Warum Stoßlüften so wichtig ist

12.10.2020
Die AHA-Grundregel zur Eindämmung des Coronavirus sollte jeder im Kopf um den Buchstaben S erweitern. Denn Stoßlüften senkt das Risiko einer Übertragung - man muss es nur richtig machen.
Fenster auf, Aerosole raus: Stoßlüften ist eine wichtige Vorsichtsmaßnahme, um das Risiko einer Corona-Übertragung zu verringern. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Fenster auf, Aerosole raus: Stoßlüften ist eine wichtige Vorsichtsmaßnahme, um das Risiko einer Corona-Übertragung zu verringern. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn

Rostock (dpa/tmn) - Neben Alltagsmaske, Abstand halten und Händewaschen wird in der kalten Jahreszeit noch eine weitere Corona-Vorsichtsmaßnahme immer wichtiger: regelmäßiges Stoßlüften.

Denn jetzt hält man sich in aller Regel öfters drinnen auf als im Frühling und Sommer. In schlecht belüfteten Räumen sei die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch in der Luft schwebende Aerosole aber höher, erläutert der Tropenmediziner Emil Reisinger aus Rostock.

«Neben Tröpfchen gelten die wesentlich kleineren Aerosole als Hauptübertragungsweg der Coronaviren, wenn auch in geringerem Umfang», sagt Reisinger. Während die schweren Tröpfchen schnell auf den Boden sinken, könnten die leichteren Aerosole längere Zeit in der Luft schweben und sich so in geschlossenen Räumen verteilen.

Die vermeintliche steigende Erkältungsgefahr, weil die Räume durch das Stoßlüften auskühlen, hält der Mediziner für unbegründet. Werde richtig gelüftet, brauche sich niemand davor zu fürchten. «Beim Stoßlüften von wenigen Minuten Dauer kühlt der Raum kaum aus.» Alle Gegenstände und auch die Wände behielten die Zimmertemperatur bei und geben diese gespeicherte Wärme auch wieder ab.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) rät beispielsweise zu drei bis zehn Minuten langem Stoßlüften - und zwar in Besprechungsräumen nach jeweils 20 Minuten Zusammensitzen, in Büroräumen nach jeweils einer Stunde.

© dpa-infocom, dpa:201012-99-912857/2

Profil Emil Reisinger

Tipps der Baua (S. 8 der pdf)


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Auch im Winter führt regelmäßiges Lüften nicht zwangsläufig zu mehr Erkältungen, beruhigen Mediziner. Foto: Christoph Schmidt/dpa Mehr Erkältungen durch häufiges Lüften im Winter? Regelmäßiges Fensterlüften hält die Viruslast in geschlossenen Räumen klein. Aber sollte man auch häufig lüften, wenn es draußen kalt ist - oder droht dann eine Schnupfenwelle?
Zum Themendienst-Bericht vom 14. September 2020: Konferenzen in Corona-Zeiten sollten eher kurz sein und in großen Räumen stattfinden. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn Meetings lieber in mehrere Einheiten aufteilen Wenn es draußen kälter wird, spielt sich zwangsläufig immer mehr drinnen ab. Mit Blick auf das Corona-Ansteckungsrisiko ist das nicht gut. Ein Experte erklärt, wie man die Gefahr reduzieren kann.
Laut Experten soll in jedem Klassenraum spätestens nach 45 Minuten Unterricht komplett gelüftet werden. Foto: Gregor Fischer/dpa Stoßlüften, wenn jemand niest oder hustet In vielen Bundesländern sind die Sommerferien beendet. Wie sollen sich Schüler und Lehrer verhalten, um das Risiko einer Coronavirus-Infektion so gering wie möglich zu halten?
Großeltern sollten selbst bestimmen, welches Risiko sie eingehen wollen, um die Enkel zu sehen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Großeltern sollten über Kontakt zu Enkeln selbst entscheiden Gerade ältere Menschen mussten in der Corona-Zeit auf persönlichen Kontakt zu ihren Lieben verzichten. Ein Virologe plädiert dafür, dass man ihnen hier mehr Selbstbestimmung zugestehen sollte.