Was tun, wenn die Kinder eines Freundes kleine Teufel sind?

10.12.2018
Die Kinder des besten Freundes sind richtige kleine Nervensägen. Aber wie soll man das ansprechen, ohne dass es peinlich wird?
Wenn die Kinder des besten Freundes nerven, sollte man den eigenen Frust darüber nicht endlos aufschieben. Foto: Tim Brakemeier
Wenn die Kinder des besten Freundes nerven, sollte man den eigenen Frust darüber nicht endlos aufschieben. Foto: Tim Brakemeier

Stuttgart (dpa/tmn) - Manche Frage traut man sich kaum zu stellen - nicht einmal dem Partner, und auch nicht einem Arzt oder Anwalt. Das Thema ist unangenehm, der Einblick in die persönlichen Lebensumstände könnte peinlich und tief werden, vielleicht drohen sogar rechtliche Konsequenzen.

Doch wie gut, dass einen Freund gerade ganz genau dasselbe Problem beschäftigt. Fragen wir also doch mal für ihn...

Die Frage heute: Mein Freund hat einen Freund, der inzwischen zwei Kinder hat. Die beiden sind allerdings oft ziemlich nervig. Darf mein Freund das den Eltern offen sagen?

Die Antwort: Zu einem klaren Ja oder Nein kann man hier nicht raten, findet Psychologin Johanna Stauss aus Stuttgart. Denn es kommt immer auf die konkrete Situation an. Aber: «Wenn das Verhalten des Kindes Einfluss auf die Freundschaft hat, sollte man schon etwas sagen.» Allerdings könnten Eltern empfindlich reagieren, wenn ihr Nachwuchs kritisiert wird. Das sollte man im Hinterkopf haben.

Eine Alternative ist es, sich an das Kind zu wenden. «Wenn sich das Kind mir gegenüber blöd verhält, kann ich ihm auch direkt eine Rückmeldung über sein Verhalten geben», rät Stauss. «Damit mische ich mich ja nicht in die Erziehung ein.» Das Gute: Wenn die Eltern das beobachteten, bestehe die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Kind später selbst ermahnen, wenn es sich wieder ähnlich verhält.

Und wenn kein Weg daran vorbeigeht, den Eltern zu sagen, dass ihr Kind gerade nervt? Dann kommt es vor allem auf die Art und Weise an, wie man das rüberbringt. «Manchmal ist es einfacher, Fragen zu stellen», sagt Stauss. Damit könne der Freund zum Nachdenken angeregt werden.

Sei das Kind zum Beispiel ständig laut, könne es helfen, den Freund zu fragen: «Wie schaffst Du es, bei diesem Lärm ruhig zu bleiben?» Wichtig dabei: möglichst unvoreingenommen fragen, ohne schon eine bestimmte Antwort zu erwarten. Denn dann habe das Gegenüber die Möglichkeit, seinen eigenen Standpunkt zu formulieren. «Es kann ja auch sein, dass der Freund die Situation ganz anders sieht.»

Wichtig: Das Feedback sollte konstruktiv sein. Und der Ärger sollte nicht zu sehr aufgestaut werden. Wenn das alles nicht klappt, ist vielleicht die Freundschaft nicht das Wahre. «In besonderen Situationen im Leben merkt man, wo die echten Freunde sind.»


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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