Was tun, wenn Kinder den roten Faden verlieren?

30.08.2019
Wenn Vierjährige herumträumen und sich in eine eigene Welt verabschieden, dringen Eltern selten durch. Welchen Weg gibt es dann noch, das Kind zu erreichen?
Kinder sind oft sehr in ihre Fantasiewelt vertieft. Wollen Eltern sie aus ihr herausholen, gehen sie am besten in die Hocke und sprechen sie mit kurzen, klaren Sätzen an. Foto: Monika Skolimowska
Kinder sind oft sehr in ihre Fantasiewelt vertieft. Wollen Eltern sie aus ihr herausholen, gehen sie am besten in die Hocke und sprechen sie mit kurzen, klaren Sätzen an. Foto: Monika Skolimowska

Fürth (dpa/tmn) - Eigentlich wollte das vierjährige Kind ja seine Stulle essen. Doch dann spielt es lieber mit der Käsepackung. Und das für eine gefühlte Ewigkeit.

Die Nummer wiederholt sich beim Zähneputzen. Es stellt sich schon den Hocker vor dem Waschbecken zurecht, macht dann aber was ganz anderes und träumt sich in eine ganz andere Welt. Müssen sich Eltern Sorgen machen, wenn ihr Kind ständig den roten Faden verliert?

«Die Träumerei-Phase ist völlig normal im Kindergartenalter», beruhigt Dorothea Jung von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Die Kinder würden ganz viel bei diesem Herumspielen lernen. Auch wenn das Mama und Papa vielleicht nicht glauben: «Die Kleinen machen in dem Moment ganz viele Erfahrungen. Sie sind in ihrer eigenen Welt und nehmen die Umgebung nur durch eine Art Filter wahr», erklärt die Erziehungsberaterin.

Durch diesen Filter würden nur für das Kind spannende und relevante Sachen durchdringen. Der Ruf aus der Küche, dass es jetzt Zähneputzen soll, gehört definitiv nicht dazu. Doch wie können Eltern ihr Kind trotzdem erreichen? Die Pädagogin rät, zuerst Augenkontakt herzustellen. «Dabei sollten Sie vor dem Kind in die Hocke gehen und in kurzen, klaren Sätzen sprechen», empfiehlt die Expertin. Das Kind müsse merken, die Eltern meinen es ernst.

Das kenne man schließlich von sich selbst, wenn man in eine interessante Sendung oder ein spannendes Buch vertieft ist und der Partner etwas aus der Küche ruft. «Da bekommt man ja auch nichts so richtig mit», erinnert Jung besorgte Eltern.

Verspielt und verträumt zu sein, ist also nichts Ungewöhnliches. Dorothea Jung macht Mut: «Normalerweise vergeht das wieder, wenn das Kind älter wird.»

Elternberatung der bke


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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