arzt Blut ab. Es wird im Labor mit Blick auf Blutzucker- und Cholesterinwerte untersucht. Anhand der Ergebnisse kann der Arzt einschätzen, ob ein Risiko etwa für Diabetes mellitus besteht. Bislang kommt die GKV nur für die Bestimmung des Gesamtcholesterins auf. Demnächst soll es ein differenziertes Bild vom Cholesterin sein - aufgeschlüsselt nach dem «guten» und dem «bösen» Cholesterin sowie den Triglyzeriden.

Zudem wird beim Check-up der Blutdruck des Patienten gemessen. Dieser Wert kann gemeinsam mit dem Cholesterin-Wert Aufschluss darüber geben, ob ein Risiko für Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) oder für einen Herzinfarkt besteht. Ebenfalls zum Check-up gehört eine Urin-Untersuchung. Sie gibt Hinweise etwa auf Nieren- oder Blasenerkrankungen. Künftig überprüft der Arzt beim Check-up auch den Impfstatus, sagt Fölsch.

Hautkrebs-Screening für Frauen und Männer

Dabei geht es darum, Anzeichen für weißen oder schwarzen Hautkrebs aufzuspüren. Der Arzt schaut sich den ganzen Körper an. Dieses Screening sollte nach Möglichkeit in Verbindung mit dem Check-up durchgeführt werden, rät das Bundesgesundheitsministerium. In Anspruch nehmen können es alle Versicherten ab 35 Jahren alle zwei, künftig alle drei Jahre.

Krebsfrüherkennung für Männer

Ab ihrem 45. Lebensjahr können Männer diese Untersuchung jährlich auf Kassenkosten in Anspruch nehmen. Dabei werden die Prostata und die äußeren Genitale abgetastet.

Mammographie-Screening

Frauen ab 50 erhalten bis zu ihrem 69. Lebensjahr alle zwei Jahre eine Einladung zum Screening in einer zertifizierten medizinischen Einrichtung. Dabei werden ihre Brüste durch Mammographie geröntgt, um so etwa Knötchen auf die Spur zu kommen.

Darmkrebsfrüherkennung für Frauen und Männer

Ab dem 50. bis zu ihrem 55. Lebensjahr haben Frauen und Männer jährlich, ab dem 55. Lebensjahr alle zwei Jahre, Anspruch auf eine Untersuchung, die verborgenes Blut im Stuhl aufspürt. Alternativ hierzu können Erwachsene ab dem 55. Lebensjahr im Abstand von zehn Jahren zwei Früherkennungs-Darmspiegelungen vornehmen lassen.

Ultraschall-Screening zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen

Seit Januar 2018 können Männer ab 65 einmalig eine Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung eines Bauchaortenaneurysma (Erweiterung der Bauchschlagader) in Anspruch nehmen. Die Untersuchung werde nur Männern angeboten, weil diese wesentlich häufiger von einem Bauchaortenaneurysma betroffen seien als Frauen, heißt es beim Bundesgesundheitsministerium.

Zahnvorsorge

Die GKV zahlt für ihre erwachsenen Versicherten zwei Kontrolluntersuchungen im Jahr. Außerdem kommt sie alle zwölf Monate für die Entfernung von harten und weichen Zahnbelägen auf.

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)

Neben Früherkennungsuntersuchungen auf Kassenkosten gibt es Zusatz-Vorsorgeuntersuchungen, die Ärzte als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) anbieten. Sie gehören nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung in der vertragsärztlichen Versorgung. Entweder liegen nach Angaben Ministeriums keine ausreichenden Belege für ihren Nutzen vor oder sie sind noch nicht auf ihren Nutzen bewertet worden.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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