Was Detox wirklich bringt

24.01.2018
In einer Gesellschaft voller Überfluss liegt der Verzicht im Trend. Entschlacken, Entgiften, Detoxen. Hier ein Gemüsesaft, da ein Ingwertee. Und dann ist da noch das Heilfasten. Es bewirkt vor allem eines: die Auseinandersetzung mit dem eigenen Essverhalten.
Ein Tässchen Tee und schon fließen die Giftstoffe aus dem Körper? Ganz so einfach ist es nicht. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Ein Tässchen Tee und schon fließen die Giftstoffe aus dem Körper? Ganz so einfach ist es nicht. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Bad Pyrmont (dpa/tmn) - Gleich zu Anfang eine schlechte Nachricht: Schlacken gibt es nicht. Zwischen Mittag- und Abendessen ein bisschen Detoxen mit geschreddertem Obst und Gemüse? Unmöglich.

Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind Giftstoffe und schädliche Ablagerungen, die den sich im Körper ansammeln und die man dann mit irgendwie entgiftenden Stoffen ausschwemmen müsste, ein Mythos.

Vielmehr erledigt der Körper solche Arbeiten selbst. Verena Buchinger, die seit 2017 die Fastenklinik ihrer Familie in Bad Pyrmont als Chefärztin leitet, spricht von Autophagie, einem «inneren Arzt». Die Zelle entledigt sich schädlicher Stoffe und schleust sie aus. Das Prinzip wird von Insulin gehemmt, also durch ständiges essen. Was also durchaus helfen kann: eine Weile nichts essen.

Buchingers Urgroßvater, ein Marinearzt, hat die Buchinger-Fastenmethode vor mehr als 100 Jahren in Eigenregie erfunden. Erlaubt sind täglich zwei flüssige Kalorienquellen: mittags eine Gemüsebrühe, abends ein Saft. Und das möglichst 18 Tage lang, mindestens aber eine Woche. «Wir schicken die Organe in den Urlaub», sagt Buchinger.

Wer glaubt, dass Patienten nur zum Abnehmen oder Gift loswerden in Kurkliniken kommen, irrt aber. Da gibt es welche mit Rheuma, mit Diabetes, Bluthochdruck, aber auch Schmerzpatienten oder welche mit psychischen Leiden. Die Buchinger-Klinik hat - so wie viele ähnliche Häuser auch - Verträge mit allen Gesetzlichen Krankenkassen.

Fasten setzt auf mehreren Ebenen an. Im Tiermodell hat sich in Studien eine erhöhte kognitive Leistungsfähigkeit gezeigt. Bei einer Gruppe von depressiven Männern stieg über drei Monate die Stimmung, wenn man ihnen nur eine gewisse Menge von Essen erlaubte. Auch das Risiko für Parkinson und Alzheimer soll sinken, Entzündungsprozess ereduziert werden. Und dann ist da noch die Sache mit der Lebenserwartung. Fastende Mäuse lebten im Versuch bis zu 30 Prozent länger, bei Würmern waren die Ergebnisse sogar noch eindrucksvoller.

Aber: Viele Effekte lassen sich bisher nur bei Mäusen und Ratten nachweisen. Einfach so auf den Menschen übertragen kann man die Ergebnisse nicht.

Prof. Andreas Pfeiffer, Ernährungsmediziner und Diabetologe an der Berliner Charité, hält von den angepriesenen Entschlackungs-Effekten nichts: «Dass man mit dem Fasten Gefäße sauber kriegt oder den Darm reinigen kann, ist Quatsch.» Trotzdem hält er Fasten durchaus für sinnvoll. «Das Fett in den Organen ist durch Hungern schnell zu reduzieren, da zählt jedes Kilo.»

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) steht dem Fasten ambivalent gegenüber. Schlacken gibt es nicht, heißt es auch von dort. Die DGE lobt dafür die psychologischen Effekte: Menschen, die fasten, setzen sich mit ihrem Körper, ihrer Gesundheit und ihrer Ernährung auseinander - das sei gut. «Solange es sich dabei nicht um Senioren, Schwangere, Stillende oder Kinder handelt, haben wir nichts dagegen», fasst Antje Gahl von der DGE zusammen.

Vor allem empfiehlt die DGE, bevor man sich über wie auch immer geartetes Fasten Gedanken macht, erst mal auf zwei Dinge zu verzichten: Alkohol und Nikotin. Für die meisten ist das schon Detox genug. Ein Obst oder Gemüsesaft zwischendurch kann auch nicht schaden. Zu viel aber doch: Zumindest in Obst lauert auch viel Zucker.

Studie zu Depressionen und Fasten bei Männern

Fasten-Studie

Studie zu Effekten von Kurzzeit-Fasten


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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