Was Mediziner und Psychologen zum Popeln sagen

23.04.2020
Viele tun es heimlich: Popeln. Gerade während der Corona-Pandemie sollte der Finger in der Nase nichts zu suchen haben. Davon abgesehen kommt die Wissenschaft auch zu überraschend positiven Erkenntnissen.
Viele machen es, meistens heimlich. Beim Nasenbohren soll uns am besten niemand sehen. Hat der Finger dort überhaupt etwas zu suchen?. Foto: picture alliance / Marius Becker/dpa
Viele machen es, meistens heimlich. Beim Nasenbohren soll uns am besten niemand sehen. Hat der Finger dort überhaupt etwas zu suchen?. Foto: picture alliance / Marius Becker/dpa

Berlin (dpa) - Wer dabei entdeckt wird, schämt sich. Dem Drang des höchst privaten Vorgangs des Popelns sollte man dieses Jahr noch stärker widerstehen. Wegen des Coronavirus warnen Mediziner davor, sich häufig ins Gesicht zu fassen und so die Viren zu verbreiten.

Für Allgemeinmedizinerin Sabine Gehrke-Beck von der Berliner Charité «ein Grund, mit dem Nasenbohren zu pausieren». Trotzdem wird der «Internationale Tag des Nasenbohrens» (23. April) begangen, dessen Ursprung - wie bei manch anderem kuriosen Gedenktag auch - im Dunkeln liegt.

Wer popelt wo und warum?

Am liebsten bohren die Menschen in der Nase, wenn sie sich unbeobachtet glauben - etwa allein zu Hause. Eine Sonderstellung nimmt das eigene Auto ein. Der Klassiker: Popeln beim Warten an der roten Ampel. Dabei bewegt man sich auf der Straße im öffentlichen Raum. Im Auto fühlten wir uns indes «so geschützt wie in unseren eigenen vier Wänden und glaubten irrtümlicherweise, dass wir nicht gesehen werden», erklärt Sören Al-Roubaie vom Berufsverband deutscher Psychologen.

Übrigens: Mehr Männer als Frauen popeln in der Nase. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest Autor Christoph Drösser, der für sein Buch «Wie wir Deutschen ticken» diverse Umfragen ausgewertet hat. Demnach bohren hierzulande 62 Prozent der Männer und 51 Prozent der Frauen heimlich in der Nase, wenn sie sich unbeobachtet fühlen.

Ist Bohren in der Nase schädlich?

Als «absolutes No-Go» bezeichnet Michael Deeg vom Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte diese Angewohnheit. Wer zu oft und zu lange bohrt, verursache Verletzungen an den Schleimhäuten.

Diese offenen Wunden schließen sich und es entstehen Krusten. Dermatologin Utta Petzold spricht von einem Kreislauf, in dem sich Betroffene befinden. Mitunter sei dann das Verlangen stark, mit dem Finger in die Nase zu gehen und «die neu entstandenen Krusten auch wieder zu entfernen».

Wer weiter bohrt, kann aus der Nase bluten. Denn die Gefäße im Organ verlaufen sehr nah an der Oberfläche. Zudem ist die Nasenscheidewand empfindlich. In ihr kann durch ausgiebiges Bohren gar ein Loch entstehen.

Neben den mechanischen Schäden können schmutzige Finger - nicht nur in Zeiten des Coronavirus - Keime oder Bakterien in die angeschlagene Schleimhaut transportieren. Die Nase entzündet sich.

Und wenn Kinder Popel essen?

Bei Kindern, die sich selbst entdecken, ist es ganz normal. Sie werden dann allerdings oft von ihren Eltern ermahnt. Dabei ist das Essen der eigenen Popel nicht per se ungesund. Grundsätzlich nehme der Mensch den ganzen Tag sein Nasensekret zu sich, weil Nase und Mund miteinander verbunden seien, erklärt Sabine Gehrke-Beck von der Berliner Charité.

Einige Forscher haben sogar herausgefunden, dass Popel-Essen das Immunsystem stärken kann. Das Nasensekret enthalte Bakterien, die vor schädlichen Zahnerkrankungen wie Karies schützen und sich positiv auf den Magen- und Darmtrakt auswirken sollen. Die Ergebnisse veröffentlichten die Forscher der Harvard University und des Massachusetts Institute of Technology in der Fachzeitschrift «Applied and Environmental Microbiology».

Dermatologin Utta Petzold zum Nasenbohren

Psychologe zum Popeln im Auto in der NOZ

Nasen-Ratgeber zum Nasenbohren


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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