Was Eltern bei Schwimmdefiziten tun können

04.06.2021
Angst vor Wasser nehmen und für Spaß am Plantschen sorgen - so sollten Eltern Kinder aufs Schwimmenlernen vorbereiten. Selbst beibringen sollten sie es eher nicht. Warum, sagt ein Schwimmausbilder.
Ein kleiner Junge planscht vergnügt am Ufer. Seine Mama bleibt konsequent in Griffweite - so kann sie zupacken, falls etwas passiert. Foto: Benjamin Nolte/dpa-tmn
Ein kleiner Junge planscht vergnügt am Ufer. Seine Mama bleibt konsequent in Griffweite - so kann sie zupacken, falls etwas passiert. Foto: Benjamin Nolte/dpa-tmn

Bad Nenndorf (dpa/tmn) - Monatelang waren Schwimmbäder dicht und Schwimmkurse fielen aus. Deshalb können mehr Kinder denn je nicht oder nicht genug schwimmen. Das kann mit der beginnenden Badesaison gefährlich werden. Was können aber Eltern tun?

«Sie sollten für den Spaß im Wasser sorgen, denn der spielt beim Schwimmenlernen eine entscheidende Rolle. Es gibt nichts Schöneres für Kinder, als im Wasser zu spielen und zu planschen. Aber das sollte nicht dazu verführen, die Kinder die ganze Zeit mit Schwimmflügelchen rumlaufen zu lassen und damit zu denken, so ist mein Kind sicher», warnt Harald Rehn, Referent für die Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Interview.

Frage: Sollten Eltern ihren Kindern selbst das Schwimmen beibringen?

Harald Rehn: Das würde ich nicht unbedingt empfehlen. Dabei können sich Fehler einschleichen, die sich verfestigen, wie etwa die sogenannte Schere beim Beinschlag des Brustschwimmens. Einmal falsch erlernte Bewegungen sind später von Profis nur schwer zu korrigieren. Wenn sie dann einen Schwimmkurs mit Schwimmlehrer besuchen, machen Korrekturversuche keine Freude und die Kinder können schnell das Interesse verlieren.

Frage: Aber zu üben, wie man waagerecht auf dem Wasser liegt und mit der Hand unterm Bauch Hilfestellungen gibt, dürfte doch nicht schaden?

Rehn: Eine waagerechte Körperlage beim Schwimmen ist wichtig, doch eine helfende Hand unterm Bauch kann kontraproduktiv sein. Das ist wie Fahrradfahren lernen mit Stützrädern. Besser ist es, die Kinder an den Händen durch das Wasser zu ziehen, damit sie spüren, wie die Beine auftreiben und hoch kommen. Doch Eltern sollten vor allem mit ihren Kindern spielen und erreichen, dass sie Spaß an jeglicher Bewegung im Wasser haben. Das ist der Gewinn.

Frage: Was hilft denn alles bei der Wassergewöhnung?

Rehn: Das fängt schon zu Hause unter der Brause an -vorsichtig den Wasserstrahl übers Gesicht laufen lassen. Oder mal ganz untertauchen in der Badewanne - natürlich unter Aufsicht. Im flachen Wasser eines Bades eignet sich alles, was Spaß macht, also Tauch-, Plansch- und Bewegungsspiele. Das Lieblingsspielzeug darf gern mit ins Wasser. Wichtig ist dabei, immer das Kind in Griffweite zu haben.

Frage: Was ist mit Griffweite gemeint?

Rehn: Das Kind sollte nicht ständig an der Hand geführt werden. Aber wenn ein Nichtschwimmer-Kind untergehen sollte, kann man sofort zugreifen. Am Badesee oder der Küste sollte man auch immer im Blick haben, von wo der Wind weht und wie das Ufer beschaffen ist, also lange flaches Wasser oder plötzlich abfallender Boden. Wichtig ist, so nah am Kind zu bleiben, dass man mit einem Griff jede Situation retten kann.

Frage: Wenn ich im Getümmel sehe, dass ein anderes Kind untergeht...

... sollte man immer helfen! Und keinesfalls beim Helfen Angst haben, etwas falsch zu machen. Ein Kind ins flache Wasser zu ziehen und zu fragen, ob alles in Ordnung ist oder wie man helfen kann, ist nie falsch. Ist man weiter entfernt, sollte man sofort laut um Hilfe rufen, etwa «Kind in Gefahr!» und natürlich den Rettungsdienst 112 alarmieren. Bei einer Selbstgefährdung, etwa einem Sprung von einer 15 Meter hohen Brücke, macht es keinen Sinn, hinterherzuspringen. Dann bleibt nur, laut darauf aufmerksam zu machen und den Notruf abzusetzen.

© dpa-infocom, dpa:210602-99-837526/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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