Was steckt hinter der rätselhaften Krankheit Fibromyalgie?

16.01.2019
Fibromyalgie ist eine tückische Krankheit. Nicht nur wegen der Symptome, sondern vor allem, weil sie nur schwer zu diagnostizieren ist. Ein Allheilmittel gibt es ebenfalls nicht. Stattdessen müssen Betroffene lernen, auf sich selbst zu hören.
Starke Schmerzen, wenig Schlaf: Fibromyalgie ist eine tückische Krankheit - und ein Allheilmittel gibt es nicht. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Starke Schmerzen, wenig Schlaf: Fibromyalgie ist eine tückische Krankheit - und ein Allheilmittel gibt es nicht. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Saarbrücken (dpa/tmn) - Starke Schmerzen, Schlafstörungen, körperliche und geistige Erschöpfung. Die Symptome des Fibromyalgie-Syndroms (FMS) sind vielfältig. Und die Krankheit zu erkennen ist alles andere als einfach.

Es gibt keinen spezifischen Bluttest und keine Röntgenuntersuchungen für die Diagnose FMS, erklärt Prof. Winfried Häuser von der Klinik für Innere Medizin 1 am Klinikum Saarbrücken. Um Fibromyalgie festzustellen, müssen sich Mediziner die Vorgeschichte des Patienten gründlich ansehen und eine komplette körperliche Untersuchung sowie mehrere Labortests machen.

Wörtlich übersetzt bedeutet Fibromyalgie «Faser-Muskel-Schmerz». Die Patienten leiden zum Beispiel unter langandauernden Schmerzen, Ein- und Durchschlafstörungen und Erschöpfung. Hinzu kommen psychische Probleme: «So erfüllen etwa 60 bis 80 Prozent von ihnen die Kriterien einer depressiven oder Angststörung», sagt Häuser.

Viele Ursachen möglich

Die Ursachen für die Erkrankung können vielfältig sein. Experten gehen davon aus, dass eine genetische Veranlagung sowie verschiedene biologische und psychische Faktoren für das Fibromyalgie-Syndrom verantwortlich sind. Auffällig ist zudem, dass viele Betroffene ähnliche Persönlichkeitsmerkmale haben: «Die meisten Fibromyalgie-Patienten sind sehr sensibel, leistungsbereit und ehrgeizig», erklärt Thomas Weiss aus Mannheim, Facharzt für Allgemeinmedizin, Psychiatrie sowie Psychotherapie und psychosomatische Medizin. «Häufig kommt im Laufe des Lebens eine Überforderung dazu, die Personen geraten an ihre Grenzen - und dann geschieht etwas, das für sie schwer verständlich ist.»

Plötzlich schlafen die Betroffenen nicht mehr gut, sie reagieren empfindlicher auf Reize und haben vegetative Beschwerden - Nervosität etwa. «Wir gehen davon aus, dass die Körper der Patienten die Reizschwelle herunterfahren, was in stressigen Situationen evolutionsbedingt ein sinnvolles Verhalten ist», sagt Weiss. Nachts nicht mehr zu schlafen war früher zum Beispiel mal notwendig - als Schutz vor Gefahren.

Was die Symptome lindert

Den Patienten kann diese Erklärung vielleicht helfen, die Erkrankung zu verstehen. Die Symptome beseitigt sie jedoch nicht. «Wir geben zur Behandlung häufig sehr niedrig dosierte Antidepressiva», sagt Weiss. «Das soll nicht bedeuten, dass es sich bei Fibromyalgie um eine verkappte Depression handelt, aber die Mittel haben eine leicht schmerzstillende Wirkung.» Und so schwer es Patienten bei starken Schmerzen und permanenter Erschöpfung oft fällt: Bewegung kann helfen, die Symptome zu lindern.

Diese Erfahrung hat auch Ulrike Eidmann aus Wuppertal gemacht. 1990 wurde bei ihr Fibromyalgie festgestellt. «Ich war vorher für längere Zeit wegen Rücken- und Muskelschmerzen krankgeschrieben, aber kein Arzt hatte eine Erklärung», erzählt sie. «Erst ein dreiwöchiger Klinikaufenthalt brachte mir eine Diagnose.» In einer Reha begann sie dann, sich wieder viel zu bewegen. «Ich habe mit Nordic Walken und Fahrradfahren begonnen, außerdem bin ich viel geschwommen.»

Die Symptome wurden besser und verschwanden schließlich weitgehend. Phasenweise ist sie inzwischen komplett schmerzfrei. Heute sagt sie: Jeder Patient müsse für sich selbst herausfinden, was ihm hilft. «Für mich war es sehr wichtig, auf mich zu hören und so zu erkennen, was mir gut tut.»

Wichtig ist es nach Ansicht von Häuser aber, es bei der Bewegung nicht zu übertreiben. «Training mit mittlerer und hoher Belastung führt bei vielen Patienten zur Schmerzzunahme», sagt er. Ausnahmen gebe es nur bei Personen, die bereits vor Beginn der Erkrankung sehr gut im Ausdauertraining waren.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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